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Innenminister bringt Millionenscheck fürs Stadion

Bis 2016 soll die Anlage saniert werden. Die Stadt braucht jetzt ein Konzept fürs Umfeld.

Von Sebastian Beutler

Einen Riesenscheck bringt Sachsens Innenminister Markus Ulbig heute nach Görlitz. 1,46 Millionen Euro schwer wird er sein. Vor allem die Sportler unter den Görlitzern werden sich über diese Gelder freuen. Denn die Mittel sollen in die beabsichtigte Sanierung des Stadions der Freundschaft fließen. Dass das traditionsreiche Rund am Fuße des Görlitzer Weinbergs das Geld dringend nötig hat, ist seit Jahren bekannt. Die Traversen haben keine Sitzplätze mehr und sind gesperrt. Auch die Laufbahn, der Rasen und die anderen Sportanlagen wie Sprunggruben, Wurfringe und anderes mehr sind verschlissen. Seit Jahren steht deswegen die Sanierung des Stadions ganz oben auf der Investitionsliste der Stadt. Jetzt könnte ein erster großer Schritt getan werden.

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In dieser Feuerschale nisten vielleicht noch Vögel, ein Feuer hat hier schon lange nicht mehr gebrannt.
In dieser Feuerschale nisten vielleicht noch Vögel, ein Feuer hat hier schon lange nicht mehr gebrannt.
Selbst das Warnschild hat im Görlitzer Stadion der Freundschaft schon bessere Tage gesehen. Fotos: Pawel Sosnowski
Selbst das Warnschild hat im Görlitzer Stadion der Freundschaft schon bessere Tage gesehen. Fotos: Pawel Sosnowski

Dass er überhaupt möglich wird, dafür legten Sportler und Politiker im April den Grundstein. Damals trafen sich Bundestagsabgeordneter Michael Kretschmer, Oberbürgermeister Siegfried Deinege und Bürgermeister Michael Wieler presseträchtig im Stadion mit Vertretern der betroffenen Vereine. Deinege rechnete zu diesem Zeitpunkt noch mit Fördermitteln aus dem Sportstättenprogramm des Freistaates. Tatsächlich stehen im Haushalt der Stadt bis 2016 rund 1,8 Millionen Euro, davon 460 000 Euro Fördermittel. Dafür sollten in einem ersten Bauabschnitt das Stadion saniert und ein Multifunktionsgebäude errichtet werden, wie Bürgermeister Michael Wieler bestätigte. Natürlich inklusive neuer Laufbahn und Traversen für etwa 600 bis 800 Zuschauer. Neben dem Fußball sind es vor allem die Leichtathleten, die auf das Stadion angewiesen sind.

Doch nun kann die Stadt mit einer höheren Förderung rechnen. Das wird möglich, weil Hochwassermittel für das Stadion umgewidmet werden. Eigentlich sollte mit den Geldern die Sporthalle in Hagenwerder wieder aufgebaut werden. Doch da die Halle im Hochwasser-Gebiet liegt, würden die Mittel für Görlitz verloren gehen. Durch die Umwidmung bleiben sie in Görlitz. Zwar liegt auch das Stadion der Freundschaft praktisch an der Neiße, aber durch die weiten Flächen kann sich der Fluss an dieser Stelle breitmachen, ohne großen Schaden anzurichten.

Durch die hohe Förderung des Freistaates kann die Stadt – jedenfalls für den ersten Bauabschnitt – eigene Mittel einsparen. Ob die Stadt diese freien Gelder schneller für die Sanierung der Außenplätze, für neue Parkplätze und eine ordentliche Zufahrtstraße einsetzt, ist noch offen. Schon im April hatten Vereinsvertreter wie der Vorsitzende des NFV-Fördervereins, Uwe Vüllings, ein umfassendes Konzept für das gesamte Gelände am Volksbad und dem Weinberghaus gewünscht. Nur so könne das Stadion gut genutzt werden. Zumal auch die Vereine allein das Stadion nicht unterhalten können.

Das Stadion der Freundschaft „feierte“ in diesen Tagen seinen 62. Geburtstag. Am 13. November 1951 wurde es eingeweiht, nachdem an seinem Bau an der Stelle einer früheren Seeberufsfachschule Tausende freiwillige Helfer im Nationalen Aufbauwerk beteiligt worden waren. Autorennen, Hochseilartistik, Kreis-Kinder- und Jugendspartakiaden, Fußballspiele von Motor Wama in der zweithöchsten Spielklasse der DDR fanden in dem Stadion statt. Kaum ein Görlitzer, der nicht irgendeine Beziehung zum Stadion hat. Legendär bleibt die Ankunft der Friedensfahrt 1956, als Täve Schur im Spurt die Etappe im Stadion vor 15 000 Zuschauern gewann.

Von diesen Legenden ist das Stadion momentan weit entfernt. Auch durch Rowdytum. Erst vor Kurzem drangen Unbekannte am Wochenende in die Männertoilette ein, rissen mehrere Meter Kupferrohr heraus und nahmen sie genauso wie WC-Armaturen mit. Heute wird sich die Görlitzer Politik aber erst einmal freuen. Im April waren zu der Zusammenkunft mit Kretschmer nur CDU-Politiker eingeladen gewesen. Heute dürfen alle Stadträte kommen.

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