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In Frühlingslaune

Der Ostermarkt im Weidegut Colmnitz hat sich gemausert – dank Regina Tittel und vieler fleißiger Helfer.

Von Annett Heyse

Wer sich auf das anstehende Osterfest, auf Lämmer, blühende Obstbäume, Eier und allerlei Leckereien sich richtig einstimmen wollte, war am gestrigen Sonntag im Weidegut Colmnitz so richtig gut aufgehoben. Die hiesige Agrargenossenschaft, der das Gut gehört, hatte wieder den Ostermarkt organisiert, und um die 3 000 Besucher fanden den Weg zu dem historischen Vierseithof am Rande des Tharandter Waldes. Die Feste im Weidegut, sie haben einen guten Ruf als klein, beschaulich, familiär und dazu liebevoll ausgestattet.

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Bei Ausflügen mit Kindern stehen Erlebnis und Abenteuer im Vordergrund. Das sollte bei der Tourenplanung und beim Packen des Rucksacks bedacht werden.

Der dreijährige Moritz ist ganz vorsichtig mit dem wenige Tage alten Küken.
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Carolin Maschinsky bemalt nach sorbischem Brauch Ostereier.
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Völlig zu Recht. Zahlreiche Direktvermarkter aus der Region boten ihre Produkte an, mehreren Handwerkern konnte man bei der Arbeit über die Schultern schauen, und für die Kinder gab es jede Menge Tiere zu beobachten. Der Colmnitzer Geflügelverein hatte Hühner samt Küken beigesteuert, Lämmer und Kälber waren auch zu sehen und die Wiesen dazu sattgrün. „Das war im vergangenen Jahr ganz anders“, erinnert sich Regina Tittel nur allzu gut. Zehn Grad Minus zeigte da das Thermometer Ende März, es herrschte tiefster Winter, der Ostermarkt fand schließlich in der Scheune statt.

Tittel organisiert seit vielen Jahren die Märkte und Feste im Weidegut – vier Stück im Jahr. Ihr Tag begann an diesem Sonntag fünf Uhr morgens. Jetzt zeigt die Uhr kurz vor elf, die ersten Gäste strömen ins Weidegut. Tittel flitzt mit einer Mappe unter dem Arm nochmals durch die Scheune. Der Imker will noch wissen, wo er seine Schauwabe hinstellen kann. Dann klingelt das Handy, der Mann vom Grillstand fragt nach der Holzzange. „Geht gleich los“, sagt Regina Tittel. Und dann wären da noch die zwei jungen Leute vom Jugendklub, die den Bierstand betreuen, die brauchen noch die Kassette mit dem Wechselgeld.

Die 61-Jährige wurde nicht als Eventmanagerin geboren. Sie studierte Betriebswirtschaft, arbeitete in Klingenberg bei dem VEB, der elektrische Bauelemente herstellte, betreute nach der Wende über einen Verein Arbeitslose. 2001 kam sie zum Weidegut und brachte gemeinsam mit einem Team Schwung in den Vierseithof. Damals fand erstmals auch ein Markt statt, im Herbst. „Seit 2003 organisieren wir generell vier Hoffeste“, sagt sie. Es sind die größten Ereignisse in dem Dorf am Tharandter Wald. Und das Weidegut hat sich gemausert. Mit zahlreichen Händlern und Handwerkern arbeite man seit vielen Jahren zusammen, und die würden dann wiederum Kollegen empfehlen, die gut ins Colmnitzer Schema passen, erzählt Regina Tittel.

Dabei musste sich der Ostermarkt gestern zahlreicher Konkurrenten erwehren. In Wilsdruff fand gleichzeitig der Bauernmarkt statt, in Freiberg ein Töpfermarkt, in Dresden war Dampflokfest und verkaufsoffener Sonntag. Wie lockt man da noch genügend Besucher nach Colmnitz, Frau Tittel? Die Markt-Chefin zuckt die Schultern. „Eine gute Mischung regionaler Angebote und was Schönes für die Kinder.“ Kein Tinnef, möglichst wenig von dem, was es überall gibt. „Ein Karussell wird es hier auch in Zukunft nicht geben.“ Vielmehr stehe der große Hof im Mittelpunkt, ein durchsaniertes Schmuckstück, umgeben von Bauerngarten und Spielplatz, kein Autoverkehr, dafür Ruhe und frische Luft. „Das kann nicht jeder bieten.“

Um das Niveau zu halten, müssen Regina Tittel und ihre Leute aber Gas geben. Doch sie haben viele Sympathisanten. Etliche Colmnitzer machen mit, die Männer von der Feuerwehr sind mit dabei, der Landfrauenverband trägt viel zur Ausgestaltung bei. Tittel: „Sonst wäre das nicht zu schaffen.“ Aus Dorfhain ist Familie Grimmer gekommen. Anne und Hannes, zwölf und acht Jahre alt, haben sich Osterhasenkostüme übergezogen und große Körbe auf den Rücken gesetzt. Darin sind Süßigkeiten für die Gäste. Die beiden ziehen über den Markt, verteilen das Osterhasenrätsel und lassen die Kinder in die Körbe greifen. Wahrscheinlich ist das das Erfolgsgeheimnis der Weidegut-Feste: Bodenständig und von den Einheimischen mit Liebe und Traditionsbewusstsein organisiert.