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In der „Alten Schule“ lässt es sich bald gut feiern

Die Schule in Seidewinkel, das heutige Bürgerhaus, wurde heute vor 166 Jahren eingeweiht. Nun ist es fertig saniert.

© HY-photo Gernot Menzel

Von Anja Wallner

Die Seidewinkler Trachtengruppe lädt in diesem Jahr zum Silvestertanz. Die Ankündigung hängt an der Eingangstür zum Neubau des Bürgerhauses Seidewinkel. In dem Haus waren jetzt mehr als ein Jahr lang Bauarbeiter zugange. Zu Silvester wird das Gebäude aber offiziell zum Feiern freigegeben sein: Die Eröffnung ist nämlich für Ende November vorgesehen, wenn wirklich alle Arbeiten erledigt sind. Das Baugerüst ist schon vor ein paar Wochen gefallen. Apricotfarben leuchtet die Fassade des Hauses im Herzen von Seidewinkel. Den Schriftzug „Alte Schule“ hat der Hoyerswerdaer Schriftenmaler Johann Lohan in geschwungenen Buchstaben in Deutsch und Sorbisch an die Wand gebracht.

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Jetzt ist aber noch der Außenbereich dran: Mitarbeiter einer ortsansässigen Firma legen derzeit Pflastersteine; hinter dem Haus ist Erde ausgehoben. Hier entstehen Regenwasserzisterne und Drainage. Innen ist der Erweiterungsbau fertig. Ortsvorsteher Frank Kurjo, Planer des Projekts und praktisch auch Bauleiter, ist erleichtert darüber. Das Bauvorhaben hat ihn fast rund um die Uhr beschäftigt, und nicht immer ist alles nach Plan gelaufen. Für den langen Winter – „der hat‘s reingerissen“ – kann niemand etwas, aber beispielsweise hat sich die Rohbaufirma extrem viel Zeit gelassen. Im vergangenen Oktober sollte sie fertig sein; mit Restarbeiten war sie aber tatsächlich noch im Juni beschäftigt.

Viele Seidewinkler haben während der Bauzeit im Haus vorbeigeschaut. Dabei hätten sie gemerkt, sagt Frank Kurjo, dass die Größe des Erweiterungsbaus mit seinen beiden Vereinsräumen, Küche, Sanitäranlagen und Jugendclub doch ausreicht. Das 500 000-Euro-Projekt wurde in seinen Dimensionen bekanntlich mehrfach „abgespeckt“, nach heftigen Debatten im Gemeinderat über die Kosten – und zum Unmut der Seidewinkler. Doch allein der große Vereinsraum, wo die Trachtengruppe nun reichlich Platz zum Üben hat, ist mit 130 Quadratmetern Fläche größer als die meisten Wohnungen. Noch hallt es in dem Saal, der mit seinen bunten Bändern an der Decke plus „Herzlich-Willkommen-Schild“ sowie nagelneuen Tischen und Stühlen schon sehr einladend wirkt. An den Fenstern hängen leichte Stores, die später noch durch schwere Vorhänge ersetzt werden sollen – auch um den Hall zu schlucken, sagt Frank Kurjo. Von hier geht es hinaus auf die Terrasse. Deren Dach war nicht in der Fördersumme für das Bauprojekt enthalten, deshalb haben es die Einwohner in Eigenleistung mit Hilfe von Spenden und Sponsorengeldern selbst angeschafft. An die Terrasse schließt sich der neugestaltete Spielplatz des Elsterheider Ortsteils an. Mittlerweile ist auch die Trennwand eingebaut, die vom Saal in ein kleineres Vereinszimmer sowie in die Küche führt – oder bei Bedarf zur Seite geschoben werden kann. Im Obergeschoss wird sich der Jugendclub einrichten. Die jungen Leute gestalten ihr Domizil selbst. Die Balken sind beinahe fertig dunkel lasiert, die weißen Wände bekommen demnächst wohl auch Farbe.

Am liebsten wäre es dem Ortsvorsteher gewesen, hätte die Einweihung des Hauses schon am 19. Oktober stattfinden können. Denn auf den Tag genau vor 166 Jahren wurde das ursprüngliche Gebäude als Schule eröffnet. „Erbaut 1847, saniert 2013“ lautet eine Aufschrift auf dem Giebel. Jedoch müssen die Maler und Bodenleger im bestehenden Altbau noch zwei Räume herrichten. Einer soll später an den Ursprung des Hauses erinnern: Im Untergeschoss wird eine Art museales Klassenzimmer eingerichtet. Die alten Schultische sind noch da, sie schlummerten über all die Jahre auf dem Speicher.