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In der Schmiede geht ein Zeitalter zu Ende

Der Großenhainer Betrieb modernisiert für drei Millionen und stellt damit auf vollautomatisierten Betrieb um. Er ist dann der erste dieser Art weltweit.

Alte Manufakturtradition: In der Großenhainer Gesenk- und Freiformschmiede wird hier noch per Hand ein Vierkant geschmiedet. Doch das ist bald vorbei.
Alte Manufakturtradition: In der Großenhainer Gesenk- und Freiformschmiede wird hier noch per Hand ein Vierkant geschmiedet. Doch das ist bald vorbei. © Archiv: Klaus-Dieter Brühl

Großenhain. Nach 125 Jahren Handarbeit geht in der Gesenk- und Freiformschmiede nun das Zeitalter der Manufaktur zu Ende. Der Betrieb am Ortsausgang Richtung Dresden soll nach den Worten von Geschäftsführer Wolfgang Pradella die erste vollautomatische Kleinserienschmiede weltweit werden. Um diesen Hightech-Stand zu erreichen, werden jetzt 3,2 Millionen Euro investiert: Auch für mehr Nachhaltigkeit und Geräuschminderung. Das Projekt wurde vor Stadträten vorgestellt. 

Konkret soll die Schmiedelinie eins, das Hauptaggregat, modernisiert werden. Fünf Schmiedelinien gibt es insgesamt: vier Hämmer und eine Spindelpresse. "Seit drei Jahren planen wir das, für uns ist das existenzsichernd", so Geschäftsführer Wolfgang Pradella, der das Unternehmen 2017 gekauft hat. Mit der Modernisierung profiliert sich die Schmiede weiter als Spezialanbieter mit europaweitem Kundenkreis. Der 160-Mann-Betrieb arbeitet in drei Schichten und hat auch durch Corona keine Kurzarbeit.

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Die Großenhainer Schmiede stellt Gesenk-Schmiedestücke von einem bis 180 Kilo her und fertigt Freiform-Schmiedestücke bis 300 Kilo und drei Metern Länge in unterschiedlichen Stahlqualitäten. Die Werkstücke erhalten Temperaturen bis circa 1.290 Grad. Um diesen enormen Wert zu erreichen, verbraucht die Schmiede zwölf Millionen Kilowattstunden Erdgas im Jahr. "Mit der Modernisierung werden wir 30 Prozent Energie einsparen", so Wolfgang Pradella. Diese Nachhaltigkeit sei neben der Ablösung der manuellen Arbeit der zweite Schwerpunkt der Investition. Der Betrieb lässt sich laut Pradella freiwillig umweltzertifizieren. 

Ein dritter Anlass für die Umstellung sei der Immissionsschutz - die Minderung von Lärm. "Der Gegenschlaghammer erhält eine interne Haube, eine Schalleinhausung", sagt der Geschäftsführer. Die Stadt hat gegen die baulichen Anpassungen  - eine Hallenerweiterung sowie einen Gebäudeabriss für eine neue Lkw-Zufahrt - keine Bedenken.  Eingebaut wird eine vollautomatische Anlage inclusive Drehtisch. Zwei Transferroboter übernehmen künftig die Arbeit der Schmiedewerker.

Insgesamt erhöht sich die versiegelte Fläche im Gelände laut Vorlage um 914 Quadratmeter. Das übersteigt dann die derzeit genehmigte Fläche zur Einleitung in das öffentliche Kanalnetz. Die Inbetriebnahme der neuen Anlagen soll im ersten Quartal des nächsten Jahres erfolgen. Die Ableitung der Abgase des neuen Drehherdofens soll über den bestehenden 46 Meter hohen Schornsteins erfolgen.  

Verbesserung der Arbeitsbedingungen

Eingang zur Gesenk- und Freiformschmiede GGF in Großenhain an der Kupferbergstraße.
Eingang zur Gesenk- und Freiformschmiede GGF in Großenhain an der Kupferbergstraße. © Norbert Millauer

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