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In Rosa wird die Elbe gefährlich

Nach der Hochwasserkatastrophe im vergangenen Sommer liegen jetzt im Landratsamt in Großenhain die neuen Überschwemmungskarten aus.

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Von Peter Anderson

So lange die Elbe blau bleibt, ist alles im grünen Bereich. Blau bezeichnet auf den fünf Überschwemmungskarten für Riesa-Großenhain das angestammte Bett des Flusses. Erst bei rosa wird es gefährlich.

„Die Abfluss- und Überschwemmungsgebiete von 2002 sind rosa gehalten.“ Gabriele Schmidt von der Unteren Wasserbehörde Riesa-Großenhain kennt sich aus mit den neuen Karten. Erarbeitet wurde das Material vom zuständigen Umweltfachamt Radebeul. Als Grundlage dienten Luftaufnahmen. Ein dunkles, ins Violett tendierendes Rosa steht für die Gebiete, die von der Elbe mit voller Wucht durchströmt wurden. In helleres Rosa ist das Areal getaucht, wo der Fluss zwar stand, seine reißende Geschwindigkeit jedoch eingebüßt hatte.

Die rosa Flächen dokumentieren allerdings nicht nur den Stand vom August 2002. Sie bilden mit die Grundlage für eine Neuausweisung der Überschwemmungsgebiete der Elbe. Angenommen wird dabei ein Dresdner Pegelstand von 9,24 Meter. Mit einer solchen Höhe rechnen die Fachleute bei einem so genannten Jahrhunderthochwasser. Das heißt einer Flut, die sich rund aller 100 Jahre ereignet. Beim „Jahrtausendhochwasser“ im August 2002 erreichte die Elbe 9,40 Meter.

Neubau und größere

Umbauten verboten

Eine Neuausweisung der Überschwemmungsgebiete könnte schwerwiegende Folgen für manchen Bauherren und Landwirt in Riesa-Großenhain haben. Das sächsische Wassergesetz untersagt in Überschwemmungsgebieten den Neubau von Gebäuden, größere Umbauten und die Umwandlung von Weideflächen in Ackerland. Anlagen wie der Einkaufspark in der Nünchritzer Flutrinne oder Röderau-Süd wären von vornherein abgeblockt.

Noch ist es bis zu einer rechtlich verbindlichen Neuausweisung allerdings ein weiter Weg. „Die ausliegenden Überschwemmungskarten sind rechtskräftig, haben aber keine unmittelbaren Folgen“, sagt Schmidt. Spekulationen über konkrete Auswirkungen für einzelne Grundstücke verböten sich deshalb. Die Untere Wasserbehörde in Großenhain nimmt Hinweise auf bestehende Unkorrektheiten entgegen. Einspruch gegen die Auszeichnung der Überschwemmungsgebiete in den Karten kann jedoch nicht erhoben werden.

Nach der Auslegung im Landratsamt sollen die betroffenen Gemeinden des Landkreises Kopien der Karten erhalten. Laut Umweltfachamt in Radebeul ist darüber hinaus eine elektronische Version in Arbeit. Sie könnte interessant sein für die Notfallplanungen bei THW und Feuerwehr. Das gleiche Verfahren wird in den nächsten Monaten noch einmal mit den Überschwemmungskarten von Jahna, Döllnitz und Röder fällig.

Wirklich ernst wird es erst mit dem nächsten Schritt. Bis Ende des Jahres sollen Landratsamt, Talsperrenverwaltung und Fachämter ein Hochwasserschutzkonzept für den Kreis erarbeiten. Darin wird detailliert zu regeln sein, ob Deiche zurückverlegt oder Polder angelegt werden müssen. Veränderungen, die einen direkten Einfluss auf das Ausbreitungsverhalten der Elbe haben. Erneute Berechnungen werden notwendig. Erst danach lässt sich das Überschwemmungsgebiet der Elbe exakt ausweisen. „Ursprünglich hieß es, wir hätten Zeit bis 2012. Aber jetzt scheint es, als ob Bundesumweltminister Jürgen Trittin auf eine schnellere Ausweisung drängt“, sagt Schmidt.

Die Karten sind im Zimmer 205, Remonteplatz 8 einzusehen. Öffnungszeiten: Mo und Do 8.30 bis 11 Uhr, 13 bis 15.30 Uhr; Di 8.30 bis 11 Uhr, 13 bis 17.30 Uhr; Fr 8.30 bis 11.30 Uhr