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Inder sehen anders aus

Ebersbach. Diese Woche ist der Verein Bürger & Polizei mit seinem Grundschulprojekt „Gesicht zeigen“ an der Jahn-Schule zu Gast.

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Von Romy Kühr

Wie weit ist es bis nach Indien?“ – Diese Frage beschäftigt die Schüler der Klasse 4a der Jahn-Grundschule gerade brennend. An der Tafel hängt eine große Weltkarte. Indien ist mit einem gelben Magneten gekennzeichnet. „Eine Million Kilometer“, schätzt ein Junge. Ganz soweit ist es dann doch nicht, in Wirklichkeit sind es 7 000 erklärt Sabine Golbs den Schülern. Die Sozialpädagogin startete gestern mit der Klasse 4a das Projekt „Gesicht zeigen“ an der Jahn-Grundschule. Dabei handelt es sich um eine Aktion der Bautzner Gesellschaft „Bürger & Polizei“ e. V. mit den Themen Fremdenfeindlichkeit und Toleranz.

Auch für jüngere Schüler

„Ein ähnliches Projekt gibt es schon länger an Mittelschulen“, erklärt Sabine Golbs, die freiberuflich für den Verein arbeitet und die Veranstaltungen an Schulen in ganz Ostsachsen durchführt. „Daraufhin haben uns auch Grundschullehrer angesprochen und gefragt, ob wir das auch mit jüngeren Kindern machen könnten“, erzählt die Sozialpädagogin. Deshalb wird das Projekt „Gesicht zeigen“ seit dem letzten Schuljahr auch für dritte und vierte Klassen angeboten.

Auf spielerische und anschauliche Art und Weise werden hier Fremdenfeindlichkeit und Toleranz gegenüber anders denkenden und anders aussehenden behandelt. So erzählt Sabine Golbs die Geschichte der kleinen Savita, die aus Indien nach Deutschland kommt und hier eine Schule besucht. Die Kinder sind begeistert und fasziniert zugleich von der bewegenden Geschichte des Mädchens. „Es gibt sie wirklich“, versichert Sabine Golbs den Mädels und Jungs.

Anhand der Weltkarte macht sie den Schülern deutlich, welche weite Reise das kleine Mädchen auf sich genommen hat. Doch in der neuen Schule läuft es für Savita nicht gut. Ein paar große Jungs bedrängen sie, weil sie anders aussieht. Das können die Ebersbacher Kinder natürlich nicht einfach mit ansehen. Sie haben tausend Ideen, wie sie der Kleinen helfen könnten. Aber einfach wegschauen und weitergehen, das will keiner.

„Ich finde das Projekt klasse“, sagt Regine Bukall, die Klassenlehrerin der 4a. „Vor allem weil man selbst auch mal einen Einblick in diese Problematik bekommt.“ Hinzu kommt, dass in der Jahnschule auch ausländische Kinder lernen, zum Beispiel aus Pakistan, England oder Amerika. „Gerade deshalb war es wichtig, dass dieses Thema in den Klassen mal angesprochen wird“, findet Regine Bukall.

Thema im Unterricht vertiefen

Und sie hat die Erfahrung gemacht, dass es bei den Kindern viel besser ankommt, wenn zur Abwechslung mal jemand von außerhalb ihnen etwas vermittelt und sie auch neue Bezugspersonen kennen lernen, als ihre gewohnten Lehrer. Zudem hat Sozialpädagogin Sabine Golbs viel Erfahrung in der Projekt-Arbeit mit Kindern. „Ich bin von Anfang an dabei“, sagt sie. „Unsere Pilotschule war eine Kamenzer Grundschule. Die Lehrer dort haben uns sehr unterstützt bei der Ausarbeitung des Konzepts.“

Noch bis zum Donnerstag ist Sabine Golbs in der Jahngrundschule zu Gast, alle dritten und vierten Klassen nehmen hier am Projekt „Gesicht zeigen“ teil. Doch damit soll das Thema Fremdenfeindlichkeit und Toleranz nicht abgehakt sein. Die Lehrer werden es im Unterricht mit den Schülern vertiefen. Dafür erhält jedes Kind ein Arbeitsheft mit weiteren interessanten Geschichten von ausländischen Kindern. „Zum Beispiel erzählt ein russisches Mädchen wie in ihrer Heimat Weihnachten gefeiert wird. Das passt gut in die Vorweihnachtszeit“, so Lehrerin Regine Bukall.