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In die NPD-Falle getappt

Der Betreiber des Elbetierparkes Hebelei freut sich über jede Spende. Doch eine wurde ihm beinahe zum Verhängnis.

„Ich bin doch kein Nazi“. Tierparkchef Sven Näther wehrt sich gegen Diffamierungen.
„Ich bin doch kein Nazi“. Tierparkchef Sven Näther wehrt sich gegen Diffamierungen. ©  Archivfoto: Claudia Hübschmann

Diera-Zehren. Der Sommer 2018 war heiß, trocken und lang anhaltend. Eine Tortur für die Tiere im Elbetierpark Hebelei. Aber nicht nur das. Durch die Trockenheit wuchs das Gras auf den Elbwiesen kaum, Heu und anderes Futter waren kaum aufzutreiben. Ein Riesenproblem für Tierparkbetreiber Sven Näther. Der bat in sozialen Medien und auch über diese Zeitung um Geld- und Futterspenden, damit er die Tiere über den Winter bringen kann.

Die Spendenbereitschaft war groß. Und so freute sich Näther einen Tag vor Heiligabend auch über die großzügige Spende einer jungen Familie aus Dresden: eine Tonne Einstreu, Hundefutter, Futter für Geflügel, Kaninchen und Nagetiere, Erdnüsse, Streufutter für Wildvögel und Sonnenblumenkerne. Der Tierparkbetreiber freute sich, ließ Fotos von sich und dem Spender machen. Doch einige Zeit später traute er seinen Augen nicht. Ein Bericht über die Spendenaktion tauchte im Internet auf. Auf einer Seite der NPD.

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Der Spender war Maik Müller. Der ist nicht nur Mitglied der rechtsextremen Partei, sondern auch Stadtbezirksrat in Dresden-Prohlis, Landesvorsitzender der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationalisten“ (JN) sowie Mitglied im Landesvorstand der NPD-Sachsen und im Bundesvorstand der JN. Näther ist entsetzt, als er dies alles erfährt und auch viele Hass-Mails erhält, die ihm Nähe zur NPD vorwerfen. „Ich kannte den Spender nicht, hatte keine Ahnung, dass er ein Funktionär der NPD ist. Sonst hätte ich die Spende nicht angenommen“, beteuert er.

Er spricht von Brunnenvergiftern, die neidisch darauf seien, dass der Tierpark Erfolg habe, beliebt sei und unterstützt werde. „Sie behaupten, ich wäre ein Nazi, streuen diese Behauptung im Netz und versuchen damit, mich psychisch unter Druck zu setzten“, sagt er.

„Der Elbe-Tier-Park Hebelei ist ein Ort der Vielfalt und Toleranz - wir verabscheuen Hetze, Faschismus, Rassismus, Antisemitismus und rechtsextreme, linksextreme und religiöse Gewalt, sowie das Ausgrenzen von Menschen wegen ihrer Herkunft, sexuellen Orientierung, Behinderung oder Religion“, so Sven Näther. Deshalb sei die Annahme einer Spende von der NPD nicht mit der Firmenphilosophie vereinbar. 

Der Elbe-Tier-Park Hebelei lebe vom Fremdentourismus, deshalb seien fremdenfeindliche Parteien ungeeignet als Sponsor. „Des Weiteren arbeiten bei uns Menschen mit Behinderung, für die ich somit auch eine hohe moralische Verantwortung habe. Im Nationalsozialismus sind viele dieser Menschen umgebracht worden“, sagt der Tierparkchef. Er hatte Müller aufgefordert, den Text und die Fotos auf der NPD-Seite zu entfernen. Dieser kam der Aufforderung auch nach. Allerdings tauchte kürzlich erneut ein Foto auf einer NPD-Seite in Döbeln auf. Wieder erntete der Tierparkchef einen Shitstorm.

Näther ist nicht der Einzige, der auf die NPD-Masche hereingefallen ist. Im Januar 2018 meldete sich ein junger Mann, der sich als Chemnitzer ausgab, im Tierheim Leisnig und fragte, ob Interesse an einer Futterspende bestehe. Die Tierheimleiterin bejahte, fragte aber, ob mit dieser Aktion irgendwelche politischen Ziele verbunden seine. Der Mann verneinte. Doch die Aktion hatte die NPD-Initiative „Jugend packt an“ organisiert. Nachdem dies bekannt wurde, wandte sich die Tierheimleiterin an die Presse und gab die Spende zurück.

Auch dem sächsischen Verfassungsschutz sind solche Aktivitäten bekannt. Dieser stellt fest, dass der Rückgang aktiver Strukturen auf das Aktionsniveau der JN spürbare Auswirkungen hatte. „2015 und 2016 hatten sie noch eigene Versammlungen organisiert. Einen Tiefpunkt erreichten die öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten der JN Sachsen jedoch im Jahr 2017. Sie führten keine Demonstrationen mehr durch, sondern traten lediglich im Rahmen vereinzelter, kleinerer Aktionen, wie Kranzniederlegungen oder Transparent- und Verteilaktionen, in Erscheinung“, heißt es beim Verfassungsschutz.

Eigene Aktivitäten der JN beschränkten sich im Wesentlichen auf Kranzniederlegungen, Spendenaktionen sowie Reinigungsarbeiten auf Spielplätzen und Friedhöfen im Rahmen ihrer Kampagne „Jugend packt an“. Ebenso wie die NPD hat sich auch die JN marginalisiert. Laut Verfassungsschutz hatte sie 2014 noch etwa 110 Mitglieder. Bis 2018 schrumpfte das Potenzial auf nunmehr 40 Personen. Dies liege zum einen am Fehlen geeigneten Führungspersonals, zum anderen an der Konkurrenz zur Partei Der dritte Weg und zur Identitären Bewegung.

Sven Näther hat sich nun entschieden, offensiv in die Öffentlichkeit zu gehen. „Gegen Rechts zu sein, sollte eine Selbstverständlichkeit in unserer Gesellschaft sein. Faschismus und Rassismus verhindern sollte man immer“, sagt er. Und warnt gleichzeitig davor, bestimmte Menschen in eine rechte Ecke zu stellen. „Es ist wichtig, mit den Menschen in Kontakt zu bleiben und zu reden und sie nicht gleich als Nazi zu beschimpfen. 

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