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In sieben Minuten zum festen Job

Beim Job-Speed-Dating in Görlitz suchten Pflegeeinrichtungen kreisweit nach neuen Leuten. Ältere Langzeitarbeitslose sollten eine Chance bekommen.

© nikolaischmidt.de

Von Daniela Pfeiffer

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Rasend schnell zum neuen Arbeitsplatz. Dass das gehen kann, hat Jan Pfitzinger am Mittwoch erfahren. Er war aus Bad Muskau zum Job-Speed-Dating der Pflegebranche ins Görlitzer Berufsschulzentrum gekommen. Das war zwar für ältere Langzeitarbeitslose gedacht, doch vereinzelt waren unter den 130 Eingeladenen auch Jüngere. „Ich finde es toll, dass wir hier mit Arbeitgebern persönlich ins Gespräch kommen können“, so der 43-Jährige, dem bei gleich zwei Einrichtungen berechtigte Hoffnungen gemacht wurden. Dass er schon in der Altenpflege gearbeitet hat, brachte ihm Pluspunkte

Vor allem Alltagshelfer suchten die zehn Arbeitgeber, die da waren, darunter die DRK-Kreisverbände Görlitz und Zittau, das Görlitzer Caritas-Pflegeheim Hildegard Burjan, die Awo und die Diakonie. Dank eines neuen Gesetzes können Pflegeheime nun mehr Alltagshelfer einstellen.

Die versuchte man am Mittwoch nun in Windeseile zu finden. Denn pro Arbeitgeber hatten die Arbeitslosen nur sieben Minuten Gesprächszeit. In aller Kürze mussten sie deshalb das Wesentliche von sich selbst erzählen und vom potenziellen Arbeitgeber erfahren, was er sich vorstellt. „Die Zeit reicht vollkommen“, sagte Personalleiterin Gabriele Lebeda vom Orthopädischen Zentrum in Rothenburg. Anhand weniger Sätze ihres Gegenübers könne sie schon einschätzen, ob die Person geeignet sei. Dabei hatte Lebeda wie die meisten anderen kaum konkrete, sofort offene Stellen mitgebracht. „Wir suchen ständig, ich sehe mich hier auch für die Zukunft um.“

Ähnlich wie Damaris Röchert vom Kursana-Pflegeheim in Weißwasser, die aber auch gern in einen der anderen Kursana-Standorte bundesweit vermitteln würde. Sie schaute, wer an 365  Tagen im Jahr 24 Stunden täglich für seinen Job bereit sei. „Denn das bedeutet Pflege“, erklärte sie. Einer alleinstehenden Mutter könne das nicht abverlangt werden. „Ich bin ehrlich und sage das den Leuten direkt.“

Eine Arbeit als Alltagshelfer könnten sich viele der Arbeitslosen, die am Mittwoch kamen, trotzdem vorstellen. Die meisten haben gerade eine entsprechende Qualifizierung hinter sich. Mit Behinderten oder Senioren spazieren gehen, ihnen vorlesen, sich einfach mit ihnen beschäftigen – das würde auch gern eine 59-jährige Zittauerin, die der Einladung des Jobcenters gefolgt war. Auch sie hat im Pflegeheim schon gearbeitet. Zuletzt als Nachtbereitschaft. Doch die vielen schlaflosen Nächte schlugen auf die Gesundheit, sie musste aufhören. Am Dienstag stellte sie sich beim DRK-Kreisverband Zittau und beim Pflegeheim in Oderwitz vor. Ob es geklappt hat, wird die nächste Zeit zeigen.

Seit drei Jahren veranstaltet das Jobcenter solche Job-Speed-Datings. Der Erfolg gebe ihnen recht, sagt Giselher Woite. Beim Jobcenter ist er Sachgebietsleiter 50plus – einem Bundesprojekt, das älteren Langzeitarbeitslosen zu neuer Arbeit verhelfen soll. Und zwar auf dem ersten Arbeitsmarkt. „Wer bei uns einen Job findet, für den ist das ein fester. Der hat Rentenanspruch“, sagt Woite. Seit Beginn des Projekts vor vier Jahren sei das im Kreis schon 2 200 Mal gelungen. Ein Riesenerfolg, wie Woite findet. Den er fortsetzen will, bis das Projekt am Jahresende ausläuft. Wie es danach weitergeht, ist noch unklar. Auch, was die Zukunft der 30  Projektbeschäftigten im Jobcenter angeht. Fünf von ihnen waren am Mittwoch mit im Berufsschulzentrum. Unter ihnen Linda Döring, die alles organisiert hatte und Madlen Slabina, die aller sieben Minuten das Glöckchen bimmelte.

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