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In Schwarze Pumpe entsteht ein Mega-Akku

Der Energiekonzern Leag hat jetzt die Pläne für seinen Stromspeicher am Kraftwerk erläutert.

Von Mirko Kolodziej
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Errichtet werden soll BigBattery Lausitz am Fuße von einem der beiden großen Kühltürme des Kraftwerkes in Schwarze Pumpe. Dort platziert werden sollen 13 Container, in denen sich eine Art Regalsystem für die zusammengeschalteten Akkumulatoren befindet.
Errichtet werden soll BigBattery Lausitz am Fuße von einem der beiden großen Kühltürme des Kraftwerkes in Schwarze Pumpe. Dort platziert werden sollen 13 Container, in denen sich eine Art Regalsystem für die zusammengeschalteten Akkumulatoren befindet. © Foto: Leag

Können Sie sich erinnern, was es Sie so ungefähr gekostet hat, als sie zum letzten Mal einen Akku gekauft haben? Die Lausitz Energie Kraftwerke AG investiert an ihrem Kraftwerk in Schwarze Pumpe jetzt sage und schreibe 25 Millionen Euro in Technik, die im Grundsatz genau so funktioniert wie Ihr Akku fürs Mobiltelefon oder auch die Autobatterie. Nur deutlich üppiger soll das Ganze werden. Deshalb nennt die Leag ihr neuestes Vorhaben auf Englisch auch BigBattery Lausitz – also so in etwa „Große Batterie der Lausitz“.

Ganze sieben Fernsehkameras waren gestern in einem Konferenzraum auf dem Kraftwerksgelände auf vier Leag-Führungskräfte gerichtet, als sie die Investition vorstellten, die nach Angaben des Leiters Energiewirtschaft, Frank Mehlow, eine Dimension besitzt, „die es so in Europa im Zusammenhang mit einem Kraftwerk noch nirgends gibt“. Dem Land Brandenburg ist das Ganze immerhin vier Millionen Euro an Förderung wert. Schon im Sommer des vergangenen Jahres hat die Leag erstmals wissen lassen, dass sie mit einem gigantischen Stromspeicher liebäugelt. „Inzwischen ist es so, dass die Gremien unseres Hauses den Startschuss gegeben haben“, sagt Leag-Sprecher Dr. Wolfgang Rolland.

Der Bau am Fuße von einem der beiden Kühltürme soll im Frühsommer des nächsten Jahres beginnen. „Die kommerzielle Inbetriebnahme ist für den Sommer 2020 eingeplant“, heißt es in einer gestern veröffentlichten Mitteilung. Vorgesehen ist, insgesamt 13 Container aufzustellen. Ihr Inhalt: eine Vielzahl zusammengeschalteter Akkus – errichtet vom Ingenieur- und Montageunternehmen Egem aus dem tschechischen Budweis, das wie die Leag zur Energeticky-a-Prumyslovy-Holding des Unternehmers Daniel Kretinsky gehört. Benötigt wird eine Fläche von gut 5 300 Quadratmetern, was so etwa der Größe eines Fußballfeldes entspricht. Bau- und Immissionsschutzgenehmigungen stehen nach Angaben von Leag-Vorstandsmitglied Hubertus Altmann freilich noch aus.

Das Unternehmen hat sich vorgenommen, mittels der Investition in Schwarze Pumpe ein immer drängenderes Problem vielleicht nicht gerade zu lösen, aber doch aufs Korn zu nehmen. „Wir wollen damit den Aufgaben der Zukunft besser entsprechen, als wir das heute können“, sagt Altmann. Es geht darum, dass die Stromerzeuger in einem bestimmten Moment nie genau so viel Strom herstellen, wie eben in diesem Moment benötigt wird. Das Ganze war wegen der recht präzise vorhersagbaren Bedarfe relativ gut zu managen, solange es Schwankungen nur bei den Abnehmern gegeben hat. Mit dem Ausbau von Wind- und Sonnenkraftwerken freilich gibt es diese Schwankungen zunehmend auch aufseiten der Erzeuger. Es existiert dafür sogar ein Begriff. Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, dann spricht man von einer Dunkelflaute. Die Speicherung von Energie zu Zeiten des Überschusses für Zeiten des hohen Bedarfs ist deshalb bereits länger Thema.

Die Leag hat ihre Kraftwerke schon in den letzten Jahren an die neuen Herausforderungen angepasst. Gab es früher eigentlich nur die zwei Schaltzustände Ein und Aus, kann man die Leistung heute drosseln. So besitzt das Kraftwerk in Schwarze Pumpe zwar zwei 800-Megawatt-Blöcke, kann aber bei viel Wind und Sonne inzwischen auch deutlich weniger Strom liefern. Das ist jedoch technisch nicht nur anspruchsvoll, sondern auch eher mit einer Grob- als mit einer Feinabstimmung verbunden. Geregelt werden kann bisher nur im Megawatt-Bereich. BigBattery Lausitz soll das Ganze auch im Kilowattbereich ermöglichen. „Wir können dann sozusagen millimetergenau unseren Strom ins Netz einspeisen, so wie die Netzbetreiber es verlangen“, erklärt Hubertus Altmann. Genutzt werden wird zu den erforderlichen Steuer- und Regelzwecken die jetzt schon in der Zentralwarte des Kraftwerks installierte Technik. Man werde das Personal entsprechend schulen, hieß es gestern. Im Wesentlichen betrifft das die Elektriker, welche die Leag in Schwarze Pumpe beschäftigt.

„Für uns ist jetzt die Aufgabe, diese Anlage in unsere Systeme einzubinden“, erläutert Kraftwerkschef Oliver Stenzel. Er nennt den Mega-Akku den kleinen Bruder der beiden Kraftwerksblöcke. Frank Mehlow sagte gestern auf Nachfrage einer Journalistin, sicherlich widme man sich der Speichertechnologie, weil sie kaufmännisch interessant sei: „Es ist ein erster Beitrag, um die Wertschöpfungsstufe Speicherkapazität zu besetzen.“ Im Klartext heißt das, dass die Leag natürlich hofft, mit dieser Art von Dienstleistung zur Stabilisierung des Stromnetzes langfristig auch Geld verdienen zu können.

Aber nicht nur das. „Was wir zeigen wollen ist, dass die Leag mehr kann als Braunkohle, dass sie sich auf die Zukunft richtet“, sagt Vorstandsmitglied Altmann. Es handele sich um ein Leuchtturmprojekt als ideale Ergänzung zum Kraftwerkspark. Und um Missverständnissen vorzubeugen, hat das Unternehmen auch gleich klargestellt, dass es nicht ausschließlich darum gehe, den im Kraftwerk erzeugten Strom zu speichern, sondern vielmehr „den im Stromnetz befindlichen Strommix aus den verschiedensten Energieerzeugungsanlagen.“ Der Standort Schwarze Pumpe ist dafür gleich aus mehrfacher Hinsicht gut geeignet. So sind lange Stromkabel ins öffentliche Netz nicht erforderlich. Der Netzanschlusspunkt ist vorhanden. Eine kurze 110-kV-Leitung genügt.