merken
PLUS Leben und Stil

Viele Frauen verhüten mit Risiko

Pillen der neuen Generation bergen gesundheitliche Risiken. Eine Studie der AOK zeigt, dass sie immer noch häufig verschrieben werden.

Vor allem jüngere Frauen verzichten auf die Pille.
Vor allem jüngere Frauen verzichten auf die Pille. © Ralf Schirmberger/dpa

Seit 60 Jahren ist sie auf dem Markt – und bis heute ein bevorzugtes Verhütungsmittel: die Pille. Allerdings haben die oralen Kontrazeptiva nicht nur positive Wirkungen. Vor allem Präparate der neueren Generation bergen gesundheitliche Gefahren, insbesondere für Thrombosen und Embolien. Ihr Marktanteil ist in den letzten Jahren zwar gesunken, dennoch erhalten immer noch mehr als die Hälfte der Frauen (54 Prozent) genau solche Pillen verschrieben. Das ergab eine aktuelle Analyse, die das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) am Dienstag veröffentlichte.

Insbesondere Frauen über 20 Jahren nehmen demnach risikoreichere Wirkstoffe ein, während die Jüngeren eher zu Pillen mit geringeren Gefahren greifen. So sind die Verordnungen von risikoärmeren Pillen – insbesondere mit dem Gestagen Levonorgestrel – binnen der letzten zehn Jahre von rund 28 Prozent auf rund 46 Prozent gestiegen. 

Sachsenbessermachen.de
Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.
Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.

Hinsehen, Zuhören, Lösungen finden - gemeinsam. Sachsen besser machen!

Die Anteile der risikoreicheren Gestagene Chlormadinon, Drospirenon, Desogestrel und Gestoden gingen im gleichen Zeitraum dagegen stark zurück – von 52 auf 16 Prozent. Als „problematisch“ bezeichnet Dr. Eike Eymers, Ärztin im Stab Medizin des AOK-Bundesverbandes, den starken Anstieg der Verordnungen des Wirkstoffs Dienogest – obwohl dessen Risiko für das Auftreten venöser Thromboembolien lange unklar war und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte inzwischen sogar in einem sogenannten Rote-Hand-Brief davor warnt.

Auf Thrombose-Symptome achten

Betroffene Frauen sollten auf typische Anzeichen einer Thrombose oder Embolie achten: Starke Schmerzen oder Schwellungen, ein Spannungs- oder Schweregefühl im Bein, eine bläulich-rote Verfärbung oder ein Glänzen der Haut am Bein könnten auf eine Thrombose hindeuten. „Typische Symptome einer Lungenembolie sind plötzlich auftretende Kurzatmigkeit oder Atemnot, atemabhängiger Brustschmerz, Herzrasen oder unerklärlicher Husten“, erklärt Eymers.

Insgesamt verhüten immer weniger Frauen in Deutschland mit der Pille: Laut Analyse sank der Anteil der Pille-Verordnungen bei den gesetzlich versicherten Mädchen und Frauen von 46 Prozent im Jahr 2010 auf 31 Prozent im Jahr 2019. Eymers: „Das kann mit einem stärkeren Bewusstsein dafür zu tun haben, dass die Pille kein Lifestyle-Präparat ist, sondern in den Hormonhaushalt eingreift und auch Nebenwirkungen haben kann.“ So habe eine dänische Studie kürzlich auch auf ein höheres Risiko für Depressionen gerade bei jungen Erstanwenderinnen hingewiesen.

Mehr zum Thema Leben und Stil