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Inkassofirma terrorisiert Freitaler am Telefon

Jörg Hanke soll für Gewinnspiele zahlen, an denen er gar nicht teilgenommen hat. Vor der Mahnung kommen Anrufe.

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Von Ines Mallek-Klein

Im Wohnzimmer von Jörg Hanke steht ein kleines Adventsgesteck. Kerzen warten darauf, angezündet zu werden. Doch vorweihnachtliche Besinnlichkeit will sich bei dem Freitaler ganz und gar nicht einstellen. Seit zwei Tagen wird er am Telefon terrorisiert. Fünf, sechs Mal hintereinander meldet sich eine männliche Stimme bei Jörg Hanke. „Die kommt vom Band“, ist sich der 55-Jährige sicher und kramt nach einem Zettel. „Guten Tag, hier ist die Firma NTT Telco. Sie haben nicht bezahlt. Dies ist ein freundlicher Hinweis. Bitte zahlen Sie, um weiteren Ärger aus dem Weg zu gehen“, steht auf dem Papier. Es sind die Worte des Anrufers. Sie machen Jörg Hanke keine Angst, sie machen ihn vielmehr wütend. In der Sächsischen Zeitung (vom 28. November) hatte er gelesen, dass auch in Dresden immer mehr Bürger terrorisiert werden.

Dahinter steht das Inkassounternehmen NTT Telco aus Wiesbaden. Die Masche ist immer die gleiche. Erst kommen die Anrufe, dann gibt es Mahnschreiben, unterzeichnet von einem Herren mit dem Namen Ivan Milosevic. Er ist bundesweit aktiv, bestätigt Polizeisprecher Wolfgang Kießling. In Dresden sind schon einige Fälle bekannt, in denen sich Verbraucher bei der Polizei gemeldet haben. Im Revier Freital liegen noch keine Anzeigen vor. Wolfgang Kießling rät allen Betroffenen, sich an ihr zuständiges Revier zu wenden und Anzeige zu erstatten. Das will auch Jörg Hanke tun.

Er ist sich sicher: Die Forderungen sind völlig unberechtigt. Aber er weiß auch, dass sich gerade ältere Leute von den Anrufen unter Druck gesetzt sehen. „Die zahlen einfach, nur um ihre Ruhe zu haben“, sagt Jörg Hanke. Das will er verhindern, deshalb hat er sich auch an die Zeitung gewandt.

Bei den Verbraucherschutzzentralen gehen in den vergangenen Wochen immer mehr Hinweise zu NTT Telco ein. Ihr Rat ist eindeutig: Auf keinen Fall die geforderten Beträge, die zwischen 99 und 178 Euro liegen, zahlen. Stattdessen die Forderung schriftlich zurückweisen. Woher das dubiose Unternehmen aus Wiesbaden seine Kontakte hat, weiß Jörg Hanke nicht sicher. Aber er hegt eine Vermutung. Vor vielen, vielen Jahren hat er bei der ein oder anderen Kaffeefahrt teilgenommen und auch schon einmal den Versprechen eines Gewinnspiels vertraut. Da wohnte er aber noch woanders, mitgenommen hat Jörg Hanke lediglich seine Telefonnummer. Wer ihn in diesen Tagen erreichen will, braucht Geduld. Steht „anonym“ auf dem Display, nimmt Jörg Hanke gar nicht erst ab. Stattdessen fragt er sich, warum es der Polizei nicht gelingt, Ivan Milosevic und der NTT Telco das Handwerk zu legen. „Wir kooperieren in dieser Sache mit verschiedenen Dienststellen“, sagt Wolfgang Kießling. Nicht nur Jörg Hanke wünscht den Beamten dabei Ermittlungserfolge – und das möglichst schnell.