merken
PLUS

Dresden

In Australien gibt’s jetzt Dresden-Brillen

Der Firmengründer war noch nie hier, und ist doch großer Fan der Stadt. Nur Pegida macht ihm Sorgen. 

Sie haben der Stadt Dresden ein Marken-Denkmal gesetzt: Jason McDermott und Bruce Jeffreys sind die Gründer von Dresden Optics.
Sie haben der Stadt Dresden ein Marken-Denkmal gesetzt: Jason McDermott und Bruce Jeffreys sind die Gründer von Dresden Optics. © Peter Rae/Dresden Optics

So mancher Tourist, der bei seinem Besuch in Sydney auch mal die Viertel außerhalb des Zentrums erkundet, landet irgendwann hier. In Dresden. Auf den ersten Blick könnte man meinen, das sei nur einer der vielen Souvenirläden. Aber warum für Sachsens Landeshauptstadt? Beim Blick durchs Schaufenster fällt auf: Drinnen hängen die Wände voller Brillen in allen erdenklichen grellen Farben. Willkommen bei Dresden Optics, Australiens einzigem handwerklichen Brillenhersteller.

Die erste Dresden-Filiale eröffnete 2014 in Sydney. Die Australier
wollen den Brillen-Vertrieb revolutionieren und
nahmen sich
vermeintlich deutsche Werte zum Vorbild.
Die erste Dresden-Filiale eröffnete 2014 in Sydney. Die Australier wollen den Brillen-Vertrieb revolutionieren und nahmen sich vermeintlich deutsche Werte zum Vorbild. © Peter Rae/Dresden Optics

Vor fünf Jahren gründete Bruce Jeffreys sein Unternehmen, mit dem er den Brillenmarkt revolutionieren wollte. Bei der Suche nach einem Namen für seine Marke sinnierte er über deutsche Unternehmenskultur und den starken Mittelstand, der auf der ganzen Welt für Qualität stehe. Irgendwann kam er bei seinen Recherchen auf Dresden – ohne die Stadt jemals besucht zu haben. Immerhin lebte er aber kurz in Deutschland. Das genügte ihm.

Es ist ein netter Zufall am Rande, dass er die erste Filiale von Dresden Optics 2014 im trendigen Stadtteil Newtown eröffnet – Sydneys Neustadt. Inzwischen hat sein Unternehmen weltweit 60 Mitarbeiter und betreibt außerhalb Australiens auch Geschäfte in Neuseeland und Kanada.

Auf seiner Internetseite preist das Unternehmen die deutsche Kultur und speziell den „Dresdner Ansatz“: „Organisch und technisch. Verspielt und funktional.“ Nun ist das sächsische Dresden für Vieles bekannt, aber nicht unbedingt für seine Brillenindustrie. „Bei der Namensgebung ging es uns mehr um Werte und nicht um das konkrete Produkt“, erklärt Michael Rieke, der in Deutschland geborene Personalchef, der beide Staatsbürgerschaften besitzt. „Niemand aus unserem Unternehmen stammt aus Dresden, aber wir haben uns intensiv mit der Geschichte, der Kultur und Politik von Sachsens Landeshauptstadt beschäftigt.“

Und tatsächlich offenbart er auf Nachfrage eine Menge an Detailwissen, das so manchen Stadtführer erblassen lassen würde. Rieke spricht von Erfindungen wie dem Teebeutel, dem Mineralwasser und der Zahnpasta, über die einst so große Tabak- und Schokoladenindustrie und wie die Industrie in Dresden schon immer eng mit der Gesellschaft, den Bürgern, verbunden war. Es sei doch ein wunderbares Symbol, dass eine Stadt sogar auf den Welterbetitel verzichte, um zwei Stadtteile durch eine Brücke miteinander zu verbinden. 

Als besonders leuchtendes Beispiel aus der Gegenwart nennt er die Gläserne Manufaktur von VW. „Klammert man mal den Abgasskandal aus, dann war diese Art der Präsentation ein großes Vorbild für uns“, sagt Rieke. Produzent und Kunde an einem Ort. Handwerk zum Hingucken. Das wolle auch Dresden Optics sein. Die Idee: In einem Land, in dem Brillen noch immer ein Luxusgut sind, das sich längst nicht jeder leisten kann, will die Firma Neuland betreten. Auf die quietschbunten und recycelbaren Brillengestelle aus Plastik gibt es lebenslange Garantie. Nach dem Baukastenprinzip kann sich jeder Kunde seine Brille zusammenstellen – zu vergleichsweise günstigen Preisen. Dazu gibt es „deutsche Präzisionslinsen mit Zeiss-Patent“, hergestellt in Asien. Um auch entlegene Gebiete Australiens mit Brillen zu versorgen, fahre man wie die Flying Doctors mit einem umgebauten Truck durch die Lande. „All diese Facetten unserer Arbeit verbinden wir mit dem Ort Dresden“, resümiert Rieke. Höchstpersönlich in die Stadt reisen würden die Chefs aber wohl erst, wenn eines Tages in Dresden die erste Dresden-Filiale öffnet. Erste Kunden aus der Stadt soll es schon jetzt geben. Über den Webshop www.dresden.vision.

Freunde greller Farben kommen bei Dresden Optics voll auf ihre Kosten. Die Brillengestelle sind zwar aus Plastik, dafür aber recycelbar, wirbt das Unternehmen.
Freunde greller Farben kommen bei Dresden Optics voll auf ihre Kosten. Die Brillengestelle sind zwar aus Plastik, dafür aber recycelbar, wirbt das Unternehmen. © Peter Rae/Dresden Optics

Alles könnte so schön sein, wenn das weltweite Image des großen Vorbildes nicht in diesen Zeiten ziemlich angekratzt sei. „Als Pegida in die Medien kam, bedeutete das für uns schon in eine kleine Krise“, sagt Rieke. „Das hat uns vor eine besondere Herausforderung gestellt.“ Kunden, aber auch Mitarbeiter fragten nach, ob man sich wirklich mit so einer Stadt identifizieren könne. Seitdem arbeite man intern noch bewusster daran, ein anderes Gesicht der Stadt bekannt zu machen. Das Unternehmen Dresden sei das beste Beispiel, wie sich Weltoffenheit auszahle. „Bei uns werden 16 Sprache gesprochen“, betont Rieke. „Wir sind offen. Wir sind multikulturell. Wir sind Dresden.“

Mehr zum Thema Dresden