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Immer was zu schreiben

Knochen, Schwerter, Flugzeuge, Dackel: Der Borthener Jürgen Thiele sammelt Kugelschreiber. Und besondere Dosen.

Von Heike Sabel

Ein schöner Urlaub ist für Jürgen Thiele, wenn er zehn neue Kugelschreiber mitbringt. Die jüngste Errungenschaft ist ein Kuli mit einem Touch-Pen für das iPhone. Der Kuli hat sieben Euro gekostet. Thiele hat ihn heimlich gekauft. Seine Frau schüttelt sonst wieder den Kopf. Genau wie kurz nach der Wende, als er sich für 22 wertvolle D-Mark einen Mehrfarben-Stift kaufte. „Das hab’ ich mir geleistet“, sagt er. Schließlich ist sein Hobby sonst nicht teuer. Etliche Stifte hat er bekommen, andere für eine Mark oder einen Euro gekauft.

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Jürgen Thiele hat seine Sammlung in Mon-Cherie-Kisten sortiert, auch die sammelt er. In der DDR-Anfangskiste liegt unter anderem ein Verkehrsstab – ein selbsthergestellter aus Messingrohr. Thiele hat jeden Stift genommen und gesammelt, auch die kaputten. Die hat er dann repariert, und wenn es sein musste, hat er aus zwei einen gemacht.

So begann es auch. Wenn er als Arbeiter bei der Materialwirtschaft etwas holen musste, stand da eine Kiste kaputter Kugelschreiber. Thiele nahm welche mit und baute sie neu zusammen. Dann entdeckte er das damalige Schreibwarengeschäft Markant in Dresden. „Da gab es immer etwas Besonderes“, sagt Thiele. Dort kaufte er zum Beispiel seinen ersten viereckigen Kugelschreiber.

Die Raritäten liegen nicht in einer schnöden Plastekiste, sondern in einer hölzernen. „Die kleinen schlanken, niedlichen Stifte von Mallorca und Ibiza gefallen mir“, gesteht Thiele. Auch der Knochen, der brasilianische mit einer Maske, ein roter Dackel, ein Nagel, ein Schwert, ein Skistock und eine Zahnbürste beherbergen Mienen in sich. Kugelschreiber mit Fußbällen, mit Eurozeichen, mit Wuschelpüscheln – von wegen, ein Kuli ist nur zum Schreiben da!

Thiele freut sich über das eine oder andere schreibende Mitbringsel. Manchmal bekommt Thiele einen besonderen Stift geschenkt, manchmal einen ganzen Beutel voll, manchmal beschenkt er sich selbst. Auch Tauschpartner hat er genug. Und wenn ihm irgendwo ein Kuli gefällt, fragt er, ob er ihn bekommen kann. Der kleinste Kuli ist sechs Zentimeter lang, der längste Stift misst 28,5 Zentimeter. Am Anfang hatte Thiele seine Kulis thematisch sortiert, nach Krankenkassen, Reisebüros, Versicherungen, Banken. Doch das wurde zu viel. „Nach der Wende wurde ich ja zugeschüttet.“ Jürgen Thiele holt wieder eine Kiste hervor. Diesmal mit alten Stempeln. Die sammelt er nicht, die hat nur aufgehoben. Genau wie etliche Gliedermaßstäbe. Das Einzige, was er wirklich sammelt, sind Kugelschreiber. Und Mon-Cherie-Dosen.

Trotzdem wollte Jürgen Thiele einmal fast mit dem Sammeln aufhören. Er hatte von einem australischen Kugelschreibersammler gehört, der in Dresden ausstellte. Thiele schnappte sich seine doppelten DDR-Exemplare und hoffte auf einige lukrative Tauschobjekte. Stattdessen „klappte mir die Kinnlade runter“, sagt er. 75 000 Kugelschreiber hatte der Australier, darunter einen großen Kasten DDR-Exemplare. „Da bin ich ja ein Waisenknabe“, dachte sich Thiele und war deprimiert.

Dann hat er doch weitergemacht. Wäre ja auch schade gewesen, von all den Reisen ohne Stift zurückzukommen. Jürgen Thiele schätzt seine Sammlung auf etwa 7 000 Stück. Gezählt hat er noch nicht. Ein Kugelschreiber fehlt. Der Kugelschreiber von Neuseeland ging irgendwie verloren. Der schöne Urlaub bekam einen Nachgeschmack …