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„In der neunten Klasse saß mein Dealer neben mir“

Über die Schattenseiten seines Lebens spricht Schauspieler Markus Majowski mit Schülern und wofür es zu kämpfen lohnt.

Von Heike Stumpf

Er ist ein cooler Typ. Im Fernsehen sowieso, aber auch in echt. Viele Oberschüler sind von Markus Majowski hingerissen. Einige Mädchen kreischen vor Begeisterung. Genauso stehen Lehrer in der Schlange und warten auf ein Autogramm.

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Mit dem Namen Markus Majowski weiß mancher vielleicht nichts anzufangen. Er gibt den Dicken in der Telekom-Werbung und ist am längsten bei der Comedy-Show „Die dreisten Drei“ dabei. Neue Folgen gibt es davon nicht. Aber vielleicht einen Film, verrät er.

Im kleinen Hörsaal steht Majowski den Neuntklässlern gegenüber. Genau so alt war der Schauspieler, als er begonnen hat, Drogen zu nehmen. „In der neunten Klasse saß mein erster Dealer neben mir“, erzählt der Berliner, der in ein paar Tagen 50 Jahre alt wird. Er blickt ehrlich zurück auf seine Jugend, macht den Schülern nicht vor, ein guter Schüler gewesen zu sein. Seine Mutter bringt ihn trotzdem auf einem musisch-sportlichen Gymnasium unter, wo er mit Drogen in Kontakt kommt. Seine erste Freundin Andrea verlässt ihn. „Als sie spitzbekommen hat, dass ich kiffe, hat sie mich sitzen lassen“, so Majowski.

Auch Freude in seinem späteren Leben sind ehrlich zu ihm. Sie sagen ihm, dass er dabei ist, sich zu verändern. Sie spüren seine Ellenbogen, dass er anfängt, ungerecht zu werden und zu viel trinkt. Vieles leugnet er, schiebt den Stress vor. Seit 27 Jahren steht er in der Öffentlichkeit. Zu diesem Zeitpunkt nervt ihn alles. Drogen und Alkohol, davon lässt er nach eigenen Worten in der Arbeitszeit die Finger. Er sieht beides als Belohnung an, wenn der Vorhang gefallen, die letzte Szene gedreht ist. Danach wird gefeiert, oft drei Tage lang. Das geht bis 2008 so. Als ein Chefredakteur ihn und kurz darauf seine Frau mit Fotos solch einer Drogen-Party konfrontiert, kommt Majowski offenbar zur Besinnung.

Seine Frau Barbara packt zunächst die Koffer, verlässt ihn dann doch nicht. „Das hat mir Kraft gegeben. Diese Kraft ist unbezahlbar.“ Der Schauspieler ist stolz, seit sechs Jahren völlig auf Drogen und Alkohol zu verzichten. Seine Familie und seine Gesundheit sind ihm das wert. „Ich kann nur lustig sein, wenn ich auch gesund bleibe.“

Dafür tut Majowski viel mehr als früher. Er will nicht mehr jeden Termin wahrnehmen, alles selbst machen. Er gönnt sich, wie in Roßwein, Zeit für Spaziergänge und das, was ihm Spaß macht. Dazu gehören Theater-Workshops mit jungen Leuten, die wie er Schauspieler werden wollen. Ansonsten mag es die Familie Majowski sportlich, sie spielt gern und schaut sich Filme an, auch in Spanisch, weil der zehnjährige Sohn mehrsprachig aufwächst.

Eine lustige Wanderbegebenheit aus seinem Buch vorzulesen, schafft der Schauspieler in der Oberschule nicht mehr. Dafür verrät er, wie es zu dem Buchtitel gekommen ist. „Markus, glaubst du an den lieben Gott? – das hat mich meine Oma immer gefragt, wenn sie mich an der Keksdose meiner Schwester erwischt hat“, erzählt er. Der Großmutter habe er auch seine Rolle als durchgeknallte Transe zu verdanken – weil der alten Dame eine andere Rolle nicht gefallen hatte. Dass er Schauspieler werden will, habe Majowski schon als Schüler gespürt. Der Abi-Durchschnitt sei mittelmäßig gewesen, die Theateraufführung zum Abschluss dagegen spitze. Die Schüler ermutigt er: „Wer einen Traum hat, sollte versuchen, ihn durchzuziehen – und sich dabei helfen lassen. Die meisten sind keine Einzelkämpfer. Ich auch nicht. Das habe ich erst spät gemerkt.“

Mit seinem Sohn spricht der Schauspieler viel mehr als seine Eltern es früher mit ihm getan haben. Deren Autorität und Zusammenspiel als Team hätte er als Heranwachsender stärker gebraucht, denkt er heute. Den Jugendlichen rät er, für Freunde dankbar zu sein, die ehrlich sind und zuhören, wenn es Eltern nicht tun. Ihm haben Selbsthilfegruppen ungeheuer geholfen: „Ich bin wieder bei mir.“