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In der Narrenwerkstatt

2015 ist für die Macher des Schirgiswalder Faschings ein besonders stressiges Jahr. Denn nach dem Karneval geht’s erst richtig los.

© Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

Aktuelle Themen sowie Tipps und Tricks für den Alltag: Fabian Deicke stellt Experten verschiedener Gebiete die Fragen der SZ-Community.

Dreimal ist die Schirgiswalder Faschingswerkstatt schon abgebrannt. Zumindest theoretisch. Schließlich sagt der Volksmund ja: Dreimal umgezogen, ist wie einmal abgebrannt. Und die Werkstatt musste in den vergangenen 25 Jahren schon neunmal das Domizil wechseln. „Wir waren im ehemaligen GST-Lager am Lärchenberg in der Waffenkammer, wir waren in einer alten Näherei und wir waren auch im Saal vom Gasthof Milder“, zählt Bertram Wenke nur ein paar der vielen Stationen auf.

Wenke – besser bekannt unter seinem Spitznamen Maier – ist als Umzugsminister zuständig für die Organisation des traditionellen Spektakels, das alljährlich am Sonntag vorm Rosenmontag Tausende Zuschauer an die Straßen von Schirgiswalde lockt. Bevor er und sein Team aber an die Vorbereitung des diesjährigen Narrenmarsches gehen konnten, mussten sie einen anderen Umzug bewältigen. Denn die Faschingswerkstatt hat schon wieder mal das Domizil gewechselt. Von einer Halle am Bahnhof ist sie ins Gebäude im Schirgiswalder Stadtzentrum gezogen, die bis vor Kurzem vom städtischen Bauhof genutzt wurden. Da dieser sich jetzt in Kirschau befindet, waren die Räume frei.

Nach 25 Jahren endlich ein Büro

„Am Bahnhof, das waren keine Zustände mehr. Durchs Dach hat’s reingeregnet. Und auch sonst herrschten dort schlechte Bedingungen“, nennt Bertram Wenke die Gründe für den erneuten Ortswechsel. Seit Januar kann das städtische Umzugsteam nun direkt an der Hauptstraße schräg gegenüber des Rathauses mehrere Räume in einem Dreiseitenhof nutzen, der einst als Bauernwirtschaft errichtet wurde. „25 Jahre bin ich schon dabei, und jetzt habe ich erstmals ein ordentliches Büro“, freut sich der Umzugsminister. Auch sonst haben sich die Bedingungen deutlich verbessert. Die Malerwerkstatt ist jetzt in der bisherigen Garage untergebracht. An der langen Wand hängt dort gerade die Seitenwand eines Panzers. Sie ist aus Pappe und wird später aus einem der im Umzug rollenden Laster ein Militärfahrzeug machen. Ein Rollstuhl steht ebenfalls rum. Man darf gespannt sein…

Außer in der Ex-Garage wird in einigen weiteren Räumen gepinselt. „Das ist viel besser als bisher, wo sich alle in einer einzigen großen Halle aufgehalten haben. Jetzt können die verschiedenen Teams ungestört arbeiten“, sagt Bertram Wenke. Von Vorteil ist ebenso, dass der Fundus des Faschingsumzuges nun an einem einzigen Ort gelagert werden kann. Bisher waren die Wimpelketten und die Plakate, die Kostüme und die großen Pappköpfe und all die anderen Dinge über die halbe Stadt verstreut. „Da mussten wir immer viel rumfahren, um alles zusammenzuholen, und manchmal auch mächtig suchen“, denkt Maier nur ungern zurück.

Material für alle

Im neuen Domizil ist auch genügend Platz für all die Farbtöpfe und Pinsel, für Holzlatten und Stoffballen und, und, und. Nicht nur das Organisationsteam des Umzugs greift darauf zurück. Auch andere Gruppen, die in heimischen Garagen an Umzugswagen bauen, können sich Material abholen. Die Stadt als Organisator des Faschingsumzuges stellt es zur Verfügung. Jetzt, in der heißen Phase der Umzugsvorbereitung, herrscht in der Werkstatt jeden Abend Betrieb. „Spätestens ab 18 Uhr ist immer jemand da“, sagt Maier.

Das Motto des diesjährigen Umzuges, der am 15. Februar ab 14 Uhr durch Schirgiswalde zieht, lautet: „Wir laden alle ein, zum Fasching mit viel Träumereien!“ Torsten Paul, Präsident des Schirgiswalder Faschingsclubs, sagt dazu: „Wir denken, dass das Thema ganz gut zum feinsinnigen Humor unserer Wagenbauer und Laufgruppen passt.“ Der Umzugsminister ist damit zufrieden, denn „dieses Motto lässt viel Spielraum, jeder kann machen, was er denkt.“ Wer partout keine eigene Idee hat, aber dennoch den Umzug mitgestalten will, kann sich in der Faschingswerkstatt Themenvorschläge abholen. Rund 80 Bilder werden im Zug voraussichtlich zu sehen sein. „Über 15 Faschingsclubs aus der Oberlausitz haben schon ihr Kommen angekündigt“, berichtet Andreas Thomas, der für die Stadt Schirgiswalde-Kirschau als Kulturmanager arbeitet.

Keine Zeit zum Ausruhen

Wenn am 15. Februar alles gut geklappt hat, wenn die Masken, Kostüme, Plakate und Wimpelketten wieder eingelagert sind und das Konfetti von den Straßen gekehrt ist, können sich die Organisatoren des närrischen Marsches aber keinesfalls entspannt zurücklehnen. Ganz im Gegenteil. Denn in diesem Jahr gibt es in Schirgiswalde einen weiteren großen Umzug. Anlässlich dessen, dass sich die Verleihung der Stadtrechte an Schirgiswalde zum 350. Male jährt, gibt es am 14. Juni einen Festumzug. Er soll die Stadtgeschichte darstellen. Die Organisation hat bereits begonnen. – Auch für die Vorbereitung dieses Höhepunktes bietet das neue Domizil der Faschingswerkstatt gute Bedingungen.

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