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Immer weniger Wege führen nach Kunnerwitz

Privatbesitzer sperren zahlreiche Wanderwege. Das ist legal, doch jetzt regt sich Widerstand.

© Nikolai Schmidt

Von Ingo Kramer

Durchschnittlich 15 Kilometer wandert Hartmut Dolgner um seinen Heimatortsteil Kunnerwitz – jeden Tag. Doch der 72-Jährige hat ein Problem: Er kommt immer schlechter voran. Das aber hat nichts mit nachlassender Fitness zu tun, sondern damit, dass immer mehr Wanderwege, die über private Grundstücke führen, gesperrt werden. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Besitzer wollen keine Arbeit mehr mit der Verkehrssicherungspflicht haben – und keinen Müll mehr entsorgen müssen, der achtlos weggeworfen wird.

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Das kann Dolgner zwar nachvollziehen, aber er will nicht mehr hinnehmen, dass immer mehr Wege deshalb gesperrt werden. Im Ortschaftsrat von Kunnerwitz/Klein Neundorf sprach er das Problem jetzt an und präsentierte den Räten, aber auch Vertretern aus dem Stadtplanungs- sowie dem Tiefbau- und Grünflächenamt, eine Karte. Auf der hat er alle Wege rund um Kunnerwitz mit Rot eingezeichnet, die seit 1989 gesperrt wurden. „Da sind sogar Wege in Richtung Berzdorfer See dabei“, beklagt Dolgner. Er verlangt gar nicht, dass jeder einzelne Weg wieder geöffnet wird. Für manche gebe es gute Alternativen. „Aber zumindest muss es doch möglich sein, Kunnerwitz zu Fuß aus allen vier Himmelsrichtungen zu erreichen“, sagt er.

Nach Auskunft von Heike Zahn vom Stadtplanungsamt kann die Kommune nicht viel tun: „Eigentümer dürfen selbst entscheiden, was auf ihren Flächen geschieht.“ Die Stadt könne maximal im Umfeld nach Alternativen suchen, bei denen die Eigentümer kooperativ sind. Dolgner würde gern dabei helfen – allerdings ist er bei dem Versuch gescheitert, eine Eigentümerkartierung aufzustellen: „Als Privatperson habe ich keine Chance, alle Eigentumsverhältnisse zu ermitteln.“ Hintergrund: Er setzt auf die Kompromissbereitschaft der Eigentümer: „Für einen Weg reicht oft schon ein einziger Meter aus.“ Aber gerade wenn es um das Stadtgut geht, seien die Grenzen unheimlich verschwommen: „Da benötige ich die Zuarbeit der Stadt.“

Suche nach Alternativen startet

Laut Thomas Würfel vom Tiefbau- und Grünflächenamt kennt auch die Stadt nicht überall die genauen Eigentümer: „Die Karten, die wir haben, sind extrem dürftig.“ Teilweise habe die Stadt dort schon Abweichungen von sechs bis acht Metern festgestellt. So lasse sich oft nicht genau sagen, ob der Weg nun noch zum einen Grundstück gehört oder schon zum anderen. Würfel erklärt, die Stadt müsste einen öffentlich bestellten Vermessungsingenieur schicken, um Genaueres zu ermitteln. Das aber sei teuer. So sei die Suche nach Alternativen der bessere Weg. Den will Dolgner nun gehen und der Verwaltung eine Prioritätenliste zuarbeiten. Heike Zahn kündigt an, daraus Alternativen prüfen zu wollen. Ortsvorsteher Matthias Roch indes will das Thema beim nächsten Treffen mit OB Siegfried Deinege ansprechen.