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In Dubai liebt man Lausitzer Liebesperlen

Frank Kupfer perlt der Schweiß auf der Stirn: 32,5 Grad zeigt das Thermometer in der großen Produktionshalle der Rudolf Hoinkis GmbH im Görlitzer Gewerbegebiet Nord-West. Liebesperlen mögen’s eben ein bisschen wärmer.

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Von Jana Ulbrich

Frank Kupfer perlt der Schweiß auf der Stirn: 32,5 Grad zeigt das Thermometer in der großen Produktionshalle der Rudolf Hoinkis GmbH im Görlitzer Gewerbegebiet Nord-West. Liebesperlen mögen’s eben ein bisschen wärmer. Billionenfach perlen sie sich hier in mehr als 100 rotierenden Kupferkesseln aufs Maß. An die 100 Stunden dauert es, bis aus einem Zuckerkügelchen eine echte Liebesperle geworden ist – vorausgesetzt, Temperatur, Drehgeschwindigkeit und Neigungswinkel der großen kupfernen Kessel stimmen.

Streng geheime Rezeptur

Frank Kupfer staunt. Sachsens Minister für Umwelt und Landwirtschaft hat gestern auf seiner Sommerreise in Görlitz Halt gemacht. Und er darf einen Blick werfen in die über 100-jährige Görlitzer Zuckerdragee-Produktion. Das ist schließlich nur ganz wenigen vergönnt, denn die Herstellung der kunterbunten Kügelchen war und ist bis heute streng geheim.

Nur so viel verrät Firmenchef Bernd-Christian Hoinkis: Die Görlitzer Liebesperlen bestehen aus nichts weiter als Traubenzucker, Zuckerwasser und Farbstoffen – und sie werden heute noch genau so hergestellt, wie sie Firmengründer Rudolf Hoinkis, Bernd-Christians Großvater, am 3. April 1908 erfand. Nur der Zucker ist heute feiner, der Farbstoff natürlicher, die Produktpalette weitaus größer.

In vierter Generation wird das Görlitzer Traditionsuntenehmen, das zwei Kriege, die Weltwirtschaftskrise, die Verstaatlichung in der DDR und das tiefe Loch nach der Wende überstand, heute geführt. Die kunterbunten Liebesperlen in den Nuckelfläschchen, die im Osten Deutschlands seit Generationen jedes Kind kennt, gibt es immer noch. Aber sie machen nur noch rund die Hälfte der Produktion aus. „Wir müssen uns neue Märkte erschließen, um weiter überleben zu können“, erklärt Juniorchef Matthias Hoinkis.

Heute hat die Firma 35 Mitarbeiter in der Stammbelegschaft und 150Beschäftigte der Görlitzer Werkstätten für Behinderte in Lohnarbeit. Sie hat Agenten in Hongkong, einen Messestand in Amsterdam und Kunden in Dubai und weiteren 21 Ländern. 60Prozent der gesamten Produktion geht in den Export. Neben Zuckerdragees und Pfefferminzpastillen ist das Unternehmen dabei, ein neues Geschäftsfeld zu erschließen, von dem sich Matthias Hoinkis ein großes Wachstumspotenzial erhofft: die Herstellung von pharmanahen Produkten wie Traubenzucker-, Vitamin- und Mineralstoff-Tabletten. Zwei neue Tablettenpressen hat Hoinkis dafür angeschafft.

Jetzt auch Vitamintabletten

Im firmeneigenen Labor wird gerade mit natürlichen Farbstoffen aus Blaubeeren, Aprikosen und verschiedenen exotischen Früchten geforscht. „Die Zukunft liegt eindeutig bei den Naturfarbstoffen“, sagt Matthias Hoinkis.

Der Agrarminister hört das gern. „Ich bin sehr beeindruckt“, sagt er mit ehrlicher Anerkennung, als er die 32,5 Grad heiße Produktionshalle wieder verlässt.