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Meißen

In fünf Minuten zum neuen Job

Um Mitarbeiter zu finden, probieren die Elblandkliniken eine neue Methode der Partnersuche aus.

Das Elblandklinikum Meißen hat am Sonntag erstmals zu einem Job-Speeddating eingeladen. Das Prinzip hat sich bereits mehrfach bewährt, wie auf dem Foto aus der Lausitz.
Das Elblandklinikum Meißen hat am Sonntag erstmals zu einem Job-Speeddating eingeladen. Das Prinzip hat sich bereits mehrfach bewährt, wie auf dem Foto aus der Lausitz. © Matthias Weber

Meißen. Das Prinzip ist eigentlich eher von Flirtbörsen bekannt. Beim sogenannten Speeddating lernt jeder männliche Single jeden weiblichen Single kennen und umgekehrt. In Runden von jeweils circa sieben bis acht Minuten erhalten die Teilnehmer Gelegenheit, sich gegenseitig kennenzulernen. Nach Ablauf der Zeit ertönt ein Gong als Zeichen, das zum Partnerwechsel auffordert. Am Ende kann man sich entscheiden, ob mehr aus der kurzen Kennlernaktion werden soll oder eben auch nicht.

Wenig Zeit – genau dies war für den Pflegedirektor des Elblandklinikums Meißen Dirk Siebert auch die Motivation, nach innovativen Wegen zu suchen, um neue Mitarbeiter zu finden. Der Personalbedarf habe sich in den letzten Jahren deutlich verschärft. Ein Grund dafür seien die vom Bundesgesundheitsministerium vorgegebenen Untergrenzen für Pflegepersonal. Oft lasse der Gesetzgeber nur wenige Monate Spielraum, um die geforderten Auflagen umzusetzen.

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Einem Bericht der Online-Plattform Aerzteblatt.de zufolge gilt beispielsweise für die Herzchirurgie ab 2020 ein Betreuungsschlüssel von einer Pflegekraft zu sieben Patienten in der Tagschicht und zu 15 Patienten in der Nachtschicht. In der Neurologie müsse ein Verhältnis von eins zu zehn in der Tagschicht und eins zu 20 in der Nachtschicht eingehalten werden. Darüber hinaus lege die Verordnung den Anteil an Pflegehilfskräften an der Gesamtzahl der Pflegekräfte in den pflegeintensiven Bereichen fest.

Helles und modernes Haus zieht

Diese Aufgaben in einem weitgehend leer gefegten Markt umzusetzen, gestalte sich selbst für ein großes Haus wie die Elblandkliniken zu einer Herausforderung, sagt Dirk Siebert. In einer Hauruck-Aktion habe er deshalb innerhalb weniger Wochen mit Kollegen das Format des sogenannten Job-Speeddatings entwickelt. Am vergangenen Sonntagvormittag kamen dazu erstmals Bewerber in einem Konferenzraum in der ersten Etage des Krankenhauses am Nassauweg zusammen. 

Das Angebot richtete sich in erster Linie an examinierte Pflegefachkräfte und Pflegehelfer. „Am Anfang hatten wir schon etwas Lampenfieber, ob wir überhaupt jemanden mit unseren Flyern und Plakaten erreichen würden“, sagt der Pflegedirektor. Doch allmählich habe sich der Saal gefüllt. Eine Interessentin sei sogar aus Görlitz gekommen. Andere Besucher hätten erst am Tag selbst bei einem zufälligen Aufenthalt im Klinikum vom Job-Speed-Dating erfahren und sich kurzerhand beteiligt.

Anstatt dicke Bewerbungsmappen zu verschicken, mussten die Bewerber an diesem Vormittag lediglich einen speziell für diesen Anlass entworfenen Steckbrief ausfüllen. Kurz wurden wichtige Daten des Lebenslaufes und Interessen abgefragt. Anschließend ging es rotierend durch mehrere Zimmer, wo Vertreter der einzelnen Krankenhausbereiche ihre Fragen an die Interessenten loswurden und gleichzeitig bei Bedarf über ihre Arbeitsgebiete Auskunft gaben. Zum Abschluss gab es mit Siebert eine Führung durch das Haus.

Eigene Azubis bleiben das A und O

Die Reaktionen seien einhellig positiv gewesen, berichtet der Pflegechef. Die Ungezwungenheit, das helle und moderne Haus, die vielen Parkplätze – das waren seinen Worten zufolge einige der Punkte, welche ausdrücklich hervorgehoben wurden. Tatsächlich hätten in der Folge bereits erste, neue Mitarbeiter eingestellt werden können. Mit weiteren Bewerbern befinde er sich in persönlichem Kontakt.

Da die Premiere so gut funktionierte, soll das Prinzip in Serie gehen. Die Zeit drängt. Der Countdown zum Jahreswechsel läuft. Bereits am 7. Dezember, von 9 Uhr bis 14 Uhr, ist die nächste Auflage in Meißen geplant. Für die Zukunft sind Siebert und sein Team dabei, andere zeitliche Varianten zu prüfen. Möglicherweise sei der Start mit 9 Uhr zu früh terminiert.

Gleichzeitig stellt der Pflegedirektor klar, dass es sich bei dem neuen Format um ein zusätzliches Instrument der Personalsuche handele. Die hauseigene Berufsfachschule bleibe eine feste und wichtige Größe. Die selbst ausgebildeten Mitarbeiter befänden sich nach wie vor in der Überzahl gegenüber den von außen eingestellten Kollegen. Die Auszubildenden des dritten Lehrjahres, welche die Ansprüche des Unternehmens erfüllten, hätten alle Jobangebote erhalten, so sie nicht aus privaten Gründen das Elbland verlassen wollten.

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