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Pirna

In Tschechien fallen die Masken

Ab Montag dürfen auch Hotels und Gaststätten wieder öffnen.

Masken-Nähen wurde in Tschechien zum Volkssport.
Masken-Nähen wurde in Tschechien zum Volkssport. © Region Liberec (Archiv)

Er war das Symbol der Corona-Pandemie in Tschechien und der Auslöser für eine regelrechte Volksbewegung: der Mundschutz. Als eines der ersten Länder in Europa führte Tschechien Mitte März den flächendeckenden Mund- und Nasenschutz ein, nachdem bereits erste Städte und Regionen wie der Bezirk Liberec vorgeprescht waren. Da die Masken inzwischen ausverkauft oder völlig überteuert waren, durften sich die Tschechen auch mit Tüchern oder Schals behelfen.

Vor allem aber halfen sie sich selbst. Es begann mit Videos, die zeigten, wie sich ein alter ausgebeulter Männerschlüpfer schnell in eine veritable Vermummung verwandelt. Schon bald kursierten Schnittmuster, durften Kurz- und Stoffwarengeschäfte wieder öffnen und wurden Nähmaschinen wieder reaktiviert. Ganz Tschechien, vor allem die Tschechinnen, begannen zu nähen und versorgten nicht nur sich, sondern auch andere mit den Masken. Denn wer keine hatte, durfte fortan nicht mehr das Haus verlassen oder musste mit Strafen rechnen. Es entstanden so originelle Wortschöpfungen wie „rouškovník“, was so etwas wie Maskenbaum bedeutet. Oder „rouškomat“, einen Automaten, der statt Süßigkeiten, Masken ausgibt.

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Zwar hatte die Maskenpflicht auch unangenehme Folgen. Denn die Zahl der Anzeigen, wenn etwa der Nachbar ohne Maske ertappt wurde, stieg schneller als die Zahl der Corona-Infizierten. So erschien die Polizei schon mal, wenn man sich ohne Maske zum Rauchen auf die Terrasse begab, was natürlich nicht bestraft wurde, da man sich auf dem eigenen Grundstück befand. Auch nahm die Maskenpflicht groteske Formen an. Sie galt auch für den Jogger, der allein auf weiter Flur seinen Lauf absolvierte, oder Wanderer, die sich auf einsamen Wegen fernab der Zivilisation bewegten. Sport treiben mit Mund- und Nasenschutz, war eine echte Herausforderung.

Doch auch wenn sie nervige Begleiterscheinungen hatte, die Maske schweißte die Bevölkerung in der Krise zusammen. Die sozialen Netzwerke wurden mit Millionen Fotos überschwemmt, auf denen sich Menschen mit Mund- und Nasenschutz zeigten, frei nach dem Motto: Das gute Beispiel geht voran.

Nach mehr als zwei Monaten ist diese Zeit nun vorbei. Ab Montag reduziert sich die Pflicht auf ausgewählte Orte, wie den öffentlichen Nahverkehr, wie etwa in Deutschland. In Büros dürfen Mitarbeiter schon seit dieser Woche maskenfrei sitzen, wenn die Mindestabstände gewahrt sind.

Die Lockerung im Gesichtsfeld kommt gerade zu rechten Zeit. Denn langsam begann es bei den steigenden Temperaturen unter dem Mund- und Nasenschutz ungemütlich zu werden. Außerdem treten am Montag weitere Lockerungen in Kraft, die mit Maske schwer durchführbar wären. Das arg gebeutelte Hotel- und Gastgewerbe freut sich, dass es nun wieder seinen vollen Betrieb aufnehmen darf. Zwar durften Terrassen und Biergärten schon vor zwei Wochen öffnen. Angesichts der kühlen Witterung hielten sich die Gäste allerdings zurück. Und die meisten Betriebe hatten ohnehin keine Außentische.

Der Fußball rollt

Bei den Lockerungen, die am Montag in Kraft treten, handelt es sich um die letzte Stufe, der seit 20. April gestarteten Rückkehr zur Normalität. Bereits an diesem Wochenende nimmt die Fußballliga wieder ihren Spielbetrieb auf, natürlich ohne Zuschauer. Großveranstaltungen bleiben weiter verboten und der Schulbesuch in den unteren Klassen ist zunächst fakultativ. Aber im Großen und Ganzen ist Tschechien tatsächlich wieder in der Normalität angekommen. Fehlt nur noch eins: die Öffnung der Grenzen. Die sollen zu den Nachbarstaaten Mitte Juni aufgehen, so der Plan.

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