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Wie ein Dresdner Architekt andere für Zittau begeistert

Rainer Scholz' erster Eindruck von der Stadt war nicht gut. Inzwischen will er ein Barockhaus sanieren. Und er holt weitere Investoren her - sogar einen Arzt, der vielleicht eine Praxis eröffnet.

Der Dresdner Architekt Rainer Scholz vor seinem Haus in Zittau, der Inneren Weberstraße 24.
Der Dresdner Architekt Rainer Scholz vor seinem Haus in Zittau, der Inneren Weberstraße 24. © Rafael Sampedro (Archiv)

Es war keine Liebe auf den ersten Blick. "Pechschwarz" sei ihm Zittau erschienen, als er in den 90er Jahren die Stadt kennen lernte, sagt Rainer Scholz. Tristesse, Verfall, kaum Leben auf den Straßen und Plätzen - so hat er die Stadt von damals in Erinnerung. 

Das erste Mal nach Zittau gekommen ist der in Lüneburg geborene und in Dresden lebende Architekt auf Suche nach Immobilien für Dritte. Die architektonischen Schätze der Stadt nimmt er wahr. Sie ändern seine Meinung über das Gesamtbild aber nicht. Dennoch kommt er immer wieder an die Mandau, was unter anderem an seiner Faszination für Böhmen und Reichenberg (Liberec) sowie die Schmalspurbahn liegt. Selbst während der Sanierung des Marktes zwischen 2013 und 2015 kann sich Rainer Scholz noch nicht für Zittau erwärmen. Die offene Wunde mitten in der Stadt schreckt ihn ab.

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Zittau hat Flair - abseits vom Großstadt-Stress

Doch eines Tages, als der Markt fertig ist, steht Scholz an einem sonnigen Tag im Herzen der Stadt. Und ihm wird klar, was "für ein wahnsinniges Flair"  Zittau hat, wie er sagt. Viel ist saniert, die Architektur kommt zur Geltung, der Ring mit seinen Parkanlagen ist etwas Besonderes, die Umgebung mit Gebirge und See sowieso und die Verbindungen zu den Nachbarn im Dreiländereck, vor allem nach Böhmen, wachsen ...

Dazu kommt, dass Großstädter wie Scholz, der auch in München gelebt hat, von den Begleiterscheinungen des Wachstums der Metropolen mit sozialem Stress und teuren Immobilien genervt sind. "Es ist nicht mehr das Freiheitsgefühl wie vor 20 Jahren", sagt er. Da entwickeln Klein- und Mittelstädte plötzlich Anziehungskraft.

Um ein bisschen rauszukommen, sucht der Besitzer einer Villa im Dresdner Nobel-Viertel Blasewitz zur selben Zeit abseits der Landeshauptstadt ein Gartengrundstück. Dabei rückt wieder Zittau in sein Blickfeld. Aus dem Interesse für eine Datsche im Grünen wird der Wunsch nach einer Immobilien in der Dreiländereck-Stadt. Erst soll es ein Jugendstil-Haus werden, dann stößt der Architekt bei einer Auktion auf die Innere Weberstraße 24.

Sanierung möglichst bald

Scholz sieht sich das Haus an, spricht mit dem Eigentümer. Als Architekt weiß er natürlich, was er da vor sich hat: Im Inneren sind noch viele Teile im Original erhalten. Unter der Erde liegt ein großer Bierkeller. Wenn er sich die später eingezogenen Wände weg denkt, ersteht das Innenleben des 1764 erbauten, barocken Einfamilienhauses mit großem Treppenhaus, Hallen auf jeder Etage und rund 500 Quadratmetern Grundfläche vor seinem inneren Auge wieder auf. Allerdings sind ihm auch der schlechte Zustand der Substanz, vor allem des Daches, und die vielen An- und Umbauten aus späteren Zeiten  nicht entgangen. 

2018 hat er die Innere Weberstraße 24 gekauft. Er wolle das Haus sanieren und möglichst viel Barock zurückholen, sagt Scholz. Wie in seinem Dresdner Haus will er auch in seinem Zittauer Ferienwohnungen einrichten. Der Denkmalschutz hat seinen Angaben zufolge das Vorhaben schon genehmigt. Derzeit plant Scholz und will demnächst mit der Stadtentwicklungsgesellschaft über die Vorstellungen und die Finanzierung sprechen. Dort hofft man auf die Umsetzung der Pläne und hat schon vorsorglich Fördermittel beantragt. Gern würde der Dresdner noch in diesem Jahr mit der Sanierung beginnen. 

HNO-Praxis in der Innenstadt?

Seine spät gefundene Begeisterung für Zittau behält Scholz nicht für sich. Silvester 2018/2019 hat er seinen Bruder in die Stadt zur Feier eingeladen und angesteckt. Kurze Zeit später kauft der ein Haus in der Reichenberger Straße und kümmert sich darum.

Ein Freund des Bruders aus München wird durch die zwei auf Zittau aufmerksam. Der begeisterte Denkmalschützer ist hingerissen vom historischen Stadtkern. "Er möchte der Nachwelt gern ein Haus erhalten", sagt Scholz. Nun sucht der Münchner das passende Objekt - in Zittau. Aktuell hat er ein Haus an der Lessingstraße im Blick.  

Und dann ist da der frühere Dresdner Freund, der inzwischen Chefarzt an der Charité in Berlin ist. Der will laut Scholz wieder raus aus der Hauptstadt. Ihm hat der Architekt Zittau so schmackhaft gemacht, dass auch er ein Innenstadthaus gekauft hat. "Er kann sich vorstellen, dass seine Kinder hier groß werden", sagt Scholz. Und das er und seine Frau in dem Haus eine HNO-Praxis eröffnen.

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