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Radebeul

In der Feuerwehr um die Welt

Radebeuler Eheleute haben sich einen alten Einsatzwagen gekauft und planen damit die Reise ihres Lebens.

Jede gute Expedition braucht ein Basislager. Familie von Schieszl hat ihres in einem Garten in Weinböhla aufgeschlagen. Dort bauen sie das alte Feuerwehrauto um, das die Kameraden der Kötzschenbrodaer Wehr ausrangiert haben.
Jede gute Expedition braucht ein Basislager. Familie von Schieszl hat ihres in einem Garten in Weinböhla aufgeschlagen. Dort bauen sie das alte Feuerwehrauto um, das die Kameraden der Kötzschenbrodaer Wehr ausrangiert haben. © Tristan von Schieszl

Radebeul. Ins Auto setzen und einfach losfahren, den Job und alle anderen Verpflichtungen hinter sich lassen, Menschen kennenlernen, Kultur und Natur erleben. Zeit haben für das, was einen wirklich interessiert. Eine Reise durch die Welt steht bei vielen ganz oben auf der Wunschliste. Allzu oft bleibt sie ein Traum. Nora und Matthias von Schieszl wollen aber nicht nur träumen, sondern machen. Die Radebeuler planen eine besondere Reise mit einem außergewöhnlichen Fahrzeug.

Vor einigen Monaten haben sie ein altes Feuerwehrauto ersteigert, das die Kameraden aus Kötzschenbroda ausrangiert hatten. Damit wollen die Eheleute bald durch die Welt reisen, mindestens ein Jahr lang. Mutig, so eine Entscheidung. Aber man darf auch nicht zu viel darüber nachdenken, ob es nun richtig oder falsch ist, sagt Nora von Schieszl. „Sonst macht man es nie.“ Wenn das Paar von seinen Plänen erzählt, ernten sie viel Zuspruch. „Die meisten sagen, dass sie das auch gerne machen würden.“

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Und wie geht das mit dem Job? Matthias von Schieszl hat Glück: Sein Arbeitgeber, die Flugzeugwerke in Dresden, bietet den Mitarbeitern an, eine Auszeit zu nehmen. Die Arbeitszeit muss vor und nachgearbeitet werden und man bekommt währenddessen noch 70 Prozent des Gehalts. Das muss für beide reichen. 

Die Eheleute wollen ohnehin das Materielle zurückschrauben. Die Augen auf der Reise für andere Dinge öffnen. Ihre Wohnung wird gekündigt. Liebgewordene Dinge, die sie behalten möchten, werden in der Zwischenzeit bei Familie und Bekannten untergestellt. „Mit ein bisschen Vorausplanung kann man das alles stemmen“, sagen sie.

Auch ganz am Anfang ihrer Beziehung stand eine Reise. Damals, Ende der 90er, hatte Matthias gerade einen dreivierteljährigen Trip durch Australien geplant, als er Nora kennenlernte. Die kam kurzerhand für vier Wochen mit, geschlafen wurde im Auto. Die junge Liebe überstand auch die getrennte Zeit danach und seitdem reisen die beiden gemeinsam. 

Wenig später kam Sohn Tristan zur Welt. Er ist inzwischen fast erwachsen, macht in drei Jahren Abitur. Bis dahin werden seine Eltern noch in Radebeul bleiben. „Wenn wir dann wissen, dass er gut versorgt ist, wollen wir in die Welt aufbrechen. Er ist dann alt genug und wir auch“, sagt der Vater. 

„Seht zu, dass ihr wegkommt“, haben die Eltern von ihrem Sohn schon gehört. Natürlich wohlwollend gemeint und mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass er sie dann irgendwo am anderen Ende der Welt zumindest für ein paar Wochen besuchen kommt.

Bevor die Reise starten kann, muss das Feuerwehrauto noch zum Reisegefährt umgebaut werden. Das Fahrzeug ist in Top-Zustand, stand immer im Trocknen und hat nur wenige Kilometer runter. „Die Feuerwehrjungs haben es gut gepflegt und ordentlich behandelt“, sagt Matthias von Schieszl. Aus dem Fahrzeug soll ein individuelles Wohnmobil werden. Eine „Expeditionskarre“. 

Die Karosserie muss instand gesetzt werden, der Aufbau mit der Feuerwehrtechnik kommt runter. Stattdessen will von Schieszl eine leere Kabine aufbauen, die das Paar von innen selbst nach seinen Vorstellungen gestaltet. Ein großes Bett soll es geben, Sitzbereich, kleine Küche, Dusche, Toilette und Waschbecken. Und ganz wichtig: Der Wagen soll ein Dachfenster oder noch besser gleich ein begehbares Dach bekommen.

Wo genau die Reise hingehen soll? Auf jeden Fall nach Indien, sagen die Radebeuler. Ansonsten gibt es noch keinen genauen Plan. Gerne in Äquatornähe, wo es warm und grün ist. Wichtig ist ihnen vor allem, Länder, Kulturen und Leute richtig kennenzulernen. Campingplätze wollen sie nicht ansteuern. Je wilder und ursprünglicher die Schlafplätze sind, desto besser. „Wir wollen autark unterwegs sein und weg von Touristenspots.“