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In fünf Jahren erwischt es die Wirtschaft

Altenberg. Über dieBevölkerungsentwicklung diskutierten Unternehmer bei den BärensteinerGesprächen.

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Von Franz Herz

Die Falle schnappt zu, immer wieder. In fünf Jahren wird sie die Wirtschaft erwischen. Ihre ersten Opfer waren in den 1990er Jahren Kindergärten und Grundschulen. Derzeit sind die Mittelschulen an der Reihe. Die Falle hat auch einen Namen. Es ist die Bevölkerungsentwicklung, Fachleute verwenden das griechische Wort Demographie.

Die Unternehmer, die im Impro-Verband organisiert sind, beschäftigten sich bei ihren „Bärensteiner Gesprächen“ am Donnerstag und Freitag intensiv mit diesem Problem. Sie machen sich Gedanken, woher sie in Zukunft ihre qualifizierten Facharbeiter bekommen und wer dann verantwortliche Aufgaben übernehmen soll.

Qualifizierte Facharbeiter

Landrat Bernd Greif (CDU) unterstrich das Risiko mit erschreckenden Schaubildern. Nach 2010 werden weniger junge Leute die Schulen verlassen, als aus den Firmen in Rente gehen. Im Weißeritzkreis kommen jedes Jahr rund 900 Jugendliche aus der Schule, in fünf Jahren sinkt ihre Zahl auf 300. Werner Mankel, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Dresden, sagte zu den Firmenchefs drastisch, was das bedeutet: „Sie müssen dann eins zu eins die Ausscheidenden ersetzen. Jede Flasche muss dann einen hoch Qualifizierten und Erfahrenen aufwiegen.“

Die Betriebe können sich dann nicht mehr die besten Schulabgänger aussuchen wie jetzt. Entweder lassen sie Stellen unbesetzt oder sie stellen auch Leute ein, die ihren Ansprüchen nicht sofort genügen. Christof Voigt, Referatsleiter für betriebliche Ausbildung im Wirtschaftsministerium, rief den Unternehmern zu: „Zwischen 2009 und 2016 gehen ihre wesentlichen Leistungsträger in Rente.“ Dann müssen junge ausgebildete Mitarbeiter bereit stehen, um die Aufgaben zu übernehmen. Die müssen jetzt schon in die Ausbildung gehen. Egon Herbrig aus Bärenstein rechnete vor: „Die Lehre dauert dreieinhalb Jahre. Danach kommen noch neun Monate Wehr- oder Zivildienst. Da werden es fünf Jahre, bis eine Nachwuchskraft dem Betrieb zur Verfügung steht.“

Damit die Grundlagen für eine gute Ausbildung schon in der Schule gelegt werden, gibt es verschiedene Initiativen. So organisiert Impro mit der Mittelschule Schmiedeberg eine Exkursion in verschiedene Betriebe. Klaus-Peter Hansen, Chef der Arbeitsagentur Pirna, informierte über ein Projekt, eine Art „Unterrichtstag in der Produktion“ wieder einzurichten. Die Jugendlichen sollen nach ihren Berufswünschen befragt werden, dazu passend sollen sich dann Betriebe finden. „Drücken sie die Daumen, dass das Regionalschulamt das genehmigt“, sagte Hansen.

Christine Sperlich, Geschäftsführerin von IB Klingenberg, wies auf Programme hin, die Jugendlichen helfen, eine Lehre durchzustehen, auch wenn sie Schwierigkeiten haben. „Ausbildungsbegleitende Hilfe“ heißt ein Förderprogramm der Arbeitsagentur, das Unterstützung geben soll, damit hier keine Falle zuschnappt.