SZ +
Merken

In Volkersdorf erholen sich wieder Tschernobyl-Kinder

Bis 15. Januar sind sieben Mädchen und zehn Jungen aus dem Gebiet um Gomel zu Gast. Zwei Ärztinnen begleiten die jungen Leute.

Teilen
Folgen

Von Lars Müller

Aufatmen in Volkersdorf: In der Nacht zum Donnerstag sind endlich wieder junge Leute aus Weißrussland zum Erholungsurlaub im Kinderkurheim angereist. Allerdings ließ das Gesundheitsministerium der weißrussischen Hauptstadt Minsk nur sieben Mädchen und zehn Jungen ausreisen.

Nach neuesten Gesetzen müssen Ärzte den jungen Leuten attestierten, dass sie eine Erholungsreise dringend benötigen. Die jungen Leute haben chronische Nierenprobleme, Gefäßerkrankungen und schweres Asthma, erklärt Olga Dschelilowa. Die Notfallmedizinerin begleitet die Jugendgruppe, gibt aber Entwarnung: Die jungen Menschen seien nicht akut erkrankt, sodass die Erholungsreise für sie keine Strapaze darstelle.

„Schwerkranke Kinder könnten wir gar nicht betreuen“, sagt Heimleiter Bernd Born. Deshalb habe der Trägerverein auch Kontakte zu einer neue Partnerstiftung aus Gomel aufbauen müssen. Die bisherigen Partner haben wegen der neuen Gesetze Kinder mit hohem Pflegeaufwand vermitteln wollen.

Ministerium entscheidet

Die jetzige Organisation „Hilfe für die Kinder von Tschernobyl“ hat jahrelange Auslandserfahrung, betont Mitarbeiterin Jewgenija Petrova. Die Kinder würden im Gomel-Gebiet nach Bedürftigkeit ausgewählt. Allerdings habe das Gesundheitsministerium in Minsk immer das letzte Wort und streiche auch Kinder von der Visa-Liste.

Frische Luft, eine Sauna, abwechslungsreiche Ernährung und reichliche Bewegung helfe den chronisch angeschlagenen Weißrussen besonders, erklärt Kinderärztin Tatiana Trigubowa. Viele Mädchen und Jungen kämen aus armen Verhältnissen. Die Folgen der Reaktorkatastrophe 1986 im ukrainischen Tschernobyl hätten noch mindestens 30 Jahre gesundheitliche Auswirkungen auf die Bewohner im angrenzenden Weißrussland, so die Medizinerin. Auch missgebildete Babys kämen zur Welt, vor allem Gendefekte der Föten würden bei den Vorsorgeuntersuchungen der Schwangeren nicht erkannt, hieß es.

Zweimal Weihnachten

Die jetzige Gruppe feiert in Volkersdorf zweimal Weihnachten – das deutsche Fest nächste Woche und das russische Jolkafest am 7. Januar. Die nächste Gruppe ab 17. Januar soll wieder aus 50 Mädchen und Jungen bestehen.

In diesem Jahr hatte die Regierung in Minsk die Ausreise von Kindern und Jugendlichen eingeschränkt, nachdem zwei von Erholungsreisen nach Italien und in die USA nicht zurückgekehrt waren.