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Initiative zur Südumfahrung dreht sich im Kreis

Der Knoten Südumfahrung/B 172 soll einen Kreisel statt Ampeln bekommen. 485 Unterschriften gibt’s dafür. Was bringt das?

Eine Bürgerinitiative will am Knotenpunkt Südumfahrung/B 172 auf dem Sonnenstein eine Ampelkreuzung verhindern. Stattdessen fordert sie einen Kreisverkehr.
Eine Bürgerinitiative will am Knotenpunkt Südumfahrung/B 172 auf dem Sonnenstein eine Ampelkreuzung verhindern. Stattdessen fordert sie einen Kreisverkehr. © Archivfoto/Marko Förster

Anfang Dezember 2018 gab man sich erneut in kollektiver Feierlaune. Zu feiern gab es diesmal eine Art wiederholten ersten Spatenstich an der Pirnaer Südumfahrung, obwohl die Trasse längst gebaut wird. Anlass war der offizielle Baustart der Gottleubatal-Brücke, obgleich dort erst in diesem Jahr sichtbar gebaut wird. Bei dem Termin beschwor Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) erneut, wie wichtig die Trasse sei, nicht nur für Pirna, sondern für die ganze Region. Die Strecke sei alternativlos, Pirna werde vom Verkehr entlastet, Touristen könnten bald bequemer in die Sächsische Schweiz reisen.

Doch vor allem am letzten Punkt mehren sich schon seit Jahren Zweifel. Befürchten doch viele, dass gerade der Verkehr in die Sächsische Schweiz an einem bestimmten Punkt ins Stocken geraten könnte. Stein des Anstoßes ist der Knotenpunkt Südumfahrung/B 172 auf dem Sonnenstein. Nach den aktuellen Plänen soll dort eine Ampelkreuzung entstehen. Der Verkehr auf der Südumfahrung soll Vorrang bekommen, die alte B 172 soll später zu einer Gemeindestraße herabgestuft werden.

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Allerdings ist die geplante Ampelkreuzung vielen ein Dorn im Auge, weil sie ihnen als zweckfremd erscheint. Schon bei der Trassenplanung votierten viele für einen Kreisverkehr an dieser Stelle. Eine Bürgerinitiative, initiiert von Gottfried Gäbel aus Königstein, treibt den Kampf contra Ampel und pro Kreisel seit Jahren weiter. Gäbel schrieb ans sächsische Wirtschaftsministerium, an Minister Dulig, besuchte Bürgerforen mit dem sächsischen Ministerpräsidenten, um für sein Anliegen zu werben – bislang jedoch ohne Erfolg.

Gottfried Gäbel leitet den Protest gegen die Ampel und für den Kreisverkehr.
Gottfried Gäbel leitet den Protest gegen die Ampel und für den Kreisverkehr. © Archiv/Marko Förster

Doch Gäbels Initiative gab nicht auf, sie sammelte im vergangenen Jahr 485 Unterschriften, vornehmlich von Königsteiner Einwohnern und Unternehmern, die sich für einen Kreisverkehr aussprachen. Aber auch dieser hundertfache Ruf verhallte bisher weitgehend ungehört.

Stattdessen beruft sich das sächsische Wirtschaftsministerium auf den gültigen Planfeststellungsbeschluss, der am Knotenpunkt eine Ampelkreuzung vorsieht. Allein dafür bestehe Baurecht. Es folgt eine Begründung, die Gäbel gleich mehrfach sauer aufstoßen lässt, ortete er doch einige Widersprüche.

Laut der Ministerialen soll die Südumfahrung eine leistungsstarke Straße vom Autobahnzubringer in die Sächsische Schweiz werden. Um auf der Strecke eine möglichst hohe Reisegeschwindigkeit zu erreichen, sei die Errichtung eines Kreisverkehrs unzweckmäßig. Gäbel kann dem allerdings nicht recht folgen. Aus seiner Sicht erweise sich doch gerade eine Ampelkreuzung als Störstelle im zügigen Verkehrsfluss. Ein Kreisel sei wesentlich besser geeignet, er habe eine Kapazität von 35 000 Kfz in 24 Stunden, so sei auch im Hauptverkehr kein Rückstau zu befürchten.

Laut des Ministeriums soll zudem der Verkehr auf der Südumfahrung Vorrang haben, dadurch verliere die alte B 172 in Richtung Sonnenstein an Bedeutung und werde künftig zu einer Gemeindestraße. Gäbel hält das indes für einen großen Fehler. Gerade der Sonnenstein mit der Klinik, vielen Betrieben und neue Wohngebieten habe in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Viele Unternehmer, vor allem aus Königstein und dem Gewerbegebiet Leupoldishain – laut Gäbel immerhin mit einem Fuhrpark von 343 Autos jeglicher Art und Größe – steuern den Sonnenstein häufig an.

Ist die B 172 dann herabgestuft, befürchtet er, dass die Pendler zum und vom Sonnenstein dann länger an der roten Ampel warten müssen und dadurch wirtschaftliche Schäden erleiden. Aus Gäbels Sicht sprechen noch mehr Gründe für einen Kreisel: er füge sich harmonischer in die Landschaft ein, verbrauche keinen Strom wie eine Ampelanlage, der Rückreiseverkehr aus der Sächsischen Schweiz würde sich nicht künstlich an einer roten Ampel stauen.

Doch das Wirtschaftsministerium beharrt weiter auf seinen schon oft wiederholten Argumenten. So sei ein ampelgeregelter Knotenpunkt mit Linksabbiegerschutz verkehrssicherer als ein Kreisverkehr. Zudem seien Kreisverkehre nach dem aktuellen Regelwerk für Straßen mit einer so hohen Verkehrsbedeutung, wie es bei der B 172 der Fall sei, nicht mehr vorgesehen. Auch sei der Vorrang der Südumfahrung gegenüber der alten B 172 ausdrücklich gewünscht, ein Kreisverkehr würde dieser Intention widersprechen.

Das stimmt allerdings nur bedingt. Denn in früheren Planungen spielte ein Kreisel an dieser Stelle sehrwohl eine Rolle. Anfangs war an dieser Stelle ein komplett kreuzungsfreier Knotenpunkt vorgesehen. Um Kosten zu sparen, kamen danach Ampelkreuzung und Kreisverkehr ins Spiel. Planer wogen beide Varianten ab, der Kreisel wurde qualitativ meist besser eingestuft, als die Ampel, fiel aber dann den Finanzen zum Opfer: Schon 2012 votierte der damalige Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) für die Ampelkreuzung – weil sie wohl drei Millionen Euro preiswerter als ein Kreisverkehr wäre.

Inzwischen verschanzt sich das Ministerium auch hinter einem Zeit-Argument. Um einen Kreisel zu bauen, müsste der ganze Planungs- und Baurechtsprozess von vor beginnen, was die Fertigstellung der Trasse erheblich verzögern würde. „Wir wollen den Bau nicht unnötig aufhalten, sondern die Südumfahrung jetzt bauen wie geplant“, sagt Dulig. Vor allem die Pirnaer würden wohl kein Verständnis für eine weitere Verzögerung aufbringen.

Gäbel indes gibt sich mit solchen Argumenten nicht zufrieden, er will weiterkämpfen. Eine Ampelkreuzung an dieser Stelle sei aus seiner Sicht ein Unding. Sein Motto sei vielmehr: Ampel no, Kreisel go.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/pirna vorbei.

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