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In Dresdens größter Fabrik wird zum ersten Mal gestreikt

Bei Globalfoundries steht am Mittwoch zum Schichtwechsel ein Warnstreik an. In der Mikrochipfabrik geht es nicht nur ums Gehalt.

Von Georg Moeritz
 2 Min.
Fabrik ohne Tarif: Bei Globalfoundries im Dresdner Norden droht Protest.
Fabrik ohne Tarif: Bei Globalfoundries im Dresdner Norden droht Protest. © euroluftbild.de/Robert Grahn

Dresden. Die Mikrochipfabrik des US-Konzerns Globalfoundries im Dresdner Norden mit 3.200 Beschäftigten steht zum ersten Mal vor einem Streik. Für Mittwochnachmittag hat die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) zunächst zu einem Warnstreik aufgerufen, der die Produktion über mehrere Stunden „lahmlegen“ soll. Landesbezirksleiter Oliver Heinrich in Berlin sagte der Sächsischen Zeitung, wenn die Geschäftsleitung sich weiterhin nicht auf Tarifverhandlungen einlasse, werde er eine Abstimmung unter den Mitgliedern über einen Streik einleiten. Das Unternehmen riskiere „einen wirtschaftlichen Schaden in Millionenhöhe“.

Voriges Jahr im August hatte die Gewerkschaft eine „Tarif-Mittagspause“ vor dem Werkstor abgehalten. Heinrich forderte damals ein gerechtes, transparentes Entgeltsystem und kürzere Arbeitszeit. Die 40-Stunden-Woche sei nicht mehr wettbewerbsfähig. Nachbar Infineon hat 2013 die Schichten verkürzt. Inzwischen hat Globalfoundries mit seinem Betriebsrat vereinbart, ab April ebenfalls Acht- statt Zwölfstundenschichten in der Produktion einzuführen. Die Arbeitszeit dort wird auf 36,75 Stunden pro Woche verkürzt.

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Die Chemiegewerkschaft bemüht sich nach eigenen Angaben seit Monaten vergeblich um Tarifverhandlungen mit Globalfoundries. Gespräche auf Chef-Ebene seien nicht über Sondierungen hinausgekommen. Das Unternehmen teilte mit, es wolle keine Verhandlungen über einen eigenen Tarifvertrag führen. Sprecherin Karin Raths schrieb, Globalfoundries werde sich „nicht leichtfertig auf einen Weg Richtung Haustarifvertrag begeben, von dem wir letzten Endes nicht wissen, wohin er uns führt und was er uns beschert“.

Das Unternehmen hat sich aber auch nicht dem Arbeitgeberverband um Betriebe wie Wacker Nünchritz, Siltronic Freiberg und BASF Schwarzheide angeschlossen. Die richten sich laut Heinrich nach dem Chemie-Tarifvertrag mit teilweise bis zu 10.000 Euro mehr Jahreseinkommen. Globalfoundries bevorzugt nach eigenen Angaben „angesichts der Vielzahl von Arbeitszeit-, Schicht- und Vergütungsmodellen im Silicon Saxony eine vertragliche Lösung für den gesamten Mikroelektronik-Cluster“. Dazu habe es „erste Gespräche“ gegeben, sagte Sprecher Jens Drews.

Gewerkschafter Heinrich fühlt sich hingehalten. Er sagte, die Chemiegewerkschaft gelte zwar als eher friedlich, aber: „Wir haben auch eine Krawalltaste.“ Die Gewerkschaft habe ausreichend Power, einen langen Arbeitskampf durchzuziehen. Er sei aber nicht scharf auf einen Streik, Verhandlungen wären ihm lieber.

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Globalfoundries hat in den vergangenen Jahren die Belegschaft von rund 4.000 auf 3.200 Personen gekürzt und einen Teil der Mikrochipproduktion auf eine neue, sparsamere Technik umgestellt. Von August 2018 bis Februar 2019 gab es Kurzarbeit. Das Unternehmen verwies darauf, dass sich die Konjunktur eintrübt. Es wolle die Arbeitsbedingungen gemeinsam mit dem Betriebsrat verbessern.

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