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Insekten stinken Gorbitzern

Mietern reicht es jetzt. Die Birken vor ihren Häusern sollen schuld sein an einer Wanzenplage. Doch was hilft?

Von Lars Kühl und Tobias Hoeflich

Wenn Arne Gürke auf seinen Balkon geht, kontrolliert er erst einmal die Wände und beginnt zu zählen. Noch ist das Ergebnis in diesem Jahr überschaubar. Doch der Gorbitzer hat Angst, dass es bald wieder so schlimm wird wie vorigen Sommer. Es sind Winzlinge, die ihn ärgern: Gürke fürchtet sich vor Wanzen. Nicht, dass sie ihn stechen würden. „Nein, sie stinken fürchterlich, wenn man sie zerdrückt.“

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Von Natur aus sind Birkenwanzen sehr kleine Tiere.
Von Natur aus sind Birkenwanzen sehr kleine Tiere.

So richtig kam die Invasion der krabbelnden Insekten erst in den vergangenen vier, fünf Jahren, erzählt er. Vorigen Sommer hätten sie ihn zu Tausenden belästigt. „Da habe ich 100 Stück in der Stunde gezählt.“ Als Ursache hat Gürke die Birken vor seinem Wohnblock an der Maulbeerenstraße ausgemacht.

Das Wanzen-Problem hat Gürke in Gorbitz nicht allein. Auch der Familie von Uwe Gräfe stinkt es. Seit 1997 leben sie in einer Wohnung der jetzigen Gagfah-Gruppe im Limbacher Weg 7. Schon damals standen vier Bäume, davon drei Birken, vor ihrem Haus. Die wuchsen in den Jahren, bis sie über den Wohnblock hinausragten. Die Bäume wurden nie zurückgeschnitten, sodass die Äste bis fast an die Fenster reichten. Voriges Jahr, hat Gräfe beobachtet, haben sich zum ersten Mal die Birkenwanzen eingenistet. „Die waren dann auch schnell in den Räumen der Wohnungen anzutreffen.“ Gräfe fragte daraufhin beim Gesundheitsamt nach. Eine Mitarbeiterin habe ihm empfohlen, die Wanzen abzusammeln oder abzusaugen. „Wenn man sie allerdings mit dem Staubsauger einsammelte oder zerdrückte, gaben sie einen üblen, stinkenden, unangenehmen Geruch von sich, der schwer wieder zu beseitigen war“, erzählt er. „Der Staubsauger konnte nur noch entsorgt werden.“

Als aber später zwei Birken gefällt und die Äste der restlichen Bäume zurückgeschnitten wurden, dachte Familie Gräfe, die Wanzen würden nicht wiederkommen. Sie lag falsch. Bereits im März trafen sie erneut die ersten Stinker an ihren Fenstern an. Insektenspray bekämpft sie nicht. Ein Mittel gegen das Ungeziefer soll ein Leimring sein. Den hat die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt um eine Birke auf der Pfotenhauer Straße befestigt, als dort Mieter Probleme mit Birkenwanzen hatten. Der Ring soll die bräunlichen Sechsbeiner am Krabbeln hindern.

Derartiges fehlt aber an den Gorbitzer Bäumen genauso wie Rindenmulch am Boden, der auch vorbeugen könnte. Der Gagfah ist das Problem nicht bekannt, erklärt Unternehmenssprecherin Bettina Benner auf Nachfrage der SZ. Auch beim zuständigen Hausmeister habe sich kein Mieter wegen der Tierchen gemeldet. „Der Sachverhalt wird von uns umgehend geprüft, und wir werden die entsprechenden Maßnahmen einleiten.“ Eine Spezialfirma soll beauftragt werden.

Drüsen werden bei Gefahr benutzt

Obwohl die Birkenwanzen bereits in einigen Gebieten auftreten, sind sie laut Umweltamt stadtweit noch kein Problem – vor allem, weil sie aus gesundheitlicher Sicht keine Gefährdung für die Menschen darstellen. Bei Sebastian Schmidt, dem Abteilungsleiter für Naturschutz, sind bisher nur wenige Beschwerden eingegangen. Für Dresden gebe es keine lokalen Dichtezentren. Das Wanzenvorkommen schwanke. In Abhängigkeit von der Witterung würden sie sich verbreiten. Dass die Krabbler übel riechen, bestätigt Schmidt. Grund seien ihre Stinkdrüsen, die sie bei Störungen und zur Abwehr benutzen.

Wirksame Gegenmittel kennt auch der Naturschützer nicht. Fenstergitter würden zumindest verhindern, dass die Insekten in die Wohnungen gelangen. Im Herbst sollte dann das abgefallene Laub und Reisig entsorgt werden, da die Wanzen darunter oft überwintern. Das Bäumefällen hält Schmidt für die falsche Gegenmaßnahme.

Nach dem milden Winter wird die Angst der Gorbitzer vor den Birkenwanzen diesen Sommer wohl latent bleiben. Im Frühjahr, als es warm wurde, sind sie geschlüpft. Nach und nach beginnt jetzt normalerweise das große Krabbeln. Bis zum Spätherbst bleiben die Wanzen.