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Impfpflicht für alle?

Der Kampf gegen Falschinformation steht noch im Vordergrund, um Eltern vom Impfen zu überzeugen. Aber reicht das? Ein Kommentar von Detlef Drewes.

© [M] dpa/SZ

Darf der Staat Eltern zwingen, ihre Kinder impfen zu lassen? Es gibt diese Beispiele – und sie zeigen tatsächlich Erfolge. Aber beim Brüsseler Impfgipfel waren die moderaten Stimmen noch in der Mehrzahl. Man müsse die Eltern besser informieren – auch schon die „Eltern von morgen“, hieß es. Und den Kampf gegen die Vielzahl der Falschinformationen intensivieren. Denn Impfungen seien sicher, die verwendeten Stoffe erprobt, der Erfolg garantiert. 

Tatsächlich fällt es schwer, sich vorzustellen, warum Eltern nicht nachvollziehen können, dass sie ihren Kindern schwere Erkrankungen durch rechtzeitige Immunisierungen ersparen. Dass beispielsweise Masern und Röteln in Europa im Vormarsch sind, ist unbestreitbar. Und ein Virus, der nicht gestoppt wird, infiziert immer mehr. Es entsteht ein Schneeballsystem, bei dem es immer weitere Opfer gibt: die Kinder. Und nicht nur die.

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Dass die Rufe nach staatlichem Druck lauter werden, liegt auf der Hand. Die Gesellschaft muss sich gegen die Herausforderung schwerer Erkrankungen schützen. Wer eine Impfung ablehnt, riskiert nicht nur die Gesundheit der eigenen Familie, sondern auch des sozialen Umfelds. Dennoch sollten Strafen wirklich nur das letzte Mittel sein. In Brüssel waren alle Fachleute sicher: Wenn es gelingt, die Fake News über Impfungen auszurotten und mit den Eltern zu reden, würden diese einsehen, dass Impfungen sinnvoll sind.

Aus der Sicht der Weltgesundheitsorganisation ist die Zeit für Appelle allerdings längst abgelaufen. 20 Millionen Kinder in aller Welt, so die WHO, hätten nicht einmal die grundlegenden Schutzimpfungen bekommen – und sie seien den gefährlichen Viren deshalb nahezu schutzlos ausgesetzt. Jedes Jahr könnten drei Millionen Leben gerettet werden, wenn die wichtigsten Immunisierungen durchgeführt würden. Das sind Zahlen, die niemanden ruhig lassen dürfen. Zumal die Legenden, die sich um Impfungen ranken, von keiner seriösen Gesundheitsorganisation geteilt werden. 

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Die Skepsis vieler Eltern gegen Impfungen ist groß. Inzwischen steigt aber die Anzahl ansteckender Krankheiten. Ein Land in Europa hat das Problem vorbildlich gelöst.

Die WHO tat und tut gut daran, die globale Dimension dieses Themas herauszustreichen. Denn auch in Brüssel war die Versuchung groß, nur das eigene Land oder bestenfalls noch die Union im Blick zu haben. Doch Krankheiten akzeptieren keine Grenzen. Trotzdem gibt es nicht einmal innerhalb der Gemeinschaft eine gemeinsame Strategie für Impfungen. Dabei wäre gerade in einem Staatenbund, in dem die Menschen reisen, übersiedeln und sich austauschen, ein gleiches Niveau an Gesundheitsschutz nötig. 

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