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In Volksfestlaune

Drei junge Leute beleben eine Neukircher Tradition. Mit einem völlig neuen Konzept, das nicht nur Rummel verspricht.

Von Ingolf Reinsch

Sie sind Krankenpfleger, Azubi in der Veranstaltungsbranche und Student der Politikwissenschaft. Sie sind Freunde, die gern feiern und Spaß daran haben, etwas zu organisieren. Und sie nennen sich Veranstaltungsteam. Gemeinsam wollen der Neukircher Jonny Wippich und die beiden Bautzener Christian Essler und Toni Lehder ein Volksfest für die Neukircher auf die Beine stellen, vielleicht schon in diesem August. Ihr Konzept haben sie in dieser Woche vor Gemeinderäten und weiteren Einwohnern vorgestellt – und dafür viel Zustimmung erhalten.

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„Wir haben uns unterhalten, wie das früher in den Orten gewesen ist, welche Feste es gab. Da kamen wir auf das Neukircher Volksfest, das sehr bekannt gewesen ist“, sagt Christian Essler, der Krankenpfleger. Mit seinen 25 Jahren ist er der älteste der Dreiergruppe. Er habe schon mehrere Partys und Veranstaltungen mitorganisiert, sagt der Bautzener, der vielseitig ist. Neben seiner Arbeit im Arnsdorfer Fachkrankenhaus ist er auch als Fotoreporter unterwegs und im PR-Bereich tätig.

Toni Lehder, der angehende Veranstaltungstechniker, ist 20, aber schon lange in diesem Bereich tätig. Seit Jahren begleitet er seinen Vater, der als Veranstaltungstechniker deutschlandweit unterwegs ist. „Wir haben schon Großveranstaltungen in Berlin, auf dem Dresdner Theaterplatz und in der Bautzener Krone mit betreut“, sagt er. Auch als es in Demitz noch ein Dorffest gab, war Toni mit seinem Vater hinter den Kulissen oft mit dabei. – Jonny Wippich, 19 Jahre, hat im vergangenen Jahr sein Abi am Goethe-Gymnasium Bischofswerda gemacht. Jetzt studiert er in Jena Politikwissenschaft. Er bringt das Neukircher Kolorit ein, vor allem durch seine Kontakte zu Vereinen und Einrichtungen im Ort.

Im Gespräch mit den drei Akteuren wird schnell klar: Sie wissen, wovon sie reden. Seit Januar arbeiten sie am Konzept für das Volksfest. Jetzt, da der Technische Ausschuss des Gemeinderates die Pläne für gut befand, wollen sie an die Feinplanung gehen. Fest steht schon jetzt: Es wird ein Neuanfang – ein Volksfest, das mit dem früheren nicht zu vergleichen ist. Es wird weniger Schausteller geben. Dafür soll das Volksfest seinem Namen gerecht werden. Es soll ein Fest der Neukircher für die Neukircher und ihre Gäste werden – mit Bieranstich und Party am Freitagabend, mit einem „Tag der Vereine“ am Sonnabend und einem „Familientag“ am Sonntag. Jonny Wippich: „Wir wollen Vereinen, aber auch Neukircher Firmen Gelegenheit geben, sich auf dem Fest zu präsentieren, auch um zu zeigen, welche Möglichkeiten und welches wirtschaftliches Potenzial Neukirch hat.“ Mitunter sei es so, dass der eine Verein vom anderen nichts weiß oder Dorfbewohner gar nicht wissen, welche Freizeitangebote es im Dorf alles gibt. Gefeiert werden soll auf dem Festplatz, wo ein Bierzelt mit bis zu 1 200 Plätzen aufgebaut werden soll, und in der benachbarten Festscheune des ehemaligen Rittergutes. Auf dessen Hof könnte ein rustikaler Mark stattfinden, schlagen die jungen Leute vor.

Als möglicher Termin wird das zweite Wochenende im August genannt – wenn es zeitlich zu schaffen ist. Ansonsten planen die drei jungen Leute für 2015. Als Hinterland haben sie ein Veranstaltungsunternehmen aus der Region, das öffentlich noch nicht genannt werden möchte. Mit dieser Firma würde die Gemeinde nun eine Vereinbarung über die Nutzung von Festplatz und -scheune abschließen, kündigte Bürgermeister Gottfried Krause (CDU) an. Damit läge das wirtschaftliche Risiko bei dem Unternehmen. Ihm stünde aber auch ein möglicher Gewinn zu, den man – so stellen die jungen Leute in Aussicht – bereit sei, „für einen guten Zweck“ zu spenden. Eine schwarze Null fürs erste Fest wäre wirtschaftlich ein großer Erfolg, sagt Toni Lehder. Vor allem durch Standgebühren, Sponsorengelder und Eintritt zu den Veranstaltungen am Freitag- und Sonnabendabend soll sich das Fest finanziell tragen. Beim Verkauf von Speisen und Getränken sollen vor allem Anbieter aus dem Ort zum Zuge kommen. Für die Sicherheit setzen die Veranstalter auf eine professionelle Firma. Das Gästepotenzial sehen sie nicht nur in Neukirchern. Auch Leute aus dem Raum Bischofswerda, Neustadt und Bautzen wollen sie ansprechen. „Neukirch liegt in dieser Hinsicht zentral“, sagt Toni Lehder. Gemeinderäte wie Andreas Hultsch (CDU) sehen in dem Konzept für ein neues Volksfest die Chance auf „eine neue Tradition“ in Neukirch. „Es wäre schön, wenn sich das Volksfest wieder etablieren würde, selbst wenn es wegen des hohen Aufwandes vielleicht nur aller zwei Jahre stattfinden sollte“, sagt er.

Wie viel Mut braucht es, ein Fest für ein ganzes Dorf zu organisieren? Toni, Jonny und Christian sehen es locker. „Das Risiko ist immer dabei“, sagen sie. Deshalb wollen sie das Fest in überschaubaren Schritten entwickeln: mit vorerst sechs bis zehn Schaustellern und (noch) nicht den ganz großen Stars auf der Bühne. Aber auch Lokalmatadoren können für gute Stimmung sorgen. Das Volksfest, sagen die Drei vom Veranstaltungsteam, soll den Neukirchern wieder ein Wir-Gefühl geben. Ältere im Raum ziehen davor ihren Hut.