merken
PLUS Freital

In der Wildnis des Rabenauer Grundes

Von einer Wanderung, die anno 1804 in ein noch nicht begehbares Weißeritztal führte.

Die Rabenauer Mühle um 1800 nach einer Zeichnung von Paul Weisenfels. 1834 ließ Müller Christian Friedrich Ehrlich den Wanderweg durch den Grund anlegen.
Die Rabenauer Mühle um 1800 nach einer Zeichnung von Paul Weisenfels. 1834 ließ Müller Christian Friedrich Ehrlich den Wanderweg durch den Grund anlegen. © Repro: Erhardt Freund

Wandern, das konnte noch Anfang des 19. Jahrhunderts ein Abenteuer sein. Ein geruhsamer Spaziergang durch den Rabenauer Grund, das wäre damals nicht möglich gewesen. Der Weg entlang der Roten Weißeritz ist erst 185 Jahre alt.

Christian Friedrich Ehrlich, Hausherr der Rabenauer Mühle, ließ ihn mithilfe Freiberger Bergleute anno 1834 anlegen. Ein mühseliges Stück Arbeit. Felsgestein breitete sich teilweise bis hin zum Ufer des Flusses aus. An der berühmten Nadelöhrstelle konnte man nur durch Sprengungen der von Ehrlich initiierten Verbindung die Wege ebnen.

Anzeige
So natürlich ist unser Trinkwasser
So natürlich ist unser Trinkwasser

Trinkwasser aus der Leitung muss chemisch gereinigt werden, Mineralwasser hingegen stammt aus einer geschützten Quelle. Doch welches ist besser?

In jenen Tagen blickt die Mühle bereits auf eine Geschichte von mindestens 350 Jahren zurück. 1488 wird sie als Mahl-, Schneide- und Ölmühle wiederholt urkundlich erwähnt. Ihre Geburtsstunde könnte schon 1235, im Gründungsjahr von Rabenau, geschlagen haben. So manche Geschichte rankt sich um einen unterirdischen Gang, der Schloss und Mühle miteinander verbunden haben soll. Vermutlich eine Erfindung, die auch mit einer Sage verknüpft ist. In besagtem Gang sollen die Schattenmännlein einen kostbaren Schatz verwahrt und behütet haben.

1650 wird die Mühle an der Weißeritz als ein „stattliches Gebäude mit vier Glasfenstern aus Tafelglas“ beschrieben und gerühmt. In der Folgezeit geht die Brettmühle vorübergehend in das Eigentum des Edlen Wolff Heinrich von Günterod, Besitzer des Freigutes von Rabenau, über. 

Die Goldstampfe im Rabenauer Grund erinnert an die ersten Fremden im Tal. Eine Darstellung von J. F. W. Wegener, der 1837/39 markante Motive malte. 
Die Goldstampfe im Rabenauer Grund erinnert an die ersten Fremden im Tal. Eine Darstellung von J. F. W. Wegener, der 1837/39 markante Motive malte.  © Repro: Erhardt Freund

Mit der Eröffnung des in diesem Beitrag zitierten Weges und dem Bau eines neuen Restaurationsgebäudes wird die Mühle zu einem hochgeschätzten Ausflugsziel. Die Kunde von der naturhaften Schönheit des Rabenauer Grundes verbreitet sich nun im ganzen Land.

Wie ein Bergwaldmärchen

Dem 1834 eingeleiteten Grundkapitel gehen Jahrhunderte in tiefster Abgeschiedenheit voraus. Das Tal gilt als undurchdringlich. Leute, die in dieser Gegend unterwegs sind, müssen sich mit Pfaden auf den Kammlagen der grünen Wildnis begnügen. In zeitgenössischen Schilderungen wird der Grund mit einem Bergwaldmärchen verglichen – „eine Schattennacht voller Geheimnisse“.

Die ersten Fremden, die in dieses Stück unberührte Natur eindringen, sind venezianische Goldgräber, Walen, die hier, wie im Felsenbereich des Plauenschen Grundes und in Tharandts Umgebung, nach Edelmetallen suchen. Noch heute erinnert oberhalb der Rabenauer Mühle die sogenannte Goldstampfe an die Schatzsuche fahrender Leute aus dem fernen Welschland. Über die Ausmaße der Funde schweigen alle Chroniken. Es wird jedoch angenommen, dass etliche Körnchen Gold aus dem Rabenauer Grund den Schmuck südländischer Schönheiten zieren.

Alles zu Fuß

Nur wenige wagen einen Vorstoß in die unbekannte grüne Welt. Zu den mutigen Männern, die sich aufmachen, um das Weißeritztal hautnah kennenzulernen, gehören die Dresdner Johann David Bartsch und sein Freund Anselm Luterer. Beide brechen 1804 auf zu einer Mammuttour via Rabenauer Grund.

In einem Bericht für den Dresdner Anzeiger skizziert Bartsch zunächst den Anmarsch: „In aller Herrgottsfrühe begeben wir uns von Dresden zum Falkenberg hinaus, beim Feldschlösschen vorüber und durch Reisewitzers natürlichen Garten. Über Dölzschen, Deuben, Hainsberg erreichen wir Rabenau. Wir legen eine Pause ein, in welcher wir unsere mitgebrachten Butterbrote verzehren.“

Von Dresden nach Rabenau – alles zu Fuß. Damit haben die zwei Dresdner erst die Hälfte ihrer Tour bewältigt. Das eigentliche Abenteuer steht ihnen noch bevor. Bartsch schildert: „Allen Warnungen zum Trotz streben wir frohgemut die Rabenauer Mühle und die Schattenwildnis des Grundes an. Überwältigend die Schönheit des Tales – bizarre Felsen, hohe Fichten, seltene Pflanzen und Kräuter. Nicht lange, und die schäumende Weißeritz hemmt unseren Weg. Auf Flussgestein versuchen wir, das andere Ufer zu erreichen. Ein schwieriges Unterfangen. Die Felsstücke sind tückisch glatt, wir rutschen aus, landen mehrfach im Wasser. Wohl an die 40-mal passieren wir den Flusslauf.“ Kein Hindernis kann die beiden Dresdner schrecken.

Plötzlich im Himbeerland

Sie dringen weiter vor, befinden sich plötzlich im Himbeerland. Bartsch formuliert: „Vor uns eine steile, felsige Wand, über und über mit Himbeersträuchern bedeckt. Eine derartige Fülle der köstlichen Früchte hatten wir bislang nicht gesehen. Wir erquickten uns weidlich, um bald darauf der schweizerischen Seite des Grundes gegenüber zu stehen. Schroffe Felsen ragen in den Himmel, drücken die Rote Weißeritz regelrecht zusammen.“

Weiterführende Artikel

Weg wird nach Flutschaden repariert

Weg wird nach Flutschaden repariert

Ein Gewitterguss hatte den erst sanierten Wanderweg im Rabenauer Grund zerstört. Nun wird die Stelle ganz besonders befestigt.

Fast drei Stunden schlagen sich die beiden Freunde durch das Tal. Alsdann begeben sie sich auf den Heimweg. Müde, aber um ein großes Erlebnis reicher treffen die Dresdner kurz vor Mitternacht wieder in der Residenz ein. Man hörte sie in der Folgezeit des Öfteren eine Hymne auf die Schönheit des Grundes anstimmen.

Mehr zum Thema Freital