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In voller Montur auf Radebeuls Mount Everest

Der 10. Treppen-Marathon durch die Weinberge endete gestern mit vielen Rekorden.

Von Nicole Czerwinka

Noch ist Angelo Däubner aus Löbau guter Dinge. Der junge Feuerwehrmann steht in voller Montur oberhalb der Spitzhaustreppe in Radebeul. Das einmalige Weinbergs-Panorama liegt ihm förmlich zu Füßen, doch so richtig Zeit zum Genießen bleibt der Feuerwehrstaffel beim 10. Sächsischen Mount Everest Treppen-Marathon nicht. In den vergangenen beiden Jahren haben die Kameraden der Feuerwehr Kötzschenbroda die insgesamt 397 Stufen schon als Elferstaffel erklommen. Immer in voller Ausrüstung – mit Atemschutzmaske, Helm und der etwa 18 Kilogramm schweren Flasche auf dem Rücken.

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Petra Kümmel, Katrin Jeschke und Tina Kühne (re.) liefen zum ersten Mal als Dreierseilschaft der Frauen. Als Pendant zum Großenhainer Männerteam „Schritt für Schritt“ schafften sie die 100 Runden auf der Spitzhaustreppe in sagenhaften 13 Stunden, 26 Minut
Petra Kümmel, Katrin Jeschke und Tina Kühne (re.) liefen zum ersten Mal als Dreierseilschaft der Frauen. Als Pendant zum Großenhainer Männerteam „Schritt für Schritt“ schafften sie die 100 Runden auf der Spitzhaustreppe in sagenhaften 13 Stunden, 26 Minut
Voller Einsatz mit voller Ausrüstung: Marcel Keßner von der Moritzburger Wehr sowie Angelo Däubner und Steffen Rogowski aus Löbau (v.l.n.r) gehörten am Wochenende zu den 108 Kameraden, die mit der Feuerwehr-Touri-Staffel beim Spitzhaustreppen-Marathon-Jub
Voller Einsatz mit voller Ausrüstung: Marcel Keßner von der Moritzburger Wehr sowie Angelo Däubner und Steffen Rogowski aus Löbau (v.l.n.r) gehörten am Wochenende zu den 108 Kameraden, die mit der Feuerwehr-Touri-Staffel beim Spitzhaustreppen-Marathon-Jub

„Zum zehnten Lauf wollten wir etwas Besonderes beisteuern und deswegen treten wir dieses Jahr erstmals als Feuerwehr-Hunderterstaffel an“, sagt Frank Gründel von der Freiwilligen Feuerwehr Kötzschenbroda. Insgesamt 108 Feuerwehrmänner aus dem Landkreis Meißen, aber auch von weiter her, laufen nun in dieser Staffel mit. „Wir hatten vor allem Feuerwehren aus dem Meißner Land angeschrieben, es haben sich aber auch Kameraden aus Löbau, Leipzig und Recklinghausen in Nordrhein-Westfalen über das Internet gemeldet, die nun mitmachen“, sagt Gründel.

Die Einheimischen haben die Chance genutzt, im Vorfeld über einen längeren Zeitraum an der Treppe zu trainieren. „In voller Ausrüstung ist das eine ganz schöne Anstrengung. Das kann man nicht mit normalem Treppensteigen vergleichen“, erzählt Gründel weiter. Angelo Däubner und seine Kameraden aus Löbau haben sich in der Heimat auf den Radebeuler Treppenmarathon vorbereitet. „Wir haben uns dreimal die Woche an einer Treppe in unserer Nähe getroffen und trainiert“, sagt er. Nach diesem Intervalltraining fühle er sich nun fit für die Spitzhaustreppe.

„Ein bisschen nervös ist man schon“, gibt er kurz vor seinem Start zu. Die Herausforderung sei nicht nur der schwere Rucksack, sondern vor allem die Maske. „Die Atmung geht dadurch schwerer, man wird automatisch langsamer“, sagt Däubner. Aus diesem Grund sind die Feuerwehrleute als einzige Hunderterstaffel nicht er um Mitternacht, sondern wie die Alleinläufer auch gleich am Sonnabend um 16 Uhr gestartet. „Die Kameraden brauchen im Durchschnitt 10 bis 14 Minuten für eine Runde“, sagt Frank Gründel am Sonntagvormittag. Da sind kurz vor 11 Uhr bereits 98 Männer gelaufen.

Die Einzelsieger haben sich zu dieser Zeit längst schlafen gelegt. Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern gab es im Alleingang zum Jubiläumslauf neue Rekorde. Ulrike Baars aus Dresden hat die 100 Runden als erste Frau in 17 Stunden, sechs Minuten und 59 Sekunden zurückgelegt. Andreas Allwang aus München brauchte 13 Stunden, 26 Minuten und 53 Sekunden. Er ist damit der schnellste Teilnehmer in zehn Jahren. Und auch die stets erfolgreiche Dreierseilschaft „Schritt für Schritt“ aus Großenhain ist am Sonntagvormittag mit einer Bestzeit von 11 Stunden, 46 Minuten und 29 Sekunden längst im Ziel.

Angelo Däubner hingegen hat seine Runde noch vor sich. Er ist der 99., der in der Feuerwehrstaffel startet. Erstaunlich leichtfüßig rennt er mit Rucksack und Atemschutzmaske ausgerüstet über die Startlinie, dann die Treppe hinab. Als er etwas später wieder nach oben kommt, hat sich sein Schritt deutlich verlangsamt. Treppe für Treppe steigt er dem Zielpunkt entgegen, wird auf den letzten Stufen dann doch noch etwas schneller. „Ich fühle mich jetzt richtig kaputt, es ist doch schwerer, als man denkt, vor allem treppauf“, sagt der Löbauer mit leicht gerötetem Gesicht. Seine Rundenzeit hat er noch nicht erfahren, doch inzwischen ist auch der 100. Läufer der Feuerwehrstaffel schon im Ziel. Da ist es noch nicht mal 12 Uhr.

Das große Etappenziel haben die Kameraden also in 19 Stunden, 29 Minuten und 11 Sekunden geschafft. Doch die Feuerwehrmänner haben noch nicht genug. Immer wieder wird der Staffelstab übergeben. „Wir haben uns 120 Runden vorgenommen“, sagt Frank Gründel lachend. Am Ende stehen dann 116 auf der Ergebnisliste der Feuerwehr-Staffel.

Weitere Informationen zum Lauf und zu den Ergebnissen: www.treppenlauf.de