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In Pfaffendorf auf Spurensuche

Ein Münchener will mit dem Wohnmobil öfter nach Pfaffendorf kommen. Seine Mutter stammte von hier.

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Von Anja Hecking

Ehepaar aus München mit Hündin Bella sucht gelegentlichen Stellplatz für ein Wohnmobil – in Pfaffendorf, möglichst nahe der Hauptstraße 42. Eine verrückte Suchanzeige im Markersdorfer Dorfblatt. Wer will denn mit dem Wohnmobil von München nach Pfaffendorf?

Werner Königbauer auf dem Felsen am Elternhaus seiner Mutter in Pfaffendorf
Werner Königbauer auf dem Felsen am Elternhaus seiner Mutter in Pfaffendorf
Klein, aber fein: Das Pfaffendorfer Reimann-Haus haben die heutigen Eigentümer in ein märchenhaftes Anwesen verwandelt und es „Hexenhäuschen“ genannt. Der Name ist Programm. Denn Andrea Zenker aus Pfaffendorf öffnet das Häuschen in ihrer Freizeit zum Töpf
Klein, aber fein: Das Pfaffendorfer Reimann-Haus haben die heutigen Eigentümer in ein märchenhaftes Anwesen verwandelt und es „Hexenhäuschen“ genannt. Der Name ist Programm. Denn Andrea Zenker aus Pfaffendorf öffnet das Häuschen in ihrer Freizeit zum Töpf

An der Hauptstraße 42 befindet sich Andreas’ Hexenhäuschen. Klein und bunt ist es und geheimnisvoll. Als ob die Zeit stehen geblieben ist. Ein Ort zum Glücklichsein. Dazu braucht es nicht viel Platz. Früher hat hier einmal eine große Familie gelebt: Maria und Paul Reimann mit ihren zehn Kindern und alle unter so einem kleinen Dach.

Sie müssen sehr glücklich gewesen sein, ein eigenes Haus mit einem Garten zu haben, sagt Andrea Zenker. Sie hat das Häuschen 2006 mit ihrem Lebensgefährten gekauft und in mühevoller Handarbeit, mit viel Liebe zum Detail saniert. Die Familie wohnt auch in Pfaffendorf. Aber nicht im Hexenhäuschen. Das beherbergt heute eine Töpfer- und Wollwerkstatt, die Andrea Zenker in ihrer Freizeit betreibt – ein ganz persönlicher Rückzugsort.

Natürlich ist es noch schöner, wenn man auch etwas über die Geschichte eines so alten Gemäuers in Erfahrung bringt, sagt sie. Das passierte durch einen glücklichen Zufall vor einem knappen Jahr. Da lernte die Pfaffendorferin Werner Königbauer aus München kennen. Er war für das Grab seiner Mutter auf der Suche nach einem Stein von ihrem Elternhaus, auf dem sie zu Jugendzeiten immer gern gesessen hatte. Seine Mutter Magda war niemand anderes als das jüngste Kind aus dem Pfaffendorfer Reimann-Haus. In ihren Erzählungen über das langgestreckte Dorf unterhalb der Landeskrone und das Elternhaus war immer wieder auch die Rede von dem Felsen im Garten gewesen. Auf dem hatten die Kinder ihre Abenteuer erlebt..

Völlig überrascht stand Werner Königbauer dann im September 2012 vor dem alten Häuschen an der Hauptstraße 42 in Pfaffendorf. Etliche Jahre zuvor war er zuletzt dagewesen. Er hatte geplant, das Haus für seine Mutter zu kaufen. Doch sie war gesundheitlich nicht mehr in der Lage, es aufzusuchen und zu nutzen. Die Idee zerschlug sich. Nun war er baff. Das alte sanierte Gemäuer strahlte wieder Lebensfreude und Magie gleichermaßen aus.

Nur ein Namensschild der Hausbewohner fehlte. Der Kontakt zu Andrea Zenker war dennoch schnell hergestellt. Mit Hilfe des benachbarten Steinmetzes konnte Werner Königbauer ein großes Stück des Felsens mitnehmen. Die Pfaffendorferin bekam Informationen und Bilder über das Reimann-Häuschen und seine Bewohner für ihre Internetseite. Damit ist das alles aber längst noch nicht abgeschlossen. Im Gegenteil. „Ich bin ein Wessi, der schon zu DDR-Zeiten häufig da war“, sagt der 67-jährige Münchener über seine regelmäßigen Besuche im Osten Deutschlands und in Pfaffendorf. Jetzt, wo seine Mutter tot ist, hat sich diese Verbindung auf eine geheimnisvolle Art und Weise verstärkt. „Irgendwie zieht es uns immer wieder hierher“, sagt er. Deshalb sucht er jetzt mit seiner Frau auch einen Stellplatz für das Wohnmobil in der Nähe der Hauptstraße.

Von hier aus möchte sich das Ehepaar auf die Spuren von Magda Reimann begeben, die Menschen und die Umgebung kennenlernen. Zu erzählen gibt es viel. Allein über die neun Geschwister seiner Mutter und ihre Lebenswege könnte Werner Königbauer stundenlang berichten. Er hat etliche Fakten gesammelt. Wie oft sich verschiedene Wege kreuzten und sich mancher Kreis am Ende schloss, das fasziniert ihn bis heute.

Seine Mutter hat Pfaffendorf im Mai 1945 verlassen. Die Flucht führte sie über die Tschechei nach Unterfranken, wo Verwandte lebten. Bangen Herzens schrieb Magda Reimann damals eine Postkarte an einen jungen Mann. Sie hatte ihn noch in Görlitz kennengelernt, eine Zeit lang bevor sie aus Pfaffendorf wegmusste. Die Karte an seinen Vater hat Werner Königbauer bis heute aufbewahrt. Sein Vater absolvierte damals in Görlitz eine Marine-Ausbildung und stammte aus München.

Kontakt über 089 89711277 oder über

[email protected]

Interessantes über Andreas‘ Hexenhäuschen:

andreas-hexenhaeuschen.de