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In Dittersdorf werden die Holzmasten gefällt

Infrastruktur. Das Dorf hat eine der ältesten Stromleitungen Sachsens. Das wird sich in den nächsten Wochen ändern.

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Von Maik Brückner

„An den Stromleitungen ist kaum etwas gemacht worden“. Da ist sich Manfred Legler sicher. Der Dittersdorfer Heimatforscher verfolgt seit Jahren das Geschehen im Ort: „Ab und zu wurden mal die Strippen nachgezogen, aber viel passiert ist in den letzten Jahren nicht“.

Das wird sich jetzt ändern. Im Zuge des Straßenbaus wird nun auch der Energieversorger Esag aktiv. Parallel zu den Straßenarbeiten werden jetzt die Stromleitungen ausgewechselt. „Man kann fast sagen, dass das gesamte Ortsnetz erneuert wird“, sagt Birgit Freund von der Presseabteilung der Esag. Damit verschwinden ein paar der ältesten Stromleitungen Sachsens. Superlative will Frau Freund nicht in den Mund nehmen, da es vielleicht noch ältere Leitungen gibt. Sicher ist aber, dass die Kabel in Dittersdorf viele Jahre auf dem Buckel haben. Nach ihren Recherchen wurden die jetzt noch genutzten Leitungen 1943 verlegt. Nun sind sie über 60 Jahre alt. Damit haben sie den Zenit überschritten. „Nach 50 Jahren sollte man Kabel eigentlich auswechseln“, so Frau Freund.

Dafür gebe es mehrere Gründe. Einer sei die Gefahr bei Unfällen durch den zunehmende Lkw-Verkehr, der auch vor Dittersdorf nicht Halt macht. Als die Kabel verlegt wurden, ging man nicht von derartigen Belastungen aus. Bisher gab es aber noch keine nennenswerten Störungen der Stromversorgung im Dorf, so Freund. Das kann auch Manfred Legler bestätigen, der sich auch in der Geschichte der Energieversorgung des Dorfes auskennt. Die Anfänge reichen bis ins Jahr 1911 zurück. Was zwischen 1936 und 1945 passiert ist, weiß er aber nicht. Die Gemeindebücher aus dieser Zeit wurden vernichtet. Da er erst 1953 wieder nach Dittersdorf zog, kann sich der heute 78-Jährige nur auf sein Gedächtnis verlassen. Er kann sich an einige Stromausfälle zu DDR-Zeiten erinnern. Aus den letzten Jahren ist ihm so etwas nicht mehr bekannt.

Damit das so bleibt, investiert die Esag nun in Dittersdorf. Wie hoch die Summe ist, will Frau Freund nicht sagen. Dafür weiß sie Konkretes zu den Arbeiten: In den nächsten Tagen werden 1 350 Meter Niederspannungsleitung und 995 Meter Mittelspannungsleitung ausgewechselt. Außerdem wird die 1 570 Meter lange Freileitung in die Erde gelegt. Damit beugt man einem anderen Gefahrenpotential vor. Vor allem im Winter seien Freileitungen im Gebirge gefährdet, weil sich hier Eis bildet, dass immer schwerer wird und letztlich zum Leitungsbruch führen kann. Dem möchte man mit einer Erdverkabelung begegnen. Für Dittersdorfs Ortsbild hat das einen Nebeneffekt: 39 hölzerne und sieben Betonmasten werden verschwinden. Das findet auch Manfred Legler schön.