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In vier Tagen um das Land

Patrick Scheuermann und Natalie Grebe standen auf der A1 im Stau, waren im einstigen Corona-Hotspot und haben jetzt Görlitz erreicht: Die Zipfeltour in Rekordgeschwindigkeit.

Natalie Grebe und Patrick Scheuermann bekommen den letzten Zipfelstempel von Eva Wittig von der EGZ.
Natalie Grebe und Patrick Scheuermann bekommen den letzten Zipfelstempel von Eva Wittig von der EGZ. © Nikolai Schmidt

Ein Portier beim Hotel Tuchmacher in der Görlitzer Altstadt musste Überstunden machen. Um noch zwei letzte Gäste einzulassen. Um 23.37 Uhr am Sonntag haben Patrick Scheuermann und Natalie Grebe Görlitz erreicht. Und sogar kurz angehalten, um fix das Ortseingangsschild zu umarmen. Kurz danach checkten die beiden im Hotel Tuchmacher ein. 

Patrick Scheuermann am Ziel: Görlitz erreicht
Patrick Scheuermann am Ziel: Görlitz erreicht © privat

In 61 Stunden quer durch Deutschland

Die Uhrzeiten haben die beiden genau dokumentiert. Schließlich war es ein Rekordversuch: Sie wollten die schnellsten sein, die alle vier Zipfelstädte in Deutschland besuchten: Oberstdorf, Selfkant, Sylt und Görlitz. Vier Jahre hat man normalerweise Zeit, um alle vier Stempel im Zipfelpass zu sammeln. In 60 Stunden und 55 Minuten haben es Patrick Scheuermann und Natalie Grebe geschafft. Eine Herausforderung für das alte Auto - und die Insassen auch. 

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Patrick Scheuermann stammt aus dem Odenwald, lebt heute in Baden-Baden und arbeitet für den SWR. Auf die Zipfelstädte kam er durch Zufall. Für einen Podcast recherchierte er zu  ungewöhnlichen Reisezielen in Kasachstan. "Dadurch kam die Frage auf, welche verrückten Reiseziele es denn in Deutschland gibt", erzählt er. Denn wegen der Coronakrise wollte er privat nicht gerade ins Ausland in den Urlaub fahren. 

Viele Promis haben den Zipfelpass

1999 wurde der Zipfelbund gegründet - aus den vier Orten die am weitesten im Norden, Süden, Osten und Westen Deutschlands liegen. Gemeinsam tritt der Zipfelbund immer zum Tag der Deutschen Einheit auf. Den Zipfelpass bekommt, wer alle vier Orte besucht hat. Etwa 2.000 Menschen sind das bislang. Damit gehört die Zipfeltour sicherlich nicht zu den berühmtesten Deutschlands. Auch Patrick Scheuermann musste sich erst mal einlesen, erzählt er. Andererseits, sie hat berühmte Fans. Sie alle haben den Zipfelpass: Jürgen von der Lippe, Stefanie Hertel, Claus Kleber, Edmund Stoiber, Joschka Fischer, Otto, Karl Dall, Wolfgang Stumph. 

Ein Paar hat die Zipfeltour als Hochzeitsreise gemacht, erzählt Eva Wittig von der EGZ, die unter anderem für das Görlitzer Stadtmarketing zuständig ist. "Und jemand hat die Tour mal zu Pferd unternommen." Anke Franzen dagegen hatte ihre beiden Hunde dabei. Sie war bis zum späten Sonntagabend die Rekordhalterin: Mit dem Auto hatte sie voriges Jahr im Juni die Zipfeltour in 71 Stunden absolviert. 

"Ich frage mich, wie sie das geschafft hat", sagt Natalie Grebe. Nun waren sie und Patrick Scheuermann zwar etwa zehn Stunden schneller, "aber wir konnten uns beim Fahren immerhin abwechseln". Natalie Grebe studiert in Darmstadt Kommunikationsdesign. Patrick Scheuermann hat sie in Marburg kennengelernt, wo beide früher studiert haben. Der Entschluss, ihn bei der Reise zu begleiten, fiel spontan. "Es ist eine witzige Aktion. Ich habe gesagt, ich komme einfach mit." 

