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Immer weniger Parkplätze in Pieschen

Konzert- und Strandbesucher parken das Viertel zu. Doch die Stadt baut Bauminseln statt Parkplätze.

Von Kathrin Kupka-Hahn

Die tägliche Parkplatzsuche kostet Franz Cramer viel Zeit. Jeden Abend legt er sich wie viele seiner Nachbarn im Gründerzeitviertel zwischen Erfurter und Hartigstraße auf die Lauer. „Denn ab 18 Uhr findet man hier nicht einen freien Parkplatz“, sagt der 71-Jährige. Oft braucht er zwischen 45 und 60 Minuten, um sein Auto in einer Parklücke unterzubringen. Umso mehr ärgert sich der Anwohner, dass die Stadt in den vergangenen Monaten die Zahl der vorhandenen Parkplätze auch noch verringert hat.

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Auf der Hartigstraße wurden Ende 2013 fünf Bauminseln auf der Fahrbahn gebaut. „Dadurch sind weitere zehn Parkplätze weggefallen, die wir hier eigentlich dringend brauchen“, sagt Cramer. Dabei war das nicht immer so. Als der Biologe mit seiner Frau 1997 in die Weimarische Straße zog, gab es noch ausreichend Parkplätze am Straßenrand. Doch dann wurde Haus für Haus saniert. Immer mehr Menschen zog es in das Viertel. „Schließlich ist man von hier aus schnell an der Elbe und auch in der Innenstadt.“ Mit den Zuzüglern wuchs aber auch die Anzahl der Autos in dem Viertel. Zusätzliche Parkplätze wurden jedoch in den vergangenen 17 Jahren nicht gebaut.

Parallel dazu entwickelte sich der Alte Schlachthof zum angesagten Veranstaltungsort. Die Auswirkungen bekamen auch Cramer und seine Nachbarn deutlich zu spüren. „Sobald dort Konzerte mit namhaften Künstlern stattfinden, wird hier alles zugeparkt“, erzählt er. Aber es geht noch schlimmer. Denn sobald es draußen wieder wärmer wird, kommen noch die Besucher der Beachvolleyballplätze und Strandbars an der Elbe hinzu. „Dann ist es hier völlig sinnlos, einen Parkplatz zu suchen“, so Cramer. Deshalb fragte er auch bei der Stadt nach dem Grund, weshalb die Bauminseln in der Hartigstraße angelegt wurden. „Die Pflanzungen sind im Auftrag und auf Kosten der Landestalsperrenverwaltung als Ersatz für die in der Böcklinstraße gefällten Bäume durchgeführt worden“, so die Reaktion von Ines Pochert vom Amt für Stadtgrün. Dabei sei es erklärtes Ziel, die insgesamt 140 zu ersetzenden Bäume im möglichst dicht besiedelten Pieschen unterzubringen.

Doch nicht nur durch die neuen Bauminseln sind Parkflächen verschwunden. Schon vor einigen Jahren hat die Stadt die Kreuzungen im Viertel ausgebaut – zugunsten einer besseren Sicht für die Autofahrer. Zudem wurde der Alexander-Puschkin-Platz umgestaltet. Weitere 20 Parkplätze fielen dort weg. Franz Cramer kann all das nicht verstehen, ebenso sein Nachbar Sebastian Kuhnert. „Die Stadt soll für Autofahrer unattraktiv gemacht werden“, schimpft der 31-Jährige. Der Familienvater arbeitet in Wilsdruff und ist auf sein Auto angewiesen. Zwar hat er eine Garage, in der er sein Fahrzeug unterbringt. Doch nicht selten muss er Einkäufe oder den Kinderwagen ausladen und versucht dann vergeblich, nahe am Hauseingang zu parken. „Und dann ist das Ordnungsamt recht schnell dabei, abzukassieren“, sagt Kuhnert. Franz Cramer kann das nur bestätigen. Deshalb hatte er in mehreren Schreiben an das Rathaus und auch an das Ortsamt Pieschen vorgeschlagen, die Parkflächen im Viertel neu zu sortieren.

Während sich Ortsamtsleiter Gottfried Ecke gesprächsbereit zeigte, verwies Umwelt-Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP) darauf, dass es für Anwohner keinen Rechtsanspruch auf einen Stellplatz im öffentlichen Straßenraum gebe. Außerdem verteidigte er die neu geschaffenen Bauminseln. „Bäume gehören zum Straßenraum und prägen das Stadtbild“, so Hilbert. Die Anwohner der Weimarischen Straße haben aber noch ganz andere Erfahrungen gemacht. „Die Bäume werden immer mehr als Hundeklo genutzt“, sagt Sebastian Kuhnert. Egal, ob sie auf einer Insel auf der Fahrbahn oder am Gehweg stehen.

Cramer befürchtet, dass die angespannte Parkplatzsituation und die damit verbundenen Probleme viele Bewohner aus dem Viertel vertreiben werden. Deshalb sieht er die Stadt in der Pflicht, Konzepte fürs Parken zu erarbeiten. „Statt einzelne Bäume zu pflanzen, sollte sie auf dem Globusgelände besser einen Park anlegen.“