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In Werkstätten kehrt der Alltag zurück

Das Verbot für behinderte Menschen, die Räume zu betreten, ist aufgehoben. Bald sollen alle Beschäftigten in Roßwein und Hartha wieder arbeiten können.

Diese beiden betreuten Mitarbeiter der Roßweiner Werkstätten gehörten zu den ersten, die wieder arbeiten durften. Mit der Aufhebung des Betretungsverbotes sollen nun alle Beschäftigten wieder ihrer Tätigkeit nachgehen können.
Diese beiden betreuten Mitarbeiter der Roßweiner Werkstätten gehörten zu den ersten, die wieder arbeiten durften. Mit der Aufhebung des Betretungsverbotes sollen nun alle Beschäftigten wieder ihrer Tätigkeit nachgehen können. © Dietmar Thomas

Roßwein/Hartha. Diese Nachricht wird auch in den Roßweiner Werkstätten mit Freude zur Kenntnis genommen. Sachsen will mit einem bundesweit einmaligen Programm die von der Corona-Pandemie verursachten Einkommensverluste in Werkstätten für Behinderte ausgleichen.

Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) hat dazu in Leipzig einen Fördermittelbescheid in Höhe von vier Millionen Euro an den Kommunalen Sozialverband Sachsen übergeben, der für die Umsetzung des Programms und die Bewilligung der Gelder an die Werkstätten und andere Leistungsanbieter zuständig ist. Mit diesem Geld soll es zumindest einen Ausgleich für das entgangene Arbeitsentgelt der 16.000 Beschäftigten geben.

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Kein Anspruch auf Kurzarbeitergeld

Mit Beginn des Coronavirus-Ausbruchs wurde ein Betreuungsverbot für die betreffenden Werkstätten und Angebote anderer Leistungsanbieter erlassen. Mit der Schließung der Werkstätten konnten sie nicht mehr die zur Bezahlung erforderlichen Erträge erwirtschaften. Ein Anspruch auf Kurzarbeitergeld oder andere Leistungen für den Einkommensausfall können nach Angaben des Gesundheitsministeriums nicht geltend gemacht werden. Über das neue Förderprogramm können die Werkstätten nun für alle Beschäftigten eine Zuwendung in Höhe von je 89 Euro erhalten - für jeden Monat, an dem das Betreuungsverbot gilt.

Viel wichtiger ist aber, dass die Allgemeinverfügung zum Betretungsverbot zum 6. Juni ausgelaufen ist und nicht verlängert wird. „Über diese Nachricht freuen wir uns sehr. Wir bereiten nun den Regelbetrieb unter Einhaltung eines Sicherheits- und Hygienekonzeptes vor“, sagte Werkstattleiterin Anne Möbius von der Diakonie Döbeln. Ab dem 15. Juni sollen möglichst alle betreuten Mitarbeiter wieder arbeiten können. Dabei sollen die Arbeitsbereiche entzerrt werden, um den erforderlichen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten zu können.

Lernpakete gepackt

In einigen Bereichen ist der Betrieb aber auch während des sogenannten Shut downs weitergelaufen. Dazu gehörten der Garten- und Landschaftsbau, die Wäscherei und Näherei. „Wir haben mit dem eigenen Personal weitergearbeitet, um die Aufträge abzuarbeiten und um die Kunden nicht zu verlieren“, erklärt Anne Möbius. So seien zum Beispiel auch Mund-Nase-Masken genäht worden, die an Wohlfahrtsvereine, Pflegedienste und Arztpraxen geliefert wurden. Mit der Erlaubnis der Notbetreuung durften dann auch betreute Mitarbeiter wieder ihrer Tätigkeit nachgehen. Dabei wurden vorrangig diejenigen Mitarbeiter herangezogen, die allein leben und nicht anderweitig betreut werden können. Die Beschäftigung sei auf freiwilliger Basis erfolgt, so Möbius.

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Doch auch zu Beschäftigten, die noch zu Hause bleiben mussten, sei der Kontakt gehalten worden. „Im Berufsbildungsbereich haben wir Lernpakete nach Hause geschickt. In anderen Bereichen haben die Gruppenleiter telefonischen Kontakt zu den betreuten Mitarbeitern gehalten“, berichtet Anne Möbius. Gerade für behinderte Menschen sei der soziale Kontakt sehr wichtig, genauso wie ein strukturierter Tagesablauf, der durch die Arbeit in der Werkstatt gegeben ist.

„Wir werden alles dafür tun, dass alles so funktioniert, wie wir das geplant haben“, sagt Anne Möbius. Zugleich schickt sie einen Dank an die Kunden, die den Roßweiner Werkstätten auch während der Corona-Krise die Treue gehalten haben. „Bleibt zu hoffen, dass auch schwer betroffene Industriezweige wie die Autobranche wieder in Schwung kommen. Denn auch dort haben wir wichtige Auftraggeber“, so Möbius.

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