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Brutaler Überfall vor Gericht: Corona bremst Prozess

Zwei Bautzener sitzen auf der Anklagebank, weil sie einen Mann krankenhausreif geschlagen haben sollen. Doch die Verhandlung ist schnell zu Ende.

Zwei Bautzener sollen einen anderen in seiner Wohnung überfallen, zusammengeschlagen und ausgeraubt haben. Ihr Prozess begann am Dienstag vorm Landgericht - und endete recht schnell.
Zwei Bautzener sollen einen anderen in seiner Wohnung überfallen, zusammengeschlagen und ausgeraubt haben. Ihr Prozess begann am Dienstag vorm Landgericht - und endete recht schnell. © LausitzNews.de/Jens Kaczmarek

Bautzen.  Im Landgericht wurden extra Tische angebaut, um die Anklagebank zu verlängern. Aber nicht etwa, weil so viele Personen angeklagt wären, für die der Platz nicht reichen würde – an Handschellen in den Saal geführt werden an diesem Dienstagmorgen in Bautzen  nur zwei Männer. Nein, der Grund ist ein anderer. Wegen des Coronavirus sind auch Anwälte und Angeklagte dazu angehalten, Abstand zueinander einzuhalten.

Es ist einer der wenigen Prozesse in Bautzen, die jetzt noch stattfinden – viele andere, vor allem am Amtsgericht, sind bereits abgesagt worden. Dieser hier drängt jedoch, denn die Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft. Und was die Staatsanwaltschaft den Männern vorwirft, hat es in sich. Um gemeinschaftlichen schweren Raub geht es; ein Tatvorwurf, für den eine Freiheitsstrafe von mehr als fünf Jahren droht.

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Lebensgefährlich verletzt

Am 10. Oktober 2019, so lautet die Anklage, sollen die beiden gegen 12 Uhr am Mittag in eine Wohnung in der Hinteren Reichenstraße in Bautzen eingedrungen sein. Sie sollen den Bewohner zusammengeschlagen haben, und noch mit Schuhen an den Füßen auf den Mann eingetreten haben, als dieser längst am Boden lag. Dann sollen die Angeklagten dem Opfer seine Lederjacke und ein Handy weggenommen haben, im Gesamtwert von etwa 100 Euro.

Rechtsseitige Jochbeinfraktur, Schädel-Hirn-Trauma, Blutungen, Hämatome – so sehr sollen die Angeklagten dem Opfer zugesetzt haben, dass der Mann sich in Lebensgefahr befand und im Krankenhaus operiert werden musste. Bei der Tat sollen die beiden Angeklagten betrunken gewesen sein.

Nun sitzen sie am verlängerten Tisch im Gerichtssaal, hören sich die Vorwürfe an. Beide haben die meiste Zeit die Arme verschränkt, einer schürzt die Lippen. Ihm wirft das Gericht noch eine weitere Tat vor: Er soll einen Richter beleidigt haben.

Wie kommt es zu einer solch brutalen Tat? Welche Strafe gibt es dafür? In welcher Beziehung standen Opfer und Tatverdächtige zueinander? Wie das Gericht mitteilt, soll zumindest einer der Angeklagten das Opfer tatsächlich gekannt haben – an diesem Tag vor Gericht ist das allerdings kein Thema.

Längere Unterbrechung als üblich

Überhaupt kommt zum Prozessauftakt nicht mehr viel zur Sprache, denn das Coronavirus macht auch dieser Verhandlung doch noch einen Strich durch die Rechnung. Einer der Anwälte und auch einer der Richter geben an, zur Risikogruppe zu gehören. Der Prozess, das entscheiden die Richter, wird nun erst einmal unterbrochen.

Statt, wie sonst üblich, mit Worten zur Tat äußert sich einer der Angeklagten mit einem Nörgeln: „Wir wollen ja auch, dass etwas vorangeht“, sagt der 28-Jährige, „wir sitzen in der U-Haft wie auf heißen Kohlen.“ Der 36-jährige andere Angeklagte fügt hinzu: „Es kann sich doch eh schon einer angesteckt haben.“

Tatsächlich ist eine lange Unterbrechung eines Prozesses nicht üblich, unter anderen Umständen nicht einmal erlaubt. Aber eine Ende März neu eingeführte Regelung für Strafprozesse macht es möglich: Demnach dürfen, wenn durch Infektionsschutz-Maßnahmen Verhandlungen nicht durchgeführt werden können, Prozesse längere Zeit unterbrochen werden.

Statt eines Urteils verkündet der Vorsitzende Richter also an diesem Tag: „Es droht eine lebensgefährliche Infektion.“ Weiter geht es erst im Juni.

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