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In Leipzig entsteht der erste private Venture-Capital-Fonds für Ostdeutschland

Sachsen braucht ein eigenes Digitalministerium, fordert die Mittelstandsvereinigung der CDU.

Das Spin Lab in Leipzig
Das Spin Lab in Leipzig © Foto: Anja Jungnickel

Dresden. Sachsen gilt nicht unbedingt als Start-up-Mekka, obwohl es nicht an Forscher- und Erfindergeist mangelt. Doch es fehlt an Geld. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zusammen werden nur zwei Prozent des Risikokapital-Volumens investiert, das jedes Jahr nach Berlin fließt, betonte Eric Weber, Geschäftsführer des Leipziger Spin Lab am Freitag auf dem NFK Summit in Dresden, einer Konferenz, wo sich Gründerteams, Tech-Visionäre und Investoren zum Austausch treffen. „Es muss gelingen, dass erfolgreiche Unternehmer, die in den vergangenen Jahren auch mit Hilfe staatlicher Förderung ihr Vermögen erarbeiten konnten, es zum Teil wieder reinvestieren in Start- ups“, forderte Weber. Er baut derzeit für den Smart Infrastructure Hub in Leipzig einen Venture-Capital (VC)-Fonds auf, der zum ersten Zeichnungsschluss mit einem Volumen von acht Millionen Euro starten soll. Als Anleger hat Weber regionale Banken und Unternehmer im Visier. Das Zielvolumen liegt zwischen zehn und fünfzehn Millionen. Gemanagt werden soll der Fonds von zwei Fondsmanagern mit mehr als zehnjähriger Berufserfahrung. „Das ist der erste private Risikokapitalfonds in Ostdeutschland seit der Wende und das ist die bitte Realität“, so Weber. Seit zwei Jahren arbeitet er am Aufbau des Fonds, den er jetzt bei der Aufsichtsbehörde Bafin zur Genehmigung angemeldet hat. Das Ganze sei schon ein sehr schwieriger Prozess und es verwundere ihn nun nicht mehr, dass es bislang noch keinen privaten VC-Fonds im Osten gäbe, hatte Weber Anfang der vergangenen Woche auf einer Konferenz zum Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier in Böhlen bekannt. Im Smart Infrastructure Hub sollen Start-ups, etablierte Unternehmen und Forschungseinrichtungen gemeinsam Geschäftsideen auf den Feldern E-Health, Energie und Smart City entwickeln.

Stephan Stubner, Rektor der Handelshochschule (HHL ) in Leipzig, wies in seinem Vortrag noch auf zwei weitere Gründe hin, warum es in Sachsen trotz des großen Potenzials so wenig Gründungen gibt: mangelndes Transferdenken und fehlende Orte, an denen  sich Technologiespezialisten und Wirtschaftsexperten kennenlernen können. Diejenigen, die die Technologien entwickeln, würden zu wenig darüber nachdenken, wie sie daraus ein Produkt  entwickeln und auf den Markt bringen können. „Wir müssen Technologien mit Marktverstand entwickeln und brauchen ein besseres Ökosystem“, so Stubner .

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Damit der nächste digitale Champion aus Sachsen kommen kann, plädiert die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Sachsen (MIT) für ein eigenes Digitalministerium im Freistaat. „Wir fordern einen sächsischen Digitalminister. Digitalisierung ist mehr als Breitbandausbau, die Herausforderungen liegen vielmehr in einer gekonnten Digitalisierung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen und der damit einhergehenden besseren Verbindung von Stadt und Land“, schreibt MIT-Landesvorsitzender Markus Reichel am Sonntag in einer Pressemitteilung. Notwendig sei eine grundlegende Veränderung im Denken innerhalb der Verwaltung, fordert Jan Hippold, start-up-politischer Sprecher in der CDU-Landtagsfraktion. „Um dies zu ermöglichen, muss ein Digitalministerium prozess- und fachgebietsübergreifend tätig werden“, so Hippold.