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In der Krise sind Produkte aus Sachsen gefragt

Die Nachfrage nach Nudeln, Senf und Wein aus der Region ist jetzt besonders hoch. Minister Günther will die regionale Erzeugung aus ihrer "Nische" holen.

Eine der bekanntesten Marken aus Sachsen ist der Bautzner Senf.
Eine der bekanntesten Marken aus Sachsen ist der Bautzner Senf. © Sebastian Kahnert / dpa

Dresden. Ob Nudeln aus Riesa oder Senf aus Bautzen, die Palette an sächsischen Spezialisten ist groß, die regionale Auswahl im Supermarkt vergleichsweise gering. Dabei sind heimische Produkte der Renner – die Händler kommen der Nachfrage gar nicht hinterher. Ein Trend, der sich während der Corona-Krise noch schneller verstärkt. 

Das zeigen auch die Absatzzahlen des Konsum Dresden: Während im letzten Geschäftsjahr mit regionalen Artikeln ein Umsatz von 22 Prozent erwirtschaftet wurde, waren es in den letzten vier Monaten bereits 26 Prozent. Dabei könnte dieser Anteil schon jetzt höher ausfallen, doch die über 300 regionalen Hersteller können die tatsächliche Nachfrage gar nicht decken. Wie hoch die tatsächlich ist, lässt sich gar nicht beziffern. Diese Unsicherheit, ob sich eine Umstellung tatsächlich auszahlen würde, hemmt viele Unternehmen. Zwar zeigen Befragungen, dass zwei Drittel der Verbraucher beim Einkauf auf Regionalität achten. Aber was heißt das schon?

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Neben dem unternehmerischen Risiko hänge die momentane Kapazität oft an teuren Zertifikaten, die sich kleine Unternehmen vielfach nicht leisten können, die aber notwendig sind, um internationale Standards nachzuweisen, erklärt Konsum-Vorstandssprecher Roger Ulke mit Blick auf Umweltminister Wolfram Günther (Grüne). Von ihm wünscht er sich bei Zertifizierungsfragen deutlich mehr Unterstützung. Denn davon abgesehen seien die Herstellkosten von regionalen Produkten total marktfähig.

Die Teigwaren Riesa hatten in der Pandemie einen riesigen Ansturm zu bewältigen.
Die Teigwaren Riesa hatten in der Pandemie einen riesigen Ansturm zu bewältigen. © Sebastian Schultz

Im sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, stößt diese Forderung auf offene Ohren. Zurzeit wird dafür ein eigenes Referat aufgebaut, das sich allein mit dem Thema der regionalen Wertschöpfung und wie ökologische Landwirtschaft davon profitieren kann, beschäftigen soll. Der Handlungsbedarf bestehe vor allem darin, die Stoffkreisläufe an die Erwartungen der Sachsen anzupassen. „Dafür brauchen wir Erzeuger, die ein Vertrauen in die Nachfrage haben“, erklärt Günther. 

Die Ausgangslage sei in Sachsen gar nicht schlecht: „Vieles ist schon da, aber eben nur in kleinen Puzzlestücke“, beschreibt es Günther. Das neue Referat soll diese Puzzlestücke zusammensetzen. Für Günther hat das einen so hohen Stellenwert, dass sich gleich zehn Mitarbeiter aus dem Umweltministerium um dieses Projekt kümmern. „Es ist schon ganz schön erklärungsbedürftig, dass der tägliche Joghurt hergekarrt werden muss“, so Günther.

Unabhängiger von internationalen Lieferketten machen

Das soll sich ändern: Regionale Erzeuger gehören nicht mehr in die Nische geholt werden, damit eine systemrelevante Versorgung entstehen kann. Für den Konsum-Vorstandssprecher gibt es vor allem in Sachsen noch reichlich Luft nach oben: In anderen Bundesländern sei es schon viel selbstverständlicher sich verarbeitete Produkte aus der Region zu holen. Wie wichtig eine unabhängige regionale Versorgung – ganz unabhängig von internationalen Lieferketten – sein kann, zeigt sich nicht nur in Pandemiezeiten. Kurze Transportwege bedeuten frischere Produkte, die zum tatsächlichen Reifezeitpunkt geerntet werden können und meist auch eine bessere Ökobilanz aufweisen. Unabhängig vom Trend, für regionale Produkte mehr zu bezahlen, wird der Einzelhandel als Gewinner aus der Krise kommen.

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