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„In die Haut der Kinder versetzen“

Im nicht öffentlichen Teil der Ratssitzung des Gemeinderats Quitzdorf am See stand am Mittwoch erneut die Besetzung der Erzieherinnenstelle in der Kindertagesstätte (Kita) Sproitz zu Debatte. Im Zuge der Wiederholung des Auswahlverfahrens wurde nun eine Personalkommission zur Prüfung der Bewerbungsunterlagen gebildet. Zu Beginn der Ratssitzung nutzten Eltern die Bürgerfragestunde, um Fragen loszuwerden. Sie baten aber auch eindringlich darum, im Sinne ihrer Kinder zu entscheiden.

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Von Annett Preuß

„Das Wohl unserer Kinder sollte bei Ihrer Entscheidung im Vordergrund stehen“, sagt Sabine Mildner, die seit 1997 täglich ihre Kinder in die Kita Sproitz bringt. „Der Gemeinderat und der Bürgermeister sind gewählt, unsere Interessen zu vertreten. Deshalb bitte ich Sie darum, sich in die Haut der Kinder zu versetzen und zu fragen: Wen würden sich die Kinder wünschen?“ Sie spricht damit den Eltern aus dem Herzen, die am Mittwoch die Ratssitzung in Kollm besuchen.

An diesem Abend soll möglicherweise im nicht öffentlichen Teil eine Entscheidung über die Neubesetzung der Erzieherinnenstelle in der Kita Sproitz fallen. Die Gemeinde hatte das Auswahlverfahren vom Juni wiederholt, nachdem eine der zehn Bewerberinnen beim Arbeitsgericht Görlitz gegen die Einschränkung nach Wohnort geklagt hatte. Die Gemeinde hatte laut Protokoll der Güteverhandlung vom 25. August diesem Vergleich zugestimmt (SZ berichtete).

„In der letzten Versammlung hat uns der Bürgermeister vorgeworfen, dass wir uns nicht vorher geäußert haben. Diesen Vorwurf wollten wir nicht auf uns sitzen lassen. Deshalb sind wir heute hier“, sagt Doreen Nitsche. Die Mutter erinnert die Abgeordneten daran, dass die Kinder der heutigen Generation unter völlig veränderten sozialen Bedingungen aufwachsen und einer Vielzahl von Einflüssen ausgesetzt seien. Dem müsse eine Erzieherin mit ihrer Ausbildung Rechnung tragen können. Doreen Nitsche hält deshalb mit anderen Eltern an der Meinung fest, dass eine bereits eingearbeitete Erzieherin, an die die Kinder gewöhnt seien und die sich im Umgang mit ihnen bewiesen habe, ihre erste Wahl sei.

Inwieweit Mitarbeiter und Kita-Leiterin ein Mitentscheidungsrecht bei Personalfragen hätten, will eine andere Mutter wissen. „Wir können sie hören, aber wir müssen nicht. Die Entscheidung liegt bei uns, weil wir auch die Verantwortung haben“, sagt Holtschke und versichert, dass die künftige Erzieherin nach den vorgegebenen gesetzlichen Richtlinien ausgewählt werde. Um Fehler zu vermeiden und Vorwürfen zu begegnen, sei im Vorfeld eine Personalkommission gebildet worden. Holtschke betont, dass er nicht Mitglied sei und bei der Abstimmung nur eine Stimme habe.

„Wir haben die eingereichten Bewerbungen Seite für Seite geprüft“, sagt der Abgeordnete Wolf-Dieter Kirschstein. Es gebe fünf mit sehr guten Zeugnissen. Und es sei verdammt schwierig, eine Entscheidung für oder gegen eine der Bewerberinnen zu treffen.

Michael Krujatz, ein Vater, äußert Verständnis dafür. „Wir müssen die Entscheidung des Gemeinderates akzeptieren.“ Sonst bräuchte keine Ausschreibung gemacht werden. Er vertraue darauf, dass jeder Gemeinderat seine Wahl ordentlich begründen könne und auch dazu stehe. „Die Entscheidung sollte nicht dazu führen, dass wir im nächsten Gemeinderat wieder hier sind.“

Einen Schlussstrich will Ingo Engelhardt ziehen. Er spricht als Vertreter und im Namen des Elternrates. Im Interesse der Kinder müsse Ruhe einziehen, sagt er. Er appelliert an die Eltern, Debatten in Gegenwart der Kinder in Zukunft zu unterlassen. Außerdem liegt ihm viel an einer Aussprache zwischen Bürgermeister und Kita-Beschäftigten. „Das zwischenmenschliche Verhältnis ist gestört. Die Kinder spüren das.“

Ob der Gemeinderat zu einer Entscheidung gekommen ist und wenn ja, zu welcher, sollen die Eltern in nächster Zeit von der neuen Leiterin der Kita erfahren.