Unerwartete Ruhe in Selfkant

Natalie Grebe und Patrick Scheuermann am westlichsten Punkt Deutschlands. Danach ging es für die beiden tatsächlich hoch hinauf - in den Norden nach Sylt.
Natalie Grebe und Patrick Scheuermann am westlichsten Punkt Deutschlands. Danach ging es für die beiden tatsächlich hoch hinauf - in den Norden nach Sylt. © privat

Los ging es im Süden, in Oberstdorf. "Als gebürtiger Süddeutscher sage ich: Es war erwartet schön", erzählt Patrick Scheuermann. Oberstdorf liegt in den Allgäuer Alpen und ist nicht nur der südlichste Ort Deutschlands, sondern auch der südlichste Kurort. "Vorher hat es auf der Fahrt drei Stunden lang geregnet." Bei der Ankunft in Oberstdorf dann sei der Nebel abgezogen - Zieleinfahrt im Sonnenschein. 

Etwa 670 Kilometer sind es nach Selfkant. Die Nachbarstadt Gangelt haben die beiden genutzt für einen  kurzen Hollandbesuch. "Es ist schon besonders, dass man so schnell in einem anderen Land ist", sagt Patrick Scheuermann.

Die spätmittelalterliche Architektur ist den beiden aufgefallen. Aber auch eine unerwartete Ruhe. Auch auf der Zipfeltour wurde die Coronakrise Thema: Selfkant liegt im Kreis Heinsberg, vor einem halben Jahr der erste Corona-Hotspot in Deutschland. In Gangelt gab es den ersten Corona-Ausbruch in NRW. Die Auswirkung spüre man bis jetzt, so Scheuermanns Eindruck. "Es waren wenige Menschen auf den Straßen. Ich glaube, in unserer Unterkunft waren wir sogar die einzigen Gäste." 

Sylt: Baden oder Rekord brechen?

So viel Zeit muss sein: Wenigstens kurz den Ausblick auf die Nordsee genießen. Natalie Grebe und Patrick Schauermann auf Sylt.
So viel Zeit muss sein: Wenigstens kurz den Ausblick auf die Nordsee genießen. Natalie Grebe und Patrick Schauermann auf Sylt. © privat

Das komplette Gegenbild: Die A1 in Richtung Sylt. Zehn Stunden brauchten die beiden vom westlichsten zum nördlichsten Punkt Deutschlands. Inklusive Stau. Zwar mit Klimaanlage - aber dafür unter Zeitdruck. "Wir mussten ja den Autozug auf die Insel erreichen", erzählt Natalie Grebe. Am späten Sonnabendabend hatten sie es geschafft. "Auf Sylt haben wir auf einem Campingplatz übernachtet." Auch hier wartete der Betreiber länger auf die letzten Gäste als üblich. "Er hat uns begrüßt mit: Euretwegen habe ich jetzt vier Bier getrunken", erzählt Natalie Grebe mit einem Schmunzeln. 

Sylt sei auch der Ort gewesen, der den Rekordversuch auf die härteste Probe stellte. "Wir standen am Sonntagvormittag auf der Düne, es war perfektes Strandwetter." Aber  Zeit zum Schwimmen blieb nicht. 

Vielleicht ja in Görlitz, am Berzdorfer See? Hier haben die beiden die meiste Zeit. Am Montagmorgen hat Eva Wittig ihnen am Obermarkt den Görlitz-Stempel in den Zipfelpass gedrückt. In der Stadt, in der 2004 "In 80 Tagen um die Welt" gedreht wurde, unter anderem mit Jackie Chan. Eine Szene mit ihm spielt nur wenige Meter entfernt, am Untermarkt. Und am Obermarkt macht gerade der Görliwood-Entdecker Pause. "Wirklich schön. Ich hatte Görlitz gar nicht so auf dem Schirm", sagt Natalie Grebe und blickt die Brüderstraße hinab. Ein bisschen Wehmut schwingt trotz geglücktem Rekordversuch mit. "Es gab an jedem Ort so vieles, was wir uns gerne genauer angesehen hätten", sagt Patrick Scheuermann. 

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