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Innenstadt ohne Management

Wegen eines Formfehlers stoppte Königstein erst das Kulturmanagement, jetzt folgt das Innenstadtmanagement - mit einer fast unmöglichen Abrechnung.

Mission Stadtplatz: Das Königsteiner Innenstadtmanagement wollte hier umgestalten.
Mission Stadtplatz: Das Königsteiner Innenstadtmanagement wollte hier umgestalten. © Daniel Schäfer

Königsteins Plan vom einem besseren Stadtmarketing und der Innenstadtbelebung wurde abrupt beendet. Gleichzeitig mit dem Kulturmanagement (SZ berichtete) hat die Verwaltung auch das Innenstadtmanagement auf Eis legen müssen. Die Agentur Neuland Zeitreisen von Sven-Erik Hitzer hatte im vergangenen Sommer den Zuschlag für beide Projekte bekommen. Das Ziel: Innerhalb von zwei Jahren sollten neue Kulturangebote etabliert und Ideen entwickelt werden, um unter anderem leer stehende Läden und Wohnhäuser zu vermarkten.

Kultur- und Innenstadtmanagement liefen jedoch nur wenige Monate. Ende 2019 kam das plötzliche Aus, verursacht durch einen Formfehler, der der Stadtverwaltung passiert ist. Die Leistungen hätten aufgrund des finanziellen Umfangs von insgesamt 400.000 Euro international, und nicht nur national ausgeschrieben werden müssen. Die Vergabe an Neuland Zeitreisen war dadurch unzulässig.

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Um sauber aus der Sache rauszukommen, musste ein Leistungsschnitt gemacht werden. Das heißt, die Agentur Neuland Zeitreisen bekommt die Leistungen erstattet, die bis zum Ende der Zusammenarbeit erbracht wurden. Für das Kulturmanagement ist das bereits erfolgt. In der letzten Stadtratssitzung stand nun die Abrechnung das Innenstadtmanagement auf der Tagesordnung - und die gestaltete sich äußerst schwierig.

Geld gegen Kopfarbeit

"Die Abrechnung ist fast unmöglich", erklärte Roswitha Wendt, die sich als Sprecherin der AG Innenstadt dem komplizierten Zahlenwerk angenommen hat. Denn: Die Mitarbeiter der Agentur haben in den ersten Monaten viel konzeptionelle Arbeit ins Innenstadtmanagement gesteckt. Vieles davon war Kopfarbeit, für das ein möglichst genauer Gegenwert errechnet werden musste. 

Es wurden Pläne und Grundlagen erstellt, Ideen und Entwürfe gesammelt und zu Papier gebracht. Zum Beispiel wurde Lobbyarbeit für die geplante Festungsbahn geleistet, um deren Finanzierung voranzutreiben. Für die gesamte Innenstadt wurde zudem ein vereinfachter Immobilienkatalog erarbeitet mit einer Übersicht der leer stehenden Wohnungen und Läden. Auch an der geplanten Sanierung der Bienermühle arbeitete Neuland mit und begleitete das Projekt strategisch. Die Ergebnisse - mit allen Konzepten und Entwürfen - sind in insgesamt elf Aktenordnern abgeheftet. Wenn Königstein für diese Leistungen zahlt, werden die Ordner an die Stadt übergeben - so der Deal. 

Wie viel Geld für die erbrachte Arbeit gezahlt wird, darüber sollte der Königsteiner Stadtrat entscheiden. Grundlage für die Entscheidung ist das Zahlenwerk, das Roswitha Wendt ehrenamtlich für die Stadt ermittelt hat. Sie schaute sich jedes der Projekte an, das Neuland Zeitreisen anpacken und umsetzen wollte: von der Umgestaltung des Stadtplatzes bis hin zu einem neuen Beschilderungs- und Leitsystem, das für Königstein entwickelt werden sollte. Für jedes Projekt wurde ein Erfüllungsstand festgelegt. Einhundert Prozent gelten als abgeschlossen, Null Prozent als nicht begonnen. Insgesamt stehen am Ende rund 1.400 Stunden Arbeit auf dem Papier, die mit rund 70.000 Euro entlohnt werden sollen - wenn denn der Stadtrat sein Okay gibt. 

Abschlagszahlung als Kompromiss

Bevor dieser die finale Summe abnickte, hatte der Ältestenrat das Thema auf dem Tisch. In dem Gremium schlug man mehrheitlich vor, Neuland Zeitreisen nicht die gesamte Summe, sondern nur eine Abschlagszahlung in Höhe von 60.000 Euro zu geben, erklärte CDU-Stadträtin Simone Hartmann, die im Ältestenrat vertreten ist. Im Nachgang könne immer noch über den Rest befunden werden. 

Ein Vorschlag, der mehrheitlich Zustimmung fand. Kritisiert wurde jedoch, dass die Stadt erst im Nachgang die elf Ordner mit den Arbeitsergebnissen ausgehändigt bekommt. "Dabei habe ich kein gutes Gefühl", äußerte Stadtrat Norbert Hückel (Freie Wähler). "Die Ordner sind im Vorfeld einsehbar gewesen", sagte Bürgermeister Tobias Kummer (CDU). Der Inhalt sei deshalb kein Geheimnis. Er appellierte an den Stadtrat, zu einer Entscheidung zu kommen. Neuland Zeitreisen würde seit inzwischen sieben Monaten an der Abrechnung mitarbeiten. Leistungen seien erbracht worden, die nun auch bezahlt werden müssten. 

Am Ende einigte sich der Stadtrat mehrheitlich darauf, Neuland Zeitreisen eine Abschlagszahlung in Höhe von 60.000 Euro zu zahlen. "Im nächsten Stadtrat im September können wir immer noch entscheiden, ob die Kommune noch mehr Geld fließen lässt", sagte Simone Hartmann.  

Ganz begraben ist das Kultur- und Innenstadtmanagement damit allerdings nicht. Stadtchef Kummer will einen zweiten Versuch starten und eine erneute Ausschreibung vorbereiten. Ob sich dann erneut Neuland Zeitreisen beteiligt, ist offen.  

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