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Innovationsbeirat bringt 5G in die Lausitz

Expertenrunde des Freistaates bereitet zudem die Ansiedlung von zwei Helmholtz-Forschungszentren in Sachsen mit vor.

Dass Roboter monotone Arbeiten ersetzen, ist nicht neu. Dass aber in der Lausitz neueste Telekommunikationstechniken Personalprobleme lösen könnten – das ist neu. Der Strukturwandel in der Kohleregion macht es möglich.
Dass Roboter monotone Arbeiten ersetzen, ist nicht neu. Dass aber in der Lausitz neueste Telekommunikationstechniken Personalprobleme lösen könnten – das ist neu. Der Strukturwandel in der Kohleregion macht es möglich. © Ronald Bonß

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Vor einem Jahr berief Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) einen Innovationsbeirat, um mit nationalen Experten Chancen für den Umbruch in den Kohlerevieren zu suchen. Mittlerweile nehmen erste Projekte Gestalt an. So werden künftig mehr mobile 5G-Sendestationen in die Regionen gebracht.

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Die ersten zwei Container dieser Art sind bereits im Einsatz, ein weiterer werde bis Ende des Monats fertig, drei weitere seien jetzt in Planung, berichtete am Montag der Leiter des Telekom-Lehrstuhls für Kommunikationsnetze der TU Dresden, Frank Fitzek, nach einer Sitzung des Innovationsbeirats in Leipzig. 

„Wir wollen als eines der ersten Projekte mit den Mitteln für die Kohleregionen weitere Container anschaffen“, erklärte Regierungschef Kretschmer. Ausgaben von 1,5 Millionen Euro seien bereits besprochen worden, um mehr Unternehmen sowie die Berufsschulen zu erreichen. Dies gelte zunächst für die Kohlereviere, später auch für ganz Sachsen. Anfang 2021 könnten weitere 5G-Container im Einsatz sein.

Institut auch für Zittau?

Die 5G-Campusnetzwerke haben einen kleinen Radius von ein paar Hundert Metern. Sie sollen in beispielhaften Pilotfällen Unternehmen und Handwerkern Produktionsmöglichkeiten mit neuen Technologien aufzeigen. In einem Beispiel konnte ein Bäcker, dem Auszubildende fehlen, einen Roboter für die Fertigung von Brötchen einsetzen. „Die 5G Technologie kann insbesondere den Digitalisierungsgrad im ländlichen Raum erhöhen, Produktivität steigern und Wachstum stärken“, sagte Elektrotechnik-Professor Fitzek, zugleich Koordinator des 5G-Labs Germany. Durch die Campusnetzwerke würden Infrastrukturen geschaffen, die einen Wettbewerbsvorteil für lokale Unternehmen bringen.

Der Innovationsbeirat bahnt zudem den Aufbau von zwei großen Helmholtz-Forschungszentren in der Lausitz und in der Region Leipzig an, die im Zuge des Kohleausstiegs geplant werden. Laut Kretschmer gehe es um Ansiedlungen mit einem Jahresetat von 50 bis 100 Millionen Euro und 500 bis 1.000 Mitarbeitern. Sie könnten etwa in Görlitz oder Zittau, Hoyerswerda oder Weißwasser entstehen, so Kretschmer. Im Leipziger Revier wird über die Ansiedlung an einem ehemaligen Tagebausee diskutiert. Wichtig sei, die Zentren in den ländlichen Regionen anzusiedeln und nicht in den Metropolen Leipzig und Dresden. Das Beispiel des niederbayrischen Straubing, das mit einem Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe und einem Campus für Biotechnologie einen steilen Aufschwung genommen hat, mache ihm Mut für solche Wege, so Kretschmer. Er führt zudem Gespräche über ein deutsch-tschechisches Forschungsinstitut in Zittau.

Internationalität wichtig

Zu welchen Inhalten in den Helmholtz-Zentren konkret geforscht werden soll, steht noch nicht fest. Denkbar seien Themen wie Digitalisierung, Quantencomputing und Medizintechnik, sagte Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU). Derzeit liefen Gespräche mit dem Bund. Auch eine Jury werde eingesetzt. „Wir haben die klare Erwartungshaltung an den Bund, dass es zwei Helmholtz-Zentren mit internationaler Ausstrahlung werden“, betonte Gemkow. In der Lausitz könnte ein Zentrum zur Digitalisierung im Gesundheitswesen und zur personalisierten Medizin-Technik entstehen. Zu dem Thema könnten die Experten schon in wenigen Wochen konkretere Aussagen treffen, kündigte der Vorsitzende des Innovationsbeirates, Wolfgang A. Herrmann, an, der bis 2019 Präsident der TU München war. Bei den Themen Mobilität und Energie könne es ein paar Monate länger dauern. „Wir planen eine weitere Sitzung des Beirates zu Beginn 2021.“ Die Auswahl aus verschiedenen Konzepten treffen aber am Ende die Helmholtz-Gesellschaft und der Bund.

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Der Innovationsbeirat wurde im August vorigen Jahres berufen. Zu den Mitgliedern gehören unter anderem die frühere Bundesforschungsministerin Johanna Wanka, Ex-Bundesminister Thomas de Maizière, der ehemalige VW-Chef Matthias Müller, der frühere Chef von Porsche Leipzig, Siegfried Bülow, sowie der bisherige Rektor der TU Dresden, Hans Müller-Steinhagen.

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