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In Rom – beziehungsweise in Hoyerswerda

Götz Alsmann gastiert am 14. Februar in der Lausitzhalle – wir haben heute ein Extra im Angebot.

Götz Alsmann „in Rom“ – und schon bald in Hoyerswerda.
Götz Alsmann „in Rom“ – und schon bald in Hoyerswerda. © Foto: Fabio Lovino (Blue Note Germany)

Hoyerswerda. Götz Alsmann ist eine Institution in Sachen bester, meint: anspruchsvoller Unterhaltungskunst abseits von billigem Schenkelklopfen. Am 14. Februar ist er erstmals in Hoyerswerda zu sehen und zu hören. Wir sprachen mit ihm.

Herr Alsmann – die alleszuwissenmeinende Wikipedia listet Sie als „deutschen Musiker (Multiinstrumentalist, insbesondere Pianist und Sänger), Moderator, Unterhaltungskünstler und Hochschullehrer“ auf. In Hoyerswerda wird höchstwahrscheinlich der Musiker in Ihnen das Gros der Bühnenpräsenz beanspruchen – aber auf welche Ihrer anderen Facetten dürfen wir uns in der Lausitzhalle außerdem freuen?

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Es ist ein Konzert. Es wird mich also als Musiker und Conferencier geben. Keine Angst: Keine Vorlesung!

Sie haben 20 Jahre lang, von 1996 bis 2016, mit Christine Westermann im WDR-Fernsehen „Zimmer frei!“ präsentiert; eine Sendung, in der Sie Ihre honorigen Gäste nicht immer mit Samthandschuhen angefasst haben. Reizt es Sie heute angesichts der überbordenden Fülle von Möchtegern-Prominenten und Auf-die-Nerven-Gehern, das „Zimmer“ wieder zu beleben?

Als wir „Zimmer frei“ vor zweieinhalb Jahren beendet haben, war dies ein wohlüberlegter Schritt. Nein, die Legende mit Westermann/Alsmann neu beleben zu wollen, wäre meiner Ansicht nach wohl keine gute Idee. Was nicht heißen soll, dass man sowohl Frau Westermann als auch mich nicht im Fernsehen sehen sollte!

Gut, bleiben wir bei der Musik. Ihre Tour hat ja ein bisschen den falschen Titel, von wegen „ ... in Rom“. Sollte sie nicht, wenigstens für die Station am 14. Februar, heißen „ ... in Hoyerswerda“?

Der Titel stimmt schon! Wir spielen nun mal Lieder aus Italien. Es ist keine einzige Komposition aus Hoyerswerda dabei.

Die Trilogie Ihrer Weltstädte-Alben begann 2011 mit „In Paris“, also Chansons; wurde 2014 fortgesetzt mit „Am Broadway“ in New York mit Liedern des Great American Songbook und wurde 2017 abgeschlossen mit „In Rom“; italienischen klassischen Schlagern. Genau genommen anachronistische Auslesen, denen nach Ansicht der Marktwissenschaftler der Misserfolg schon in die Wiege hätte gelegt sein müssen. Es ist aber in jedem der drei Fälle anders gekommen. Spricht das dafür, dass das Publikum sich in vermeintlich bessere, übersichtlichere Zeiten zurücksehnt – oder spricht das einfach für die unverwüstliche Qualität dieser Lieder?

Wir sollten uns allzu ausufernde außermusikalische Deutungen ersparen. Diese Lieder sind in der Tat unverwüstlich und gehören zum noch recht jungen kulturellen Erbe der internationalen Schlagermusik. Und da wir sie in jazzhafte Arrangements kleiden, bekommen sie noch einen zusätzlichen und zeitlosen Glanz.

Auf dem römischen Drittel Ihrer Alben-Trilogie, das das Hoyerswerdaer Konzert prägt, gibt es „Azurro“, „Volare“, „Cia, Ciao, Bambina“, die „Caprifischer“ ... aber auch Titel, die auf Hoyerswerda gemünzt sein könnten: „Die Schönste dieser Erde“ oder „Das kann der Anfang unserer Liebe sein“. Sehen Sie das auch so?

