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In Zschockau sind die Hunde los

Im Dorf laufen Schäferhunde ohne Leine auf der Straße und durch die Grundstücke. Einige Anwohner fühlen sich bedroht.

Von Antje Stork

Gisela Welsch ist verzweifelt. Seit einigen Tagen laufen vier bis fünf Schäferhunde immer wieder frei und ohne Leine durch das Dorf. Auch auf ihrem Privatgrundstück haben die ungebetenen vierbeinigen Gäste der Zschockauerin schon einen Besuch abgestattet. Das findet sie nicht in Ordnung. Die Tiere stammen von einem Nachbarn, der vor Kurzem eine Hundezucht eröffnet hat. „Es ist eine bedrohliche Situation für uns“, sagt sie. Ihr Schwiegervater, der ebenfalls mit auf dem Grundstück wohnt, traue sich schon nicht mehr aus der Wohnung, schildert sie die momentanen Umstände.

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Mittlerweile hat die Dorfbewohnerin die Polizei und das Ordnungsamt eingeschaltet. Auch mehrere Beweisfotos hat sie schon gemacht, damit sie diese den Beamten vorzeigen konnte. „Ich weiß mir einfach nicht mehr anders zu helfen“, sagt sie.

Uwe Dietrich vom Ordnungsamt Leisnig hat sich die Lage vor Ort mehrfach angeschaut. „Wir haben in Zschockau die Situation, dass sich Hunde hier unter bestimmten Bedingungen frei und ohne Leine auf der Straße bewegen dürfen“, sagt er. Das geht aus der Leisniger Ortspolizeiverordnung hervor.

Hunde immer unter Aufsicht führen

Darin ist festgelegt, dass die Hunde so zu halten sind, dass sie andere Tiere oder Menschen nicht belästigen, gefährden oder sogar schädigen. Allerdings muss sich das Tier immer unter Aufsicht einer geeigneten Person befinden, wenn es sich ohne Leine bewegt. Auf deren Zuruf oder körperliches Eingreifen muss das Tier auch sofort parieren. „Das ist hier nicht der Fall“, sagt Dietrich weiter. Es sei deshalb ein Verfahren eingeleitet worden. Weitere Auskünfte kann Dietrich deshalb auch nicht geben. Er ergänzt allerdings, dass ihm Zeugen fehlen, um die Vorfälle hinreichend belegen zu können. „Wir tun das, was unser Handlungsspielraum momentan hergibt“, sagt er weiter.

Die Reaktionen der Nachbarn fallen auf Anfrage des Döbelner Anzeigers unterschiedlich aus. „Wir wohnen ja hier auf einem Dorf“, sagt einer. „Da ist man das Bellen gewohnt.“ Dass sich allerdings die jungen Vierbeiner auch schon in seinem Hof ohne Aufsicht aufgehalten haben, stört ihn dann doch. „Sie haben hier nichts zu suchen. Außerdem ist es sehr gefährlich für Autofahrer und Fußgänger, wenn die Hunde auf der Straße rumlaufen.“ Generell habe er aber nichts gegen sie, solange diese sich in einem Zwinger aufhalten oder an der Leine geführt werden.

Muss erst etwas passieren?

Doch die Welpen scheinen sich nur schwer im Zaum halten zu lassen. „Sie sind jetzt hinter einem Bretterverschlag gegenüber unseres Hofes untergebracht“, sagt Gisela Welsch. „Doch dort bleiben sie aber nicht. Sie buddeln sich ein Loch in die Erde und können durch dieses wieder rausschlüpfen. Ich traue mich mittlerweile kaum noch vor die Haustür. Die Hunde saßen schon bei uns im Garten und haben uns aggressiv angebellt. Muss wirklich erst etwas Schlimmes passieren, jemand gebissen und ernsthaft verletzt werden?“, fragt sie.

Ein anderer Nachbar schätzt die Situation etwas entspannter ein. „Wir wohnen ein bisschen abseits im Ort“, sagt er. Trotz, dass die Jungtiere auch durch sein Grundstück rannten, fühle er sich nicht belästigt. „Sie waren zwar auch bei uns im Hühnerhaus. Aber es ist nichts passiert. Von dort habe ich sie einfach verjagt.“

Auch wenn derzeit offiziell keine Gefahr von den Tieren ausgeht, da es sich um Welpen handelt, weiß nicht jeder Erwachsene, wie er sich freilaufenden Hunden gegenüber verhalten soll. So kann Gisela Welsch nur hoffen, dass der Zwinger vor Ausbrüchen gesichert wird oder andere Betroffene als Zeugen aussagen. Der Hundebesitzer war für den DA zu einer Stellungnahme weder anzutreffen noch telefonisch zu erreichen.