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„In zwei Wochen sind wir flutsicher“

Rolf Müller hat Jahre für den Hochwasserschutz in Gröba gekämpft. Der entsteht nun schneller als gedacht.

Von Britta Veltzke

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Eiligen Schrittes geht Rolf Müller im Schatten der Spundwand auf den Bagger zu. Der Fahrer ist gerade dabei, ein elf Meter langes Stahl-Element für die Spundwand heranzuschaffen. Es erinnert an eine lange rötlich-rostige Regenrinne. Ein überdimensionaler Bohrer gräbt Löcher in den Rand des Hafenbeckens. In jedem Einzelnen versenkt eine Rüttelmaschine eine lange Spundbohle sodass schließlich nur noch die oberen vier Meter aus der Erde ragen. Zusammengefügt ergeben die Bohlen eine stabile Wand. Fünf Männer reichen für diese Arbeit aus. Der Bau geht schnell voran – der Fortschritt ist täglich sichtbar. Am 8. Dezember erst hat die Firma begonnen, die Spundwand am Hafenbecken zu bauen. Nun ist schon mehr als die Hälfte der Strecke zwischen Schloss- und Hafenbrücke geschafft. Wegen des milden Winters konnten die Arbeiten bislang ohne Pause weitergehen. Die Landestalsperrenverwaltung (Ltv) als Bauherrin schaut zufrieden auf den reibungslosen Baufortschritt. „Die Spundwandarbeiten sollen im Sommer 2015 abgeschlossen sein. Bis dahin sind neben dem Einrütteln der Bohlen weitere Stahlbauarbeiten nötig. Im Frühjahr 2015 beginnen die begleitenden Erdarbeiten hinter der Hochwasserschutzwand und die weiterführenden Deichbauarbeiten zwischen Kläranlage und Steinstraße“, teilte Ltv-Sprecherin Britta Andreas mit.

Die Angst schwindet

Etwas zögerlich stoppt der Baggerfahrer den Motor, nachdem Rolf Müller auf sich aufmerksam gemacht hat. Wie lang es noch dauert, bis die Lücke bis zur Schlossbrücke geschlossen ist, will Müller wissen. „Etwa zwei Wochen“, entgegnet der Arbeiter in breitem Bayrisch. Wie seine Kollegen arbeitet er für das Unternehmen Bauer aus Schrobenhausen in Oberbayern.

Rolf Müller von der Kirchstraße, der mit anderen Gröbaern über Jahre hinweg für den Flutschutz gekämpft hat, ist erleichtert: „Ich hätte nie gedacht, dass es so schnell vorangeht. Wenn die Spundwand in zwei Wochen wirklich schon bis zur Hafenbrücke geht, sind wir endlich sicher“, sagt Rolf Müller, obwohl der größte Teil der Schutzlinie dann noch gebaut werden muss. „Das Problem für die Kirchstraße ist nicht Elbe, sondern das Hafenbecken“, erklärt er. Bevor sich die Elbe über dem Wohngebiet ergießt, schwappt das Hafenbecken über. So war es bei der sogenannten Jahrhundertflut 2002 – und so war es auch 2013. Daher werden Rolf Müller und seine Nachbarn drei Kreuze machen, wenn die Spundwand am Hafen dicht ist. Erst dann wird auch die Angst verschwinden, die die Anwohner spüren, sobald es mal etwas heftiger regnet. „Als die Elbe vor drei, vier Wochen mal wieder etwas höher stand, bin ich nachts ein paar Mal aufgestanden, um zu überprüfen, wo der Pegel gerade bei den Tschechen steht“, sagt er. „Aber bald ist damit ja endlich Schluss.“

Lang genug hat es gedauert. Planungen und Baustart wurden mehrfach verschoben – nicht zuletzt durch das Hochwasser 2013. Zu diesem Zeitpunkt hätten Deiche und Spundwände eigentlich schon längst stehen sollen. So hatte es Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) vier Jahre zuvor zumindest verkündet. Geworden ist daraus, wie die Gröbaer am eigenen Leib erfahren mussten, nichts. Einige haben nach der Sommerflut 2013 sogar aufgegeben und sind weggezogen – weil sie am Ende ihrer Kräfte waren oder, weil sie den Glauben an die Politik verloren haben. Auch Rolf Müller hatte zwischendurch seine Zweifel, kämpfte aber weiter. „Ich bin Rentner. Ich habe die Zeit, und wenn alle aufgeben, dann haben wir auch nichts gewonnen“, sagte Rolf Müller vor einigen Jahren einmal. Seine Beharrlichkeit hat sich gelohnt.

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