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In der Bereitschaftspraxis ist viel zu tun

Das von der Kassenärztlichen Vereinigung betriebene Angebot wird in Kürze ein Jahr alt.

Hausärztin
Cornelia Unger
ist die ärztliche
Leiterin der Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung im
Hoyerswerdaer
Krankenhaus.
Sie ist mit deren Entwicklung im Großen und
Ganzen zufrieden.
Hausärztin Cornelia Unger ist die ärztliche Leiterin der Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung im Hoyerswerdaer Krankenhaus. Sie ist mit deren Entwicklung im Großen und Ganzen zufrieden. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Wer die Hilfe der Bereitschaftspraxis im Seenland-Klinikum in Anspruch nehmen möchte, sollte diverse Dinge nicht vergessen. Dazu zählen die Krankenkassen-Chipkarte und der persönliche Medikamentenplan, aber im Zweifel nach einer Behandlung im Klinikum auch der Krankenhaus-Entlassungsbrief. „Manche Leute denken, wir hätten Zugriff auf das Computersystem des Klinikums. Das ist nicht so“, sagt die ärztliche Leiterin Cornelia Unger.

Die Bereitschaftspraxis mag im Erdgeschoss des Hoyerswerdaer Krankenhauses zu finden sein. Sie ist aber eingemietet. Betrieben wird sie von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, also der Organisation der niedergelassenen Ärzte. Dennoch ist der Standort nicht von ungefähr gewählt. Die KV hat die Bereitschaftspraxen vor allem aus dem Grund eingerichtet, um die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu entlasten. Weil diese viel zu oft von Leuten aufgesucht wurden, die zwar krank, aber eben doch keine Notfälle waren, ist das System reformiert worden.

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Die Bereitschaftspraxis Hoyerswerda wird im Oktober ein Jahr alt. Geöffnet ist immer, wenn die Hausarztpraxen nicht zur Verfügung stehen. Neben den späten Nachmittagsstunden mittwochs und freitags betrifft das vor allem die Wochenenden, Feiertage sowie Brückentage. Es habe anfänglich durchaus Skepsis gegeben, sagt Cornelia Unger. Im Großen und Ganzen habe sich das Angebot aber bewährt: „Die Rettungsstelle sagt, dass es definitiv zur Entlastung geführt hat. Und die Nachfrage ist allgemein schon recht hoch.“

An der Anmeldung im Klinikums-Foyer wird entschieden, wer ein schwererer Fall für die Notaufnahme ist und wer ein leichterer für die KV-Bereitschaftspraxis. Vor dem Beginn der Covid-19-Pandemie kamen in der im Schnitt achtstündigen Öffnungszeit gut 20 bis 30 Patienten. Während der vier Stunden, in denen zusätzlich die Kinderarzt-Bereitschaft zur Verfügung steht, wurden dort zwischen 30 und 35 Konsultationen registriert. Den bisher größten Ansturm gab es laut Cornelia Unger am Tag nach Weihnachten, auch als dritter Feiertag bekannt: 87 Kranke suchten am 27. Dezember die Hilfe der Bereitschaftspraxis. Mit den Sars-CoV-2-Viren und den Restriktionen dagegen sank dort adäquat zu den Patientenzahlen in den Hausarztpraxen die Nachfrage teils recht deutlich.Die Dienste in der Bereitschaftspraxis teilen sich die niedergelassenen Mediziner der Stadtregion, um die 70 Ärztinnen und Ärzte. Im Schnitt ergibt sich für sie ein Praxis-Dienst im Monat. Hinzu kommen acht medizinische Mitarbeiter. Cornelia Unger berichtet, dass vor allem Krankenschwester Uta Lohse das Tagesgeschäft in den Händen hat, Material bestellt, Absprachen trifft, Probleme löst. „Sie hält da sehr viel Arbeit von mir fern“, sagt die ärztliche Leiterin der Bereitschaftspraxis. Die acht Helferinnen seien auch eine sehr große Stütze bezüglich der spezifischen KV-Computersoftware. Wenn man als Mediziner nur einmal im Monat damit in Kontakt kommt, ist die Vertrautheit natürlich nicht so groß. „Aber dafür klappt das super. Die KV hat viel Mühe auf die Einarbeitung verwendet“, berichtet Cornelia Unger.

Auch die Patienten seien zufrieden. Die Notaufnahme vermeiden zu können, löst häufig wohl durchaus Freude aus. Nicht nur ist so ein Ort mit unguten Gefühlen verbunden. Weil die Rettungsstelle sich zunächst um die schweren Fälle kümmert, deren Behandlung naturgemäß mehr Zeit in Anspruch nimmt, mussten die nicht so schwer kranken Patienten früher häufiger länger auf den Warte-Sitzen verharren.

Während also die Praxis ihre Erwartungen erfüllt, scheint es bei der zweiten Säule des Bereitschaftsdienstes noch Verbesserungsbedarf zu geben. Wie Cornelia Unger sagt, berichteten Patienten noch immer von technischen Schwierigkeiten mit der zentralen Nummer 116 117, über die man vor allem den Hausbesuchsdienst der KV-Ärzte anfordern kann. Man landet wohl zu häufig in der Telefon-Warteschleife. „Das Problem ist der KV aber bekannt. Daran wird gearbeitet“, sagt die Medizinerin.Öffnungszeiten: mittwochs und freitags: 15 bis 19 Uhr, an Wochenenden, Feiertagen, Brückentagen: 9 bis 13 Uhr sowie 15 bis 19 Uhr, kinderärztliche Bereitschaft an Wochenenden, Feiertagen, Brückentagen: 9 bis 13 Uhr.www.kvs-sachsen.de/Bereitschaftsdienste

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