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Döbeln

In den Landtag auch ohne Mandat

Maria-Christin Anderfuhren will mehr grüne Themen in die Politik bringen. Privat geht sie da auch Kompromisse ein.

Der Turm der Burg Mildenstein mit der wunderschönen Aussicht auf die Region um Leisnig ist der Lieblingsort von der grünen Landtagskandidatin Maria Christin Anderfuhren.
Der Turm der Burg Mildenstein mit der wunderschönen Aussicht auf die Region um Leisnig ist der Lieblingsort von der grünen Landtagskandidatin Maria Christin Anderfuhren. © Gerhard Schlechte

Leisnig. Sie ist Geschäftsführerin, Honorarkraft, Sängerin in einer Band, seit kurzem Stadträtin in Leisnig, junge Mutter und außerdem auch Kandidatin für den sächsischen Landtag. „Organisieren war irgendwie schon immer mein Ding. Offenbar kann ich das gut“, sagt Maria-Christin Anderfuhren.

Das Talent, mehrere Dinge parallel zu managen, und vor allem ihre Leidenschaft für grüne Politik will die 34-Jährige nun als frisch gewählte Stadträtin und als Direktkandidatin der Bündnis90/Grünen für den Wahlkreis 21 in die Parlamentsarbeit einbringen. Dass sie dafür in die Großstadt nach Dresden pendeln müsste, ist für die junge Mutter nichts Neues.

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Geboren und aufgewachsen ist Maria-Christin Anderfuhren in Leipzig. Sie besuchte ein Musikinternat, machte ihr Abitur mit den Schwerpunkten Gesang, Geige und Gitarre. Nach der Schule blieb sie für das Studium der Kommunikations- und Medien- und Politikwissenschaft in der Messestadt. Dort lernte sie auch ihren heutigen Ehemann kennen, einen Schweizer, der mittlerweile den deutschen Pass hat.

Nicht nur an der Universität nahm Politik bereits einen wichtigen Teil ihres Lebens ein. „In Leipzig bin ich vor ziemlich genau zehn Jahren bei den Grünen eingetreten“, berichtet sie. Dort übernahm die junge Frau quasi unmittelbar nach dem Parteieintritt auch die Geschäftsführung für den Kreisverband und engagierte sich als Vereinsgründerin für die Stadtteil- und Soziokultur.

Fünf Fragen – fünf Antworten

Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Über meinen Sohn. Ich habe ihn nicht ausgelacht, sondern mich über ihn gefreut. Ich lache gern mit meiner Familie.

In welche Rolle würden Sie gern einen Tag lang schlüpfen?

Paul McCartney. Ich bin ein Riesenfan von ihm.

Welche Fahrzeugart bevorzugen Sie: Diesel, Benziner, Elektro-Auto?

Eigentlich das Fahrrad. Ich bin früher nur Fahrrad gefahren, aber das geht hier auf dem Land leider nicht mehr so. Wir fahren Autos mit Autogas.

Neben wem möchten Sie im Landtag gerne sitzen?

Neben unserem Fraktionschef Wolfram Günther. Er ist mit so viel Herzblut dabei.

Auch Politiker müssen relaxen. Wobei schalten Sie am ehesten ab?

Beim Musikmachen, Lieder schreiben und Singen. Und auf jeden Fall bei der Gartenarbeit, da kann ich richtig loslassen. 

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Doch für den Lebensmittelpunkt für sie, ihren Mann, ihren acht Monate alten Sohn und zwei Huskies hat die 34-Jährige eine andere Wahl getroffen. „Wir hatten die Großstadt einfach satt. Wir wollten aufs Land“, erzählt sie von der großen Veränderung. Nach einer Zwischenstation in Wendishain fanden sie und ihr Partner vor zwei Jahren einen kleinen, alten Dreiseiten-Hof in Tragnitz, den sie nach ihren Bedürfnissen um- und ausbauten. „Das ist sozusagen das vorletzte Haus vorm Feld“, lacht sie und fügt an: „Es ist einfach eine wunderschöne Gegend – Natur pur. Wir genießen es sehr, hier zu sein.“

Auch deshalb wählte sie die urige Burg Mildenstein mit dem Turm und der herrlichen Aussicht als Lieblingsplatz für den Fototermin. In Leisnig und in ihrer Umgebung will die junge Politikerin etwas bewegen, wieder mehr Bürgernähe und Transparenz in die Lokalpolitik bringen.

Auch wenn sie als Vertreterin der Grünen im Stadtrat als Einzelkämpferin auftreten muss, will sie mehr grüne Ideen in die Diskussion einbringen. Umwelt- und Wasserschutz, der Verzicht auf Pestizide und vor allem die Weiterentwicklung und -erforschung von alternativen Antrieben, Bemühungen um eine umweltfreundliche Mobilität, das seien die Themen, denen viel mehr Bedeutung beigemessen werden muss.

„Wir brauchen eine Agrarwende, der Klimaschutz spielt eine immer wichtigere Rolle“, macht sie deutlich. „Wenn wir unser Lebensumfeld erst einmal zerstört haben, dann wird es ungleich teurer, wenn wir versuchen müssen die Schäden zu reparieren“, ergänzt sie noch. Im vergangenen Jahr, das als Dürrejahr in die Geschichtsbücher eingegangen ist, brachte sie ihr erstes Kind auf die Welt und gab ihrem Sohn den außergewöhnlichen Namen Amarin, der bedeutet „der Mann, der aus dem Wasser kommt“.

Realistisch gesehen rechne sie allerdings nicht damit, dass sie künftig als Abgeordnete im Landesparlament in Dresden sitzen wird. „Ich stehe auf dem Listenplatz 29, das wäre wohl ein Wunder, wenn die Grünen 30 Prozent in Sachsen schaffen würden“, sagt sie.

Auch auf den Gewinn des Direktmandates mache sie sich keine großen Hoffnungen. „Trotzdem ist es für mich und unsere Demokratie wichtig, dass wir uns zur Wahl stellen“, sagt sie. Im Landtagsgebäude in Dresden wird sie aber auch ohne Mandat arbeiten. Als Honorarkraft unterstützt sie zeitweise den grünen Fraktionsvorsitzenden Wolfram Günther.

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