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In zweieinhalb Tagen um die Welt

Ein eigener Flugsimulator war der Traum von Steffen Herberg und Jörg Hänsel. Jetzt kommt der Härtetest – auf 40 000 Kilometern.

Von Tobias Wolf

Die Triebwerke laufen schon, als über Funk die Ansage des Towers am Dresdner Flughafen kommt. „FSD Airlines 001, Sie haben die Freigabe zum Start.“ Hunderte Male haben die Luftfahrt-Enthusiasten Steffen Herberg und Jörg Hänsel diese Ansage in ihrem Airbus A320 schon gehört. In einem Flugzeug, das nie den Boden verlässt, weil es nur eine Simulation ist. Dafür aber täuschend echt. In einem Bürogebäude an der Lohrmannstraße haben sich die Hobby-Piloten ihren Traum vom Fliegen schon ein bisschen erfüllt und stellen ihn am Wochenende der Öffentlichkeit vor.

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Punkt 14 Uhr wird heute der Funkspruch des Towers wieder über die Kopfhörer ertönen. Doch diesmal ist alles anders. Herberg und Hänsel wollen in ihrem Simulator in Echtzeit die Welt umrunden. Zweieinhalb Tage auf dem Pilotensitz, zweieinhalb Tage höchste Konzentration und maximal vier Stunden Schlaf pro Nacht. „Seit Jahren träumen wir davon, einmal um die Erde zu fliegen“, sagt Hänsel, der im richtigen Leben als Zahnarzt arbeitet. „Auch wenn es nur eine Simulation ist, sind wir die Ersten, die mit einem A320 über den Pazifik fliegen.“ Es ist eine virtuelle Tour durch die nördliche Hemisphäre. Los geht es von Klotzsche über das isländische Keflavík nach Neufundland und weiter nach Chicago und Vancouver, zählt Herberg auf. Alaska ist das nächste Ziel auf dem Weg nach Tokio, bevor der längste Teil der Strecke über den Pazifischen Ozean ansteht. Auch in der Realität stellt eine solche Distanz die richtigen Piloten vor eine große Herausforderung. Denn der „kleine“ Airbus ist eher für Kurz- und Mittelstrecken konzipiert, wie Flugzeugexperte Herberg erklärt. „Geht uns der Sprit aus, müssen wir ganz schnell einen Landeplatz zum Auftanken finden“, sagt er und meint das nicht nur bierernst. Genau wie die Weltumrundung. Sie wird auch ein Härtetest für den Simulator.

Seit 2009 konstruiert der 44-Jährige die technisch anspruchsvollen Anlagen für Flugschulen weltweit. Seine Kunden sind internationale Airlines, deren Piloten jedes Jahr eine bestimmte Anzahl Stunden am Boden trainieren müssen – unter anderem aus Saudi-Arabien, Äthiopien und ganz Europa. Ein Jahr lang hat Herberg jeden Tag 15 Stunden gearbeitet, bis der erste Simulator durchgeplant war. Seine Mitarbeiter fertigen die Anlagen nun in Serie.

Dabei hatte Herberg nie etwas mit Luftfahrt am Hut und früher sogar Angst, in ein Flugzeug zu steigen. Als sein ehemaliger Arbeitgeber Quimonda pleite ging, wagte der Dobritzer den Schritt in die Selbstständigkeit und machte sein Hobby zum Beruf. Flugschulen haben hohe Ansprüche. Alles muss original wirken. Der studierte Elektrotechnik-Ingenieur hat deshalb seine eigenen Schaltpanelen entwickelt und kann die Maschinen eine halbe Million Euro günstiger anbieten, als die Konkurrenz. Was die originalgetreu nachgebaute A320-Kabine leisten kann, soll sie nun auf 40 750 virtuellen Kilometern um die Welt unter Beweis stellen. Jörg Hänsel: „Wir richten uns nach originalen Daten von echten Flughäfen. Das Flugwetter kommt zwar über das Internet, entspricht aber dem echten Wetter zum Zeitpunkt des Flugs.“ Über Kalkutta, Dubai, Addis Abeba und Sharm-el-Sheikh geht es am Montagmorgen zurück nach Dresden.

Tag der offenen Tür: Flight Simulations Dresden, Lohrmannstraße 20, öffnet am Sonnabend und Sonntag, 10 bis 17 Uhr für Besucher. Eintritt frei.