Absolut!

„In Rom“ haben Sie im Studio von Ennio Morricone aufgenommen, dessen Bekanntheit sich vor allem auf „Harmonica“ aus dem Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ gründet. Aber ich denke, Morricones Titelthema zu Pier Paolo Pasolinis „Salo oder die 120 Tage von Sodom“ wäre für Sie eine reizvollere Vorlage – zumal dieser Titel ja auch gar keinen Text hat, also förmlich danach verlangt, von Ihnen Worte zu bekommen ...

Nicht umsonst gilt Ennio Morricone als einer der größten Filmmusik-Komponisten überhaupt. Ich werde Ihre Anregung überdenken ...

Mal eine Form-Frage: Sie sind „Brillenträger des Jahres 2000“, „Krawattenmann des Jahres 2004“ – welche Auszeichnung als Botschafter eines modischen Accessoires wäre Ihnen noch besonders genehm: „Mr. Einstecktuch“? „Sir Manschettenknopf“? oder schlicht und einfach „Der bestangezogene Mann der Welt“?

Mir würde schon ein Platz unter den Top Ten reichen.

Sie haben schon mit den „Fabulösen Thekenschlampen“, der „Jazzkantine“, den „Ärzten“ und „In Extremo“ zusammengearbeitet, also Interpreten sehr weit auseinanderliegener Richtungen von Mitgröl bis Mittelalter, von feingeistig bis grobmotorisch. Ich könnte mir vorstellen, ein geheimer Wunsch von Ihnen ist, mal etwas mit Andy Mackay und Bryan Ferry von Roxy Music („Street Life“, „Virginia Plain“) einzuspielen – das würde ja schließlich nicht nur musikalisch passen, sondern, und da wären wir wieder beim Erscheinungsbild, auch optisch, denn die beiden haben Sie ja in Sachen Frisur unstrittig beeinflusst ...

Mit dieser allzu weit verbreiteten Wikipedia-Fehlinformation werde ich wohl den Rest meines Lebens verbringen müssen ... Sie fußt einfach auf einem Geplauder zwischen Benjamin v. Stuckrad-Barre und mir, in deren Lauf ich ihm erzählte, wie glücklich ich mit fünfzehn war, noch andere Musiker mit meinem Frisurengeschmack entdeckt zu haben. Der Einfluss kam von gänzlich anderer Seite. Im Übrigen sind Bryan Ferry und ich vor Urzeiten schon mal gemeinsam aufgetreten.

Das Rezept Ihrer Paris – New York – Rom-Trilogie lässt sich vielleicht so fassen: „Originalmelodien mit neuen deutschen Texten“. Könnte es Sie reizen, ein Album mit deutschen Titeln und neuen Texten aufzunehmen – und wäre das in Hoyerswerda überaus populäre Steigerlied „Glück auf ...“ ein Kandidat?

Ganz im Gegenteil: Von ein paar Ausnahmen abgesehen, handelt es sich um ALTE deutsche Texte, die zum Beispiel im Falle der ersten beiden Alben, bis in die 30er-Jahre zurückgehen. Alte deutsche Titel neu zu betexten, wäre für mich reizlos, und „Glück auf ...“ sollte bleiben, wie es ist.

1975 erschien, wenn mir recht ist, ein Album der „Heupferd Jug Band“ mit Ihnen am Piano, an der Mandoline und am Banjo. Nun gibt es in Heu- also: Hoyerswerda alljährlich im November seit fast 25 Jahren ein Liederfest „HoySchrecke“. Wäre das schon von der Namens-Kongruenz her eine Herausforderung, vielleicht inkognito dort anzutreten und die jeweils 500 Euro für den Publikums- und Jurypreis abzuräumen?

Ich werde darüber nachdenken.

Götz Alsmann ... in Rom – Konzert mit Band im Großen Saal der Lausitzhalle Hoyerswerda (Lausitzer Platz 4) // 14. Februar (ein Donnerstag), 20 Uhr // Karten unter anderem im SZ-Treffpunkt (über der Post-Filiale) im Lausitz-Center Hoyerswerda (Lausitzer Platz 1)