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In Moritzburg röhrt jetzt das Damwild

Wildgehege. Die beiden kanadischen Fischotter haben sich eingelebt. Bis Jahresende soll mit dem Sikawild eine weitere Tierart heimisch werden.

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Von Sven Görner

Der Sturm rüttelte gestern kräftig an den alten Bäumen im Wildgehege Moritzburg. Trotzdem ließen sich einige Tierfreunde nicht von einem Besuch der Anlage abhalten, die fast 200 Tiere in rund 30 Arten präsentiert. Wer Glück hatte, konnte auch den einen oder anderen Brunftschrei des Damwildes hören. Eine Gruppe Senioren versuchte am Vormittag, mit Laubrechen und Müllsäcken der bunten Blätterpracht auf den Wegen Herr zu werden. Und am Nachmittag hatte Gehegechef Rüdiger Juffa die Drogenklinik der Diakonie in Moritzburg zu einer kleinen Feier eingeladen. „Das ganze Jahr über helfen uns immer zehn bis 15 Leute von dort“, sagt Juffa. „Die Feier sollte ein Dankeschön für die gute Zusammenarbeit sein.“

Betriebskosten selbst tragen

Obwohl das Wildgehege jetzt bereits um 16 Uhr schließt, brennt im Hauptgebäude fast jeden Abend Licht. „Die Wildgarten Gastronomie, die seit diesem Jahr vom Moritzburger Rad’l Eck betrieben wird, ist für uns inzwischen neben den Erlösen aus dem Eintritt und dem Souvenirverkauf zum zweiten Standbein geworden“, sagt Juffa. Jetzt im November gebe es für den Hubertussaal, das Dianazimmer oder den Wildkeller von 1784 fast jeden Tag Anmietungen. „Uns gelingt es so sämtliche Betriebsausgaben des Wildgeheges, also auch die Löhne, selbst zu decken. Lediglich für große bauliche Maßnahmen sind wir auf staatliche Zuschüsse angewiesen“, erklärt Juffa.

Dennoch versucht die Einrichtung, den Besuchern jedes Jahr etwas Neues zu bieten. Höhepunkt in diesem Jahr war der Einzug von zwei direkt aus Kanada importierten Fischottern in die komplett neu gestaltete Freianlage. Inzwischen hat sich das Paar eingelebt und kann schon öfter beim Fressen, Spielen und Sonnen beobachtet werden. Gut entwickelt hat sich auch das Elchjunge. „Wir wissen noch nicht genau, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist.“ Sollte Letzteres der Fall sein, „werden wir es wohl für die Nachzucht behalten“.

Grasen bald Wisente?

Auch über den Nachwuchs beim Weißen Damwild freut sich der Gehegechef. Von dieser einstigen Moritzburger Spezialität soll es künftig eine größere Herde geben. Überhaupt will sich das Gehege in den nächsten Jahren wieder stärker den ursprünglich dort gehaltenen Tierarten zuwenden. „Platz ist genug, um auch Wisente und Przewalskipferde zu halten“, sagt Juffa. Und auch eine zwei Hektar große Wolfsanlage sei im Gespräch. „Doch das ist eine Geldfrage.“

Nach und nach verschwinden sollen dagegen die Vogelvolieren. „Die Tiere sind teilweise schon sehr alt, neue werden wir nicht mehr anschaffen.“ So will das Gehege Schwierigkeiten mit der Vogelgrippe aus dem Weg gehen.

Bis Jahresende sollen aus Norddeutschland ein Sikahirsch und zwei weibliche Tiere nach Moritzburg kommen. Diese aus Ostasien stammende Art ist vergleichbar mit dem Damwild und wird bei diesem untergebracht. Im nächsten Jahr will Juffa mit eigenen Kräften die alte Wildgehegemauer beim Muffelwild fertigstellen und dort einen Rundweg anlegen.

Doch auch Rückschläge gab es in diesem Jahr für das kleine Wildgehegeteam. So verendeten innerhalb einer Woche die drei in diesem Jahr geworfenen Luchse und der vierköpfige Wildkatzen-Nachwuchs an Katzenseuche. „Dabei waren alle geimpft“, ärgert sich Juffa.