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Immobilienpreise steigen weiter

Seit zehn Jahren wird Wohnen in Deutschland immer teurer. Sachsen widerstrebt dem Trend zumindest teilweise.

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Wohnen wird auch in Sachsen immer teurer. In Leipzig etwa stiegen die Eigentumspreise pro Quadratmeter innerhalb von zehn Jahren seit 2008 um je rund 75 Prozent.
Wohnen wird auch in Sachsen immer teurer. In Leipzig etwa stiegen die Eigentumspreise pro Quadratmeter innerhalb von zehn Jahren seit 2008 um je rund 75 Prozent. © Hendrik Schmidt / dpa

Von Alexander Sturm

Wohnungen und Häuser in Deutschland verteuern sich nach zehn Jahren Immobilienboom weiter. Im dritten Quartal 2019 stiegen die Preise kräftig. Expertinnen und Experten erwarten, dass sich der Trend fortsetzt. Die Zahlen ermittelte das Hamburger Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung (Gewos).

Die jüngsten Gewos-Daten zeigen, dass Eigentumswohnungen sich gemessen am Vorjahreszeitraum um 8,2 Prozent auf durchschnittlich 2.030 Euro je Quadratmeter verteuerten. In Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf stiegen die Angebotspreise für Wohnungen um neun Prozent. Auch in Sachsen macht sich der Anstieg bemerkbar. In Dresden und Leipzig etwa stiegen die Eigentumspreise pro Quadratmeter innerhalb von zehn Jahren seit 2008 um je rund 75 Prozent. Das ergaben Auswertungen des Immobilienportals Immowelt.

Gleichzeitig zählen einige sächsische Städte wie Plauen, Görlitz oder Zwickau noch immer zu den günstigsten in Deutschland. In Plauen betrug der Quadratmeterkaufpreis zuletzt rund 500 Euro. In München lag der Durchschnitt zum selben Zeitpunkt bei mehr als 7.000 Euro. In den sieben größten Städten kosteten Eigenheime der Gewos-Studie zufolge pro Quadratmeter mehr als das Doppelte im Vergleich zum deutschen Durchschnitt: rund 6.100 Euro. In ostdeutschen Landkreisen waren Häuser für 1.500 Euro zu haben.

Auftragsflut in der Baubranche

Die Schere zwischen Preisen und Mieten öffnet sich weiter: Neuvertragsmieten kletterten im dritten Quartal um 3,7 Prozent. Seit Jahren steigen Immobilienpreise weitaus kräftiger als Mieten. Günstige Kredite und die gute Konjunktur haben die Preise getrieben. Seit 2015 hat sich der Boom noch beschleunigt und erfasst selbst dünn besiedelte Landkreise. Außerdem dauert die Wohnungsnot an: 2019 entstanden statt 375.000 von der Großen Koalition angepeilte nur 300.000 neue Wohnungen. 

Längst kommt die Baubranche der Auftragsflut nicht mehr hinterher. Mitte der 1990er Jahre wurden jährlich noch mehr als 600.000 Wohnungen gebaut. Danach stiegen die Preise kaum. Über Jahre stagnierte der Neubau bis zum Tiefpunkt in der Finanzkrise 2009. Seither geht es aufwärts. Und jetzt? „Ein Immobilienboom stirbt nicht an Altersschwäche“, sagt Stefan Mitropoulos von der Landesbank Helaba. Er rechne nicht mit einer Rezession.

In weiten Teilen der Bundesrepublik ist Wohnraum noch immer erschwinglich. Für weniger Druck auf dem Land sorgt das Überangebot. In 69 von 401 kreisfreien Städte und Kreise wurden in den vergangenen zwei Jahren gut 50 Prozent mehr Wohnungen gebaut als nötig, so das Institut der deutschen Wirtschaft fest. (mit SZ/fak)