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Informatiker kehren auf den Görlitzer Campus zurück

Nach drei Jahren Sanierung ist die Fakultät wieder in ihren alten Räumen. Doch die Studenten fehlen.

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Von Steffen Schreiber

Felix Deutschmann freut sich, wieder Teil des Görlitzer Campus’ zu sein. Den musste er mit seinen Kommilitonen vor dreieinhalb Jahren in Richtung Obermarkt verlassen. Damals begann die Sanierung des etwa 100 Jahre alten Gebäudekomplexes an der Furtstraße und damit der letzte Bauabschnitt am Görlitzer Campus.

Neben den Informatikern mussten auch die Kommunikationspsychologen umziehen. Sie konnten allerdings in einem anderen Gebäude auf dem Campus bleiben. Die gesamte Informatikfakultät dagegen wechselte in ein Ausweichquartier am Görlitzer Obermarkt. Doch hier waren die Bedingungen alles andere als optimal, wie sich Felix Deutschmann erinnert. „Es war alles sehr beengt, und aus Brandschutzgründen mussten wir uns in kleine Gruppen aufteilen.“ Das bestätigt auch Professor Klaus ten Hagen. „Es gab dort Räume ohne Fenster. Da sind die Studenten fast eingeschlafen.“ Mit dem Vorlesungsstart der Hochschule vor wenigen Tagen begann in Zittau und Görlitz das Sommersemester 2013. Von den 1 400 Studenten in Görlitz sind derzeit 100 im Fachbereich Informatik eingeschrieben. In den vergangenen Jahren sank die Zahl der Informatiker aber stetig, wie Professor ten Hagen bestätigt. „Nachdem in Polen das Pflichtfach Deutsch durch Englisch ersetzt wurde, sanken die Anmeldungen polnischer Studenten stark.“ Auch der Umzug an den Obermarkt kratzte an der Attraktivität des Standortes. „Wir hatten Angst, als Fakultät den Obermarkt nicht zu überleben“, so ten Hagen. Doch die über 20-jährige Informatiktradition in Görlitz kann fortgesetzt werden. Auch wenn vor zwei Jahren ein Umzug nach Zittau zur Diskussion stand. „Doch das Thema ist jetzt vom Tisch“, sagt ten Hagen. Die Bedingungen in Görlitz seien aber nicht nur aufgrund der neuen Unterrichtsräume sehr gut, wie Felix Deutschmann sagt. „Als Informatiker wird man hier in Görlitz fast schon vor der Uni weggefangen.“ Der Görlitzer, der 2008 sein Bachelorstudium begann und Ende 2014 seinen Master abschließen will, arbeitet schon jetzt nebenbei in einer lokalen IT-Firma. „Dort werde ich wahrscheinlich auch übernommen.“ Auch sein Kommilitone Dirk Klahre sieht seine Karriere in der Region. „Der IT-Standort Görlitz hat Zukunft.“

Doch dazu muss die Zahl der Informatikstudenten in Görlitz steigen. Bisher fehlt es den örtlichen Unternehmen an Absolventen. Deshalb hat die Hochschule einen neuen Studiengang für das Semester 2013/14 geplant. „Wirtschaft und Informatik“ heißt das Bachelorstudium, das sich besonders an Frauen richten soll, wie ten Hagen bestätigt. „50 Prozent der Bevölkerung sind weiblich. Davon sehe ich bei uns nur wenig.“ Durch die Kombination mit Wirtschaft hofft die Fakultät nun, auch für Frauen attraktiver zu werden. Auf alle Fälle verlockend sind die Gehälter. „Unsere Absolventen bekommen hier in Görlitz Einstiegsgehälter bis zu 3 000 Euro angeboten. Das macht selbst einen Professor neidisch.“

Wenn die Arbeiten hier beendet sind, endet auch die letzte große Ausbauphase am Görlitzer Campus. Etwa 5,5 Millionen Euro hatte der Freistaat Sachsen 2009 für die Sanierung des Informatikgebäudes bewilligt. Dazu kommen die 17 Millionen Euro für die „Blue Box“ des Fachbereichs Sozialwesen. Diese war 2011 eingeweiht worden. 2006 kam noch das neue Mensa- und Bibliotheksgebäude für 4,3 Millionen Euro hinzu. Felix Deutschmann kann all das in seinen letzten drei Semestern am Görlitzer Campus nutzen. „Jetzt sind wir wieder mittendrin im Unileben.“ Am Obermarkt habe er sich dagegen etwas isoliert gefühlt. Er könne nun endlich auch die Mittagspausen wieder besser genießen. „Vom Obermarkt mussten wir ja immer schnell zur Mensa und zurück hetzen. Da blieb nicht einmal Zeit für einen Kaffee